IQ-Tests für Kinder – wann und warum?

IQ-Test für Kinder

Grundinformationen zum IQ-Test für Kinder

Ein IQ-Test ist ein Instrument der Intelligenzdiagnostik. IQ steht als Abkürzung für den Begriff Intelligenzquotient. Ein Test des Intelligenzquotienten misst mittels einer Reihe zu lösender Problemstellungen die intellektuelle Begabung in unterschiedlichen Feldern. Das Ergebnis des IQ-Tests für Kinder macht Aussagen über den aktuellen Entwicklungs- und Lernstand eines Kindes.

Ausführende Fachkräfte

Ein IQ-Test sollte nur von erfahrenen Fachkräften durchgeführt werden. Pädagogen, Therapeuten, Psychologen oder Kinderärzte sind mit diesen IQ-Tests für Kinder vertraut oder leiten an Fachkundige weiter, die diese Tests adäquat durchführen und auswerten. Wichtig ist diese kompetente Durchführung vor allem, weil der letztliche Intelligenzquotient eine Zahl ist, die weitergehend in Verhältnis gesetzt, gedeutet und in die Lebenswirklichkeit der Kinder eingebunden werden will.

Ablauf

In der Regel wird zuerst ein Elterngespräch ohne das Kind geführt, in dem die Entwicklung des Kindes und auch die familiäre Dynamik eine Rolle spielt. Anschließend werden dem Kind nach einem Kennenlerntermin in zwei bis drei Folgetreffen ein Fragen- und Aufgabenkatalog vorgelegt. Es geht um konventionelle und unkonventionelle Aufgabenlösungen, die der Getestete in einer vorgegebenen Zeit entsprechend seinen Fähigkeiten lösen muss. Die Anzahl der richtigen Antworten ist das Ergebnis. Dieses bekommt als Vergleichswert den Mittelwert einer Normstichprobe eines im Alter und Geschlecht gleichen Kindes. Der IQ ergibt sich aus dem Verhältnis der beiden Zahlen. Das Ergebnis wird anschließend mit den Eltern besprochen.

Wann ein IQ-Test empfohlen wird

Die ersten Überlegungen, einen IQ-Test für Kinder zu machen, kommen zumeist dann auf, wenn das Kind vermehrt Auffälligkeiten in Kindergarten oder Schule zeigt. Meist werden die Eltern von den Erziehern, Lehrern oder Therapeuten angesprochen, gelegentlich aber erhoffen die Eltern selbst sich anhand eines IQ-Tests mehr Gewissheit zu erlangen, warum ihr Kind auf Schwierigkeiten stößt. Dabei geht es sowohl um Auffälligkeiten in der sozialen Verhaltensweise wie auch um solche im Lernfortschritt. Häufig kommt es zu schwerwiegenden Problemen, wenn Schwellensituationen entstehen: Der Wechsel in den Kindergarten, der Wechseln in die Grundschule, Änderung der Familiensituation, veränderte Gruppendynamiken innerhalb des Umfelds – dies alles sind Situationen, die Entwicklungsstufen verlangen, deren Bewältigung herausfordernd ist und wo Leistungsschwächen oder -stärken besonders auffallen.

Ein IQ-Test für Kinder wird meist ab 6 Jahren, also nicht vor dem Eintritt in die Grundschule empfohlen und nur in gut begründeten Fällen im Kindergartenalter durchgeführt. In der Regel wird von einem IQ-Test für Kinder abgeraten, sofern er nur interessehalber von den Erziehungsberechtigten verlangt wird. In diesen Fällen wird darauf hingewirkt, das Verständnis dafür zu stärken, dass ein IQ-Test zwar wichtig sein kann, aber doch letztlich nur eine Facette des Wissens wiederspiegelt und nur im therapeutischen, begleiteten Prozess überhaupt aussagekräftig und von Nutzen ist.

Der Nutzen eines IQ-Tests für Kinder

Bedeutung des IQ

Ein IQ-Test für Kinder ist im Ergebnis nicht „nur“ eine Zahl – sondern ist im optimalen und wünschenswerten Fall auch der Anfang einer individuellen Reise, die kundige Begleiter daraus als mittel- und langfristiges Konzept und Handreichung entwickeln und begleiten. Der IQ sollte nie singulär erhoben werden, sondern gepaart mit therapeutischer Beratung als Grundlage für Fördermöglichkeiten dienen.

Pro und Contra

Gerade bei großen und länger anhaltenden Schwierigkeiten im Lernverhalten, dem sozialen Verhalten oder der emotionalen Entwicklung der Kinder kann ein IQ-Test eine Basis für einen therapeutisch begleiteten umsichtigen weiteren Weg sein. Wichtig kann ein IQ-Test für Kinder auch sein, wenn es zu plötzlichen Verhaltensänderungen kommt oder ein von außen nicht begründbarer starker Leistungsabfall festgestellt wird.

Problematisch kann es hingegen werden, wenn die Erhebung des Intelligenzquotienten allein aus Neugierde oder auf Grundlage der Annahme eines hohen Wertes beim eigenen Kind vorgenommen wird. Schnelle Onlinetests können hier mehr schaden anrichten als helfen. Für die Kinder sind Stresssituationen eine hohe Belastung. Noch prägsamer ist es schlussendlich, wenn die Kinder bei einem Ergebnis unter oder im Normalbereich die eventuelle Enttäuschung ihrer Eltern miterleben.

Auswertung

Überdurchschnittliches IQ? Unterdurchschnittliches IQ? Auch wenn ersteres gerne gesehen wird, so schaffen beide Ergebnisse gleichermaßen viele Reibungspunkte. Sowohl ein höheres als auch ein niedrigeres IQ sind häufig ausschlaggebend für Verhaltensauffälligkeiten in der Klasse, der Familie oder der sozialen Gruppe. Überforderte Kinder neigen genauso zu problematischem Verhalten wie unterforderte, sodass es wichtig ist, hier Klarheit zu schaffen. Auf Grundlage des Ergebnisses beim IQ-Test für Kinder spricht entsprechendes Fachpersonal Empfehlungen zur Förderung oder auch zur Unterstützung eines Kindes aus. Ganz gleich, wie das Ergebnis ausfällt, geht es immer um ein angepasstes Lernpensum, ein förderliches soziales Umfeld und weiterführende Fördermöglichkeiten. Dazu liegt der Fokus generell auf die Entwicklung eines positiven Selbstkonzeptes.

Angepasstes Lernpensum

Es ist für viele Kinder ein Dilemma: Die gleiche Aufgabe wird an die gesamte Klasse vergeben – ungeachtet der Schwächen und Stärken der Schüler. Dieses überalterte Konzept gibt es nach wie vor an vielen Schulen. Schulen mit JÜL-Konzept, also den altersübergreifenden Klassen mit individuellem Lernpensum,  wie auch Montessori-Schulen und Freie Schulen, etablierten in den letzten Jahrzehnten zunehmend dieses Konzept. Dieser Lernweg vermeidet nicht nur von Grund auf die Ausprägung von Lernstress und Lernstörungen, sondern ist auch der Königsweg für die Förderung von Kindern mit IQ-Werten, die außerhalb der Norm liegen.

Förderliches soziales Umfeld

Eine Kernaufgabe der Förderung von Schülern, die infolge eines IQ-Tests auffällige Werte mitbringen, ist die Einbindung möglichst aller Familienmitglieder in den Förderweg. Die Lösungen sind individuell, die Zielsetzungen gleich: Sowohl Eltern als auch Geschwisterkinder können einen großen Beitrag zur Milderung der entstandenen Probleme leisten, wenn sie frei von Stigma und Vorverurteilungen, frei von Schuldgefühlen und wieder als Team agieren.

Weiterführende Änderungen und Fördermöglichkeiten

Ergebnis eines IQ-Tests für Kinder können einerseits konkrete und praktische Schritte sein, wie Lehrergespräch, Klassen- oder Schulwechsel, Klasse überspringen und Freizeitaktivitäten. Andererseits stehen auch therapeutisch begleitete, weiterführende Fördermöglichkeiten zur Verfügung.

Positives Selbstkonzept

Ein Selbstkonzept ist eine Art, sich selbst zu sehen. Der Begriff Selbstkonzept wurde in den 70er Jahren entwickelt als Sammelbezeichnung für dispositionale, also genetische, und soziale Faktoren. Ein Kind mit einem positiven Selbstkonzept ist selbstbewusst in seinen Handlungen, glaubt an sich und seine Fähigkeiten. Ein positives Selbstkonzept ist die Basis für den sicheren Umgang mit Herausforderungen und Problemen, inklusive einer hohen Lösungskompetenz.

Auch Kinder mit einem im Durchschnitt niedrigeren IQ-Wert können ein positives Selbstkonzept, im Sinne eines Wissens über sich, bereits haben oder es sich erarbeiten, um im Rahmen ihrer Möglichkeiten Lösungen für ihr Leben zu suchen.

Emotionale Intelligenz bei Kindern

Mit der Einführung der emotionalen Intelligenz wurde der Begriff des IQs um eine soziale Komponente ergänzt. Denn ohne diese soll auch ein hoher IQ keine zureichende Wirkung entfalten.

Emotionale Intelligenz verschiedene emotionale Gesichtsausdrücke

Welche IQ-Tests für Kinder gibt es?

Es gibt unterschiedliche anerkannte Testverfahren zum IQ für Kinder. Sie sind für unterschiedliche Altersklassen verfügbar und haben unterschiedliche Schwerpunkte. Alle unterteilen sich in viele Teilbereiche, die wichtige Grundfertigkeiten abdecken und erfragen, wie:

  • logisches Denken,
  • soziale Sensibilität,
  • Merkfähigkeit,
  • Sprachverständnis,
  • Gedächtnis und
  • Informationsverarbeitung.

Für sehr junge Kinder unter 6 Jahren sind die Aufgaben eher am Alltagsleben ausgerichtet. Dabei ermöglichen die Testwerte eine Einschätzung der allgemeinen Intelligenz und des Leistungsvermögen im verbalen und kognitiven Bereich. Ein Beispiel hierfür ist der Wechsler Preschool and Primary Scale of Intelligence-Test (WPPSI-IV). Ebenfalls angesehen ist der BIVA (Bildbasierter Intelligenztest für das Vorschulalter).

Für Kinder im Alter zwischen 6 und 16 gibt es zur Ermittlung des IQs die Wechsler Intelligence Scale For Children (WISC-V). Dieser IQ-Test für Kinder ist deutschlandweit wie auch weltweit im Einsatz, um den IQ bei Kindern im Schulalter zu ermitteln. Dieser ist sehr ausführlich, er besteht aus ausführlichen Untertests, unter anderem zum Sprachverständnis, zu logischem Denken, zur Gedächtnisleistung und zur Geschwindigkeit der Verarbeitung von Informationen.

Für die gleiche Altersklasse gibt es auch den AID 3-Test. Auch dieser unterteilt sich in viele Untertests.

Die IQ-Werte und ihre Aufschlüsselung

Die Werte eines IQ-Tests bewegen sind zwischen 55 bis 145. Die jeweiligen Zahlen entsprechen einem bestimmten Leistungsgrad. Die allgemein gängigen Werte und die daraus geschlussfolgerten Beeinträchtigungen bzw. Leistungsgrade sind:

  • bis 55: starke geistige Behinderung
  • 55 bis 69: leichte Behinderung
  • 70 bis 84: unterdurchschnittliche Intelligenz
  • 85 bis 99: Normalbereich mit niedrigerem Niveau
  • 100 bis 114: Normalbereich mit höherem Niveau
  • 115 bis 129: überdurchschnittliche Intelligenz
  • 130 bis 145: Hochbegabung
  • ab 145: sogenannte Weltelite

Fast 2/3 der Bevölkerung in Deutschland erreichen den sogenannten Normalbereich zwischen 85 und 115, dafür liegen nur 2,28 Prozent der Menschen bei Werten unter 70 oder über 130.

Ergebnis des IQ-Tests für Kinder schwankt!

Eine neue Erkenntnis – und von der Wissenschaft erst 2011 nachgewiesen – ist es, dass der IQ-Wert bei Heranwachsenden starken Schwankungen unterworfen sein kann. In einer Studie an der University College London wurden im Abstand von 4 Jahren 33 Probanden zwischen 12 und 16 Jahren einem IQ-Test für Kinder unterworfen. Ihre Werte veränderten sich um bis zu 20 Punkte im Laufe der folgenden 4 Jahre, sodass sich bei den dann 16- bis 20-Jährigen ohne Ausnahme höhere Werte zeigten. Da die Anzahl der Probanden gering war, ist die Studie nicht repräsentativ, weshalb eine allgemeine Schlussfolgerung über die Veränderbarkeit des IQ-Wertes bei Kindern nur begrenzt getroffen werden kann – für die nicht getestete Gruppe der Erwachsene lassen sich daraus gar keine Ableitungen ziehen.

Trotzdem bleibt die Feststellung, dass IQ-Tests bei Kindern und Jugendlichen Momentaufnahmen sind – dazu auf sehr spezielle Eigenschaften fokussiert, welche die Tests prüfen. Der Wesen eines Menschen besteht nicht nur aus seiner logischen, kognitiven und verbalen Intelligenz, sondern ist Vielgestaltig und umfasst ungleich mehr als das.

In unserem SpielundLern Shop bieten wir Fachpersonal eine große Auswahl Psychologische Testverfahren, darunter auch Intelligenztests und ausgewählte Leistungstests. Dabei setzen wir hauptsächlich auf die bewährten Pearson Tests und Testverfahren der Testzentrale Hogrefe. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Bildquellen

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Quellen

  • https://www.hochbegabten-homepage.de/intelligenztest_fuer_kinder.html
  • https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/hirnforschung-iq-von-jugendlichen-kann-sich-stark-veraendern-a-792740.html
  • https://www.nature.com/articles/nature10514
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstkonzept
  • https://lexikon.stangl.eu/4925/selbstkonzept
  • https://www.diepraxis.de/content/intelligenzdiagnostik
  • https://learnattack.de/magazin/intelligenztests-bei-kindern
  • https://www.hochbegabtenhilfe.de/grundlagen-der-intelligenztests

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