Springe zum Inhalt

Was bedeutet eigentlich „Motorik“ (Feinmotorik, Grobmotorik) ?

Der Begriff Motorik, welcher von dem griechischen Begriff motorikè tèchne (Bewegungstechnik, Bewegungswissenschaft oder – lehre) abgeleitet wird, steht für die Gesamtheit der Aktionen der Muskulatur, also für ihre Bewegung. Grundsätzlich kann man zwischen Grobmotorik und Feinmotorik unterscheiden. Grobmotorik umfasst die Bewegungsfunktionen des Körpers, welche der Gesamtbewegung dienen (z.B. Laufen, Springen, Hüpfen), wohingegen man als  Feinmotorik die Bewegungsabläufe der Hand-Fingerkoordination, aber auch Fuß-, Zehen-, Gesichts-, Augen- und Mundmotorik bezeichnet.

Viele wichtige Komponenten sind bereits erforscht und auf Grund der Durchführung von Experimenten objektiv messbar. Die Funktionstüchtigkeit und das Zusammenspiel zahlreicher Komponenten wie konditionelle Grundeigenschaften, koordinative Fähigkeiten und persönliche Ausstrahlung bestimmen die Qualität der Motorik. Zu der großen Auswahl an motorischen Testangeboten zu Teilbereichen wie Grundeigenschaften und den koordinativen Grundfähigkeiten, spielt vor allem auch die Komponente Bewegungskoordination auf Grund ihrer hohen Aussagekraft über den Gesamtkomplex Motorik eine sehr wichtige Rolle.

Feinmotorik

Folgende Voraussetzungen benötigt man um feinmotorisch geschickt arbeiten zu können:

  • ein Gefühl für feine Bewegungen und die eigenen Hände
  • ausreichend Muskelspannung in der Hand und den Fingern
  • Ausführung feiner Bewegungen mit den Fingern, nicht aus der Schulter heraus
  • Kraftdosierung
  • Festgelegte Händigkeit (entwickelt sich bis zum 3. Lebensjahr und festigt sich mit 4 bis 4,5 Jahren)

Grobmotorik

Bei der Grobmotorik spielen vor allem diese Punkte eine wichtige Rolle:

  • Gut entwickeltes Gleichgewicht
  • Gespür für den eigenen Körper (Körperwahrnehmung)
  • Ausreichende Muskelspannung

Als Voraussetzung sowohl für die Feinmotorik als auch für die Grobmotorik gilt das Gestalten einer koordinierten Bewegung - die koordinativen Fähigkeiten. Zurzeit wird zwischen den folgenden sieben koordinativen Fertigkeiten unterschieden:

  • Kopplungsfähigkeit
  • Differenzierungsfähigkeit
  • Reaktionsfähigkeit
  • Gleichgewichtsfähigkeit
  • Orientierungsfähigkeit
  • Rhythmisierungsfähigkeit
  • Umstellungsfähigkeit

Zusammen mit den konditionellen Fähigkeiten bilden sie als so genannte motorische Fähigkeiten die Grundvoraussetzung jeglicher sportlicher Leistung.

Training des Gleichgewichts

Das Gleichgewicht

Die Ausbildung dieser Fähigkeiten ist auf das Vorhandensein der sensomotorischen Lernfähigkeit zurückzuführen, die als fundamentale Basisfähigkeit anzusehen ist. Sie beinhaltet zudem die Steuerungs- und Regulationsfähigkeit, die ebenfalls als übergeordnete Fähigkeiten angesehen werden. Steuerung und Regulation sind zunächst auf die Gleichgewichtsfähigkeit ausgerichtet, welche die Grundvoraussetzung der weiteren Fähigkeiten darstellt. Sie ist für sämtliche aktiven statischen und dynamischen Sicherungs-, Stabilisierungs- und Kompensationsreaktionen des Gleichgewichts zuständig. Sie stellt dadurch eine wesentliche Grundvoraussetzung für jegliche sportliche Aktivität dar. Angefangen von der aufrechten Haltung im Stand, im Gehen oder beim Laufen, in liegender Position beim Schwimmen, bis hin zu Sportarten mit umfassender und schneller Lageveränderung wie sie beim Geräteturnen oder Turmspringen auftritt. Dabei ist sie für Höchstleistungen in einigen Sportarten unumgänglich, sei es aufgrund von Gegnereinwirkung wie beim Judo oder Eishockey, bzw. aufgrund der labilen Untergrundbedingungen wie beim Skifahren. Die Fähigkeit das Gleichgewicht zu halten lässt sich mit verschiedenenen Sportgeräten und Hilfsmitteln zum Thema Balance und Gleichgewicht trainieren.

Gleichgewichtsarten

Bei der Systematisierung der verschiedenen Arten des motorischen Gleichgewichts wird klassischerweise in statisches (Static Balance), dynamisches (Dynamic Balance) und Objektgleichgewicht (Balancing Objects) unterschieden.

Im Gegensatz zu dem dynamischen Gleichgewicht soll der Körper bei dem statischen Gleichgewicht am Ort in einer gewissen Position gehalten werden (Stand auf einem Bein, Standwaage, Handstand etc.). Bei dem Objektgleichgewicht wird nochmal zwischen ortsgebundenen Objekten und freibeweglichen Objekten unterschieden.

Übersicht Gleichgewicht
Übersicht Gleichgewicht

Die Gleichgewichtsfähigkeit unterliegt großen individuellen Schwankungen. Die individuellen Unterschiede nehmen tendenziell mit dem Lebensalter zu. Dies gilt insbesondere für Bewegungsabläufe, die im Alltagsleben nicht ausreichend geschult werden.  Untersuchungen zeigen, dass die Gleichgewichtsleistung im Verlauf der menschlichen Entwicklung zunächst zunimmt, bei mangelnder sportlicher Betätigung in der späten Jugend frühzeitig stagniert und schließlich mit einem Alter von ca. 20 - 29 Jahren rückläufig ist.

Training des Gleichgewichts

Eine ausgeprägte Gleichgewichtsfähigkeit bildet die Grundlage jeglicher motorischer Handlung, da ohne die Aufrechterhaltung von Haltung, Stellung und Gleichgewicht keine Zielmotorik denkbar ist.

Die Gleichgewichtsfähigkeit wird leider weitaus seltener als leistungsbegrenzend wahrgenommen als etwa die Komponenten Kraft, Schnelligkeit oder Ausdauer und daher im sportlichen Training in viel geringerem Maße berücksichtigt. Dabei weist gerade die Gleichgewichtsfähigkeit eine gute Trainierbarkeit auf und somit werden schnell messbare Erfolge erzielt, die auch das Selbstvertrauen stärken können.

Für das konkrete Training werden neben Stand- und Balancierübungen auf stabilen Unterstützungsflächen, häufig labile beziehungsweise begrenzte Unterlagen eingesetzt.

Hierbei kommen unter anderem Geräte wie weiche Matten, Gelkissen, Trampoline, Kreisel, Wackel-, Kipp- und Rollbretter, sowie Medizinbälle, Propriomeds® bzw. Posturomeds® zur Anwendung. Spielerisch kann das Gleichgewicht in jedem Alter geschult werden, das in der Abbildung gezeigte Balanco eignet sich für das Üben zuhause und im Kindergarten, aber auch für Rehabilitation, Orthopädie, Sporttraining, Psychomotorik, Sensomotorik, Fitnessbereich, Spiel- und Didaktik, Schulsport, Seniorenarbeit.

Gerade der Einbeinstand stellt hierbei für den Trainierenden auf diesen instabilen Medien eine anspruchsvolle Aufgabe dar.

Durch den Einsatz von Hilfsmitteln wie z.B. Bällen kann zudem die Schwierigkeit erhöht werden. Zur Schulung des Drehgleichgewichts dienen Drehungen und Rotationen um die eigenen Körperachsen. Dies kann sowohl im Sitzen, im Stand als auch im Sprung geschehen. Durch Bewegungsformen mit Flugphasen wird schließlich das Fluggleichgewicht geschult.

Die neue Sportart Slacklinen (das Balancieren auf 2,5 – 5cm breiten Bändern, die meist zwischen Bäume gespannt werden) ist nicht nur eine Funsportart, sondern verbindet den Spaß an der Aktivität mit dem aktiven Training. Verschiedenste Bereiche der Gleichgewichtsfähigkeit werden alleine schon beim Balancieren auf den Bändern angesprochen. Durch verschiedene Aufspannlängen und Vorspannungen können die Anforderungen weiter verändert werden oder auch die Schwierigkeit mit Tricks und Sprüngen fortgeschrittenen Athleten angepasst werden. So findet jeder die optimale Herausforderung für sich. Dem Spaß sind keine Grenzen gesetzt!

Quellen:

Aus der Diplomarbeit „Auswirkungen von Slacklining auf die Gleichgewichtsfähigkeit und weitere Parameter im Vergleich zum Einsatz herkömmlicher Trainingsmittel“, Autoren: Andreas Frank, Patrick Rist (2009)

Weitere Quellen:

de.wikipedia.org/wiki/Motorik

www.lafueliki.de/feinmotorikinfos.php

www.ergotherapie-leibing.de/grobmotorik.htm

9 Gedanken zu „Was bedeutet eigentlich „Motorik“ (Feinmotorik, Grobmotorik) ?

  1. Lena lindner

    Ich würde gerne mal genauer wissen was mit der Korperwahrnehmung genau gemeint ist.Ist damit gemeint, wie ich meinen Körper in bestimmten Situationen bewege und damit Wahrnehme das wenn ich zum Beispiel durch eine viel zu kleine Türe gehe, dass ich mich dann ducken muss?Oder ist damit gemeint wie ich mein Körper an sich,also wie er aufgebaut ist oder auch was Bei dem Körper von Mädchen und Junge anders ist?

  2. Malena

    Hi Lena,
    die Körperwahrnehmung gehört zum tiefensensiblen/propriozeptiven System welches für die Tonusregulation (also die Muskelnspannung), die Haltungskontrolle (bedeutet den Körper gegen die Schwerkraft sicher und stabil halten zu können), die Kraftdosierung und eben die Körperwahrnehmung zuständig ist.

    Zur Körperwahrnehmun gehören Dinge wie das Körperschema, also sowas wie eine innere Landkarte, die uns Bewegungen planen lässt und sich in unserer Geschicklichkeit äußert. Dazu kommt das Körperbild (sagt uns wie sich der Körper anfühlt) und im auch der Körperbegriff: eine kognitive Leistung faktische Kenntnisse über den Körper zu haben.

    Eine ganz typische Situation für Kinder mit Körperwahrnehmungsstörung ist es, wenn das Kind beim Leiter runter klettern immer wieder eine Sprosse verpasst, weil es nicht weiß bzw. wahrnehmen kann, wie lang seine Beine sind.

    Wenn du dich also duckst wenn du durch eine zu kleine Türe gehst, dann ist deine Körperwahrnehmung dafür mit verantwortlich, weil du weißt "aha ich bin zu groß & da würde ich anstoßen".

    Ich hoff ich konnte es dir ein bisschen verständlich machen...

  3. Boscher karl-heinz

    Was bedeutet "Ungestörte Feinmotorik"? In einen REHA Bericht steht dieser Ausdruck
    bei einen Patienten, der: kein Hemd zuknöpfen,
    keine Schuhe binden, usw. kann.
    Wozu gehören diese Tätigkeiten??
    mfg

  4. Spielundlern

    Hallo Herr B.,

    das ist ungewöhnlich. Eigentlich bezeichnet man mit Feinmotorik die Hände, z.B. Schreiben und Malen. Vielleicht meint der Gutachter, das kein Zittern vorliegt (d.h. kein Parkinson)? Aber wer kein Hemd zuknöpfen kann, hat für mich eine gestörte Feinmotorik. Vielleicht war es nur ein Schreib- bzw. Diktierfehler?
    Danke für Ihr Interesse an Spielundlern!

  5. mohammad talebizade

    Würden Sie bitte ein Buch oder Quelle für Zusammenhang von Motorik und Komponieren also bei Musikanten vorstellen?

  6. Spielundlern

    Hallo,
    beim Musizieren spielt vor allem die Feinmotorik eine Rolle. Unter anderem müssen Takt und Druckstärke (auf Tasten oder Saiten) stimmen und perfekt koordiniert werden, dies häufig in schneller und komplizierter Abfolge. Muskelanspannung und Fingerbewegungen müssen also in diesem Fall sehr genau aufeinander abgestimmt sein. Darum sind Menschen, die ein Instrument beherrschen, sehr gut in ihren feinmotorischen Fertigkeiten. Diese Fertigkeiten bezüglich der Feinmotorik sind der Grundsatz auch für jede Beschäftigung mit einem Instrument und sind in diesem Zusammenhang häufig so hoch ausgebildet, dass nur regelmäßiges und häufiges Üben sie auf diesem Hochstand erhalten kann. Übungen zur Feinmotorik beim Spielen von Instrumenten oder Komponieren von Musik wird in den speziellen Regelwerken angeboten, die in Musikschulen und anderen musischen Institutionen und schulischen Einrichtungen Verwendung finden. Werke zu Fingerübungen und speziell auf ein Instrument bezogene Fachliteratur decken unter anderem auch diese für die Verbesserung der Feinmotorik nötigen Übungen ab. Welche dies im Einzelnen sind, hängt vom Instrument ab und sicherlich auch von den Fertigkeiten, die bereits zur Verfügung stehen (betreffen also Instrument wie auch gewünschten Schwierigkeitsgrad).
    Vielen Dank für Ihr Interesse an SpielundLern.

  7. christel Mehnert

    Kann ich mit 80 Jahren etwas tuen, tm meine Grob- und Feinmotorik zu verbessern-? Ich habe Gangstörungen. Ich benötige den Szock und Rollator .Christel Mehnert

  8. Spielundlern

    Guten Tag Frau Mehnert, vielen Dank für Ihr Interesse an dem Thema Motorik. Es gibt mittlerweile sehr gute Hilfsmittel für Senioren zur Förderung der Motorik. Insbesondere die Feinmotorik lässt sich mit einfachen und erschwinglichen Spielen und Übungsmaterialien auch zu Hause leicht üben und nachbessern. Wir möchten Ihnen gerne einige der bewährten Materialien nachfolgend vorstellen. Wichtig ist es für die Verbesserung der feinmotorischen Leistungen der Hand, die Handmuskulatur zu stärken. Geeignete Hilfsmittel dafür sind beispielsweise weiche und formbare Bälle, die gefangen, geknetet oder geworfen werden. Ein solcher Ball ist der Spordas® Roll-N-Rattle-Ball. Durch die innenliegenden kleineren Bälle ist eine gute Fang- und Wurfübung möglich. Die Handmuskulatur üben und stärken auch die TOGU®-Brasil-Handmassage-Rollen oder der Spordas® RubberFlex GrabBalls 21,6 cm, der geknetet, gedrückt und mit beiden Händen gezwirbelt werden kann. Sehr häufig in Therapie und Gymnastik verwendet wird der Dittmann Rubber-Band®. Klassische und beliebte Hilfsmittel für die Verbesserung der Feinmotorik ist nach wie vor der Heiße Draht in klein und der Heiße Draht in groß, dabei muss eine Metallschlinge möglichst berührungsfrei einen Metalldraht in geschwungener Form entlanggeführt werden.
    Zu den wirkungsvollen Therapiehilfsmittel für sensomotorische Übungen, die man auch zu Hause anwenden kann, gehören die TheraBeans in der praktischen Tasche. Durch das Führen der Hände durch die Kunststoffbohnen wird der Muskulatur immerzu ein Widerstand geboten und dadurch wird sie gekräftigt. Es geht aber auch spielerisch: Für alle Altersklassen, die die Feinmotorik verbessern wollen, ist das Spiel EasyTip wertvolle und auch Freude bringende Beschäftigung. Eine Spielvariante davon, die auch optisch und haptisch was hermacht ist der Motorikstern. Nach dem gleichen Prinzip wie EasyTip werden hier farbige Kugeln sortiert und gesetzt, Feingefühl wird gefordert und gefördert.
    Wir hoffen, Ihnen hiermit weitergeholfen zu haben, vielleicht finden Sie unter der Fülle das Richtige für sich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Die Datenschutzbestimmungen habe ich zur Kenntnis genommen.