Taschengeld für Kinder

Taschengeld für Kinder

Das Thema Taschengeld verdichtet sich in der Regel erstmals für Kinder ab 5 Jahren und deren Eltern. Die anlassgebenden Situationen sind sehr unterschiedlich, haben aber oftmals damit zu tun, dass ein Kind Dinge kaufen möchte, die Eltern regelmäßig nicht erlauben.

Ob es die Süßigkeit an der Supermarktkasse ist, ein Flummi aus dem Spielzeugautomat oder eine extra Runde mit dem Wackelauto in der Einkaufspassage – konsequente Eltern können hier mit einem ruhigen „Nein“ oder „Gut, aber nur noch ein Mal“ der Situation beikommen und den Kindern Grenzen setzen.

Pfiffige Kinder fragen in solchen Situationen nicht selten das erste Mal nach eigenem Taschengeld. Gelegentlich kommen Kinder auch über Freunde auf das Thema Taschengeld, wenn diese bereits welches bekommen und davon und ihren Einkäufen stolz erzählen.

Welches Wissen und Regeln sollen dabei für Eltern und Kinder gelten?

Brauchen Kinder Taschengeld?

Diese Frage ist zugegebenermaßen eine neuzeitliche und zumeist westliche. In vielen Kulturkreisen, zumal in ärmeren Ländern, sind ältere Kinder oftmals dazu angehalten, Geld für die Familie zu erwirtschaften. In einigen anderen Fällen werden Ihnen Schule und Kleidung von den Eltern bezahlt, mit Taschengeld aber werden sie weder beschenkt, noch können sie es für ihre eigenen Anschaffungen aufwenden.

Welche Bedeutung hat Taschengeld?

Im Westen, und auch erst seit etwa dem letzten Jahrhundert, bürgerte sich zunehmend ein, Heranwachsenden ein eigenes Taschengeld zur Verfügung zu stellen. Diese Idee entstand mit zunehmendem Bewusstsein, dass Kinder in ihrer Entwicklung weniger von Verboten geleitet werden als vielmehr vom Vorleben und Üben mit Verantwortlichkeiten, so auch mit Geld.

Kinder ab dem Vorschulalter streben zunehmend nach Selbständigkeit. Der Umgang mit Geld ist ein Bereich, der ihnen dabei nicht verwehrt bleiben sollte. Obgleich sich das erste Verlangen danach oftmals aus alltäglichen, banalen Wünschen ableitet, so umfasst der Wunsch nach eigenem Taschengeld langfristig ungleich mehr: Nämlich Selbstbestimmtheit und Verantwortung.

Tipp: Kinder beobachten sehr genau, welchen Stellenwert Dinge in der Welt der Erwachsenen haben, und eifern ihnen darin nach. Taschengeld zu verwehren, weil man beispielsweise eine kapitalistische Prägung der Erziehung vermeiden möchte, ist ein gut gemeinter, aber in den meisten Fällen unglaubwürdiger Vorwand.

Geld ist ähnlich wie das Handy ständig in Benutzung und tragen Erwachsene auch immerzu bei sich, dementsprechend üben beide eine hohe Anziehung aus.

Die symbolische und (reele) Macht des Geldes

Geld ist an sich ein Faszinosum: Es ist äußerlich unscheinbar in seinem Wert und muss erst dechiffriert werden. Ein erster Schritt ist es, die Bedeutung der Zahlen in ihrer reelen Größe zu verstehen, was bereits einigen Vorschulkindern gelingt. Dass 5 Cent weniger sind als 5 Euro ist ein zweiter Schritt im Verständnisprozess unseres Währungssystems. In einem dritten Schritt begreifen die Kinder schließlich auch, wie lange und welchen Betrag sie sparen müssen, um sich einen bestimmten Wunsch zu erfüllen.

Der Umgang mit Geld verhilft dabei, dem Kind den Wert von Geld verständlich zu machen und sich im Umgang darin zu üben.

Wie viel Taschengeld ist für Kinder sinnvoll?

Einerseits gibt es Tabellen aus seriösen Quellen, die Richtwerte für die Höhe des Taschengeldes vorgeben, andererseits ist es sehr individuell, über welches Budget Haushalte verfügen, von denen vielmals auch das Taschengeld für die Kinder abhängt. Gleichwohl: Es gibt keine gesetzliche Regelung, ob und wie viel Taschengeld gezahlt werden soll.

Seriöse Tabellen zum Taschengeld

Das Familienportal des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend verweist mit seiner Tabelle auf die Seite des Deutschen Jungendinstituts. Dort finden sich nach Alter gestaffelte Empfehlungen. Bis zu einem Alter von 10 Jahren gilt die Empfehlung, ein wöchentliches Taschengeld festzulegen. Dies begründet sich auf die Annahme, dass erst Kinder ab 10 über die Fähigkeit verfügen, das Geld über vier Wochen einzuteilen. Ausgehend von einem Euro für Kinder bis 6 Jahren, steigt der Betrag in 50-cent-Schritten bis zu 3 Euro wöchentlich für 9-jährige Kinder, was 12 Euro im Monat entspricht. Ausgehend von 16 Euro monatlich ab dem 10. Lebensjahr steigt der Betrag anschließend um 2,50 Euro pro Lebensjahr bis zu 26 Euro monatlich für ein 13-jähriges Kind. Ab dort geht es in 8-Euro-Schritten weiter bis auf 47 Euro im Monat im 16. Lebensjahr.

Es wird dabei betont, dass die Geldbeträge als Empfehlungen gelten und von der individuellen Familiensituation abhängig gemacht werden sollten. Denn es ist natürlich ein erheblicher Unterschied, ob zwei Vollzeit arbeitende Eltern ihr Einzelkind mit Taschengeld versorgen oder eine alleinerziehende Mutter in Teilzeit ihre fünf Kinder.

Daher gilt es zu betonen, dass nicht die Höhe des Taschengeldes wichtig ist.

Taschengeld für Kinder – aber bitte verbindlich

Für die Eltern ist es häufig eine Kleinigkeit, mal rasch das Taschengeld nach unten oder oben zu schrauben. Auch kommt es vor, dass sie die Auszahlung vergessen, verschieben oder an Bedingungen knüpfen.

Tipp: Machen Sie weder Auszahlung noch Höhe des Taschengeldes abhängig vom Verhalten des Kindes oder dem Stand ihres Bankkontos. Lieber langfristig und regelmäßig wenig Taschengeld, als nur hin und wieder eine größere Summe. Verbindlichkeit ist hier das A und O!

Es ist von überaus größer Bedeutung, dass das Taschengeld für die Kinder:

  • regelmäßig
  • in gleicher, verlässlicher Höhe und
  • unabhängig von Leistung oder Verhalten

gezahlt wird.  

Zusätzlich zur Empfehlung, Taschengeld zu geben, gibt es seit kürzerer Zeit auch eine Budgetempfehlung. Damit ist ein gesonderter Geldbetrag für gezielte Anschaffungen gemeint. Was aber ist der Unterschied zwischen Taschengeld und Budgetgeld?

Unterschied zwischen Taschengeld und Budgetgeld

Tipp: Das sogenannte Budgetgeld, das ab dem 14. Lebensjahr als Extrazahlung zum Taschengeld empfohlen wird, sollte an einem fest umrissenen Verwendungsrahmen gebunden sein.

Die Unterscheidung zwischen Taschengeld und Budgetgeld ist zentral: Während die Kinder bei ihren Taschengeldausgaben eher Dinge mit kurzer Lebensdauer und ganz nach eigenen Kriterien kaufen, wie Süßigkeiten, Zeitschriften, Accessoires oder Spielzeug, ist das Budgetgeld für Kosten gedacht, die für die Individualität und die freie soziale Entfaltung heranwachsender Kinder anfallen. Dies betrifft vor allem solche wichtigen, regelmäßigen Ausgaben der Jugendlichen wie Kleidungskauf, Nahverkehrstickets, Handyrechnung und Kosmetika.

Diese dürfen gemeinsam von Eltern und Jugendlichen in Höhe und Art besprochen und abgestimmt werden. Häufig wird dazu geraten, das Budgetgeld gemeinsam zu verwalten oder dem Kind auf ein Girokonto zu überweisen, von dem beispielsweise die Handyrechnung zum Abzug kommt.

Was ist erlaubt, was nicht?

Natürlich geht es auch hierbei um Empfehlungen. Es hat sich jedoch bewährt, wenn folgende Regeln beim Taschengeld von beiden Parteien eingehalten werden:

  • Der monatliche Betrag ist am Anfang des Monats und immer in gleicher Höhe auszuzahlen.
  • Das Taschengeld ist nicht an das Verhalten des Kindes oder anderer Bedingungen geknüpft.
  • Hat das Kind das Geld vorzeitig ausgegeben, so gibt es kein extra Geld und keine Vorschüsse.
  • Das Kind darf sich von seinem Taschengeld alles kaufen, ohne dass die Bewertung der Eltern über Sinn und Unsinn zur Debatte steht.  
  • Das Taschengeld ist nicht für lebenswichtige Dinge gedacht wie Essen, essentielle Kleidung, Fahrkosten, Schulsachen. Das Kind darf sich davon seine ganz eigenen, persönlichen Wünsche erfüllen. 

Wichtige Erkenntnisse dank Taschengeld

Unabhängig vom Taschengeldbetrag lernen Kinder eine Menge Dinge über den Umgang mit Geld, das Sparen und dem Sinn und Unsinn von Ausgaben. Dies prägt ihr Geldverhalten langfristig. Mehr als jede „Moralpredigt“ oder ein Verbot, über das sich die meisten Kinder ohnehin irgendwann hinwegsetzen werden, zählt das eigens Erlebte in Verbindung mit diesem Zahlungsmittel:

  • es ist nicht unbegrenzt verfügbar
  • es lässt sich nicht beliebig reproduzieren
  • mit Geld kann man nicht alles kaufen
  • Einiges ist zu teuer und kann nicht erworben werden
  • Geld Sparen lohnt sich

Wertschätzung: Wie viel ist eine Sache wert?

Indem Kinder erleben, wie teuer etwas ist, lernen sie mit der Zeit den Wert der Dinge einzuschätzen – und wertzuschätzen. Ein Spielzeug, das man selbst bezahlt hat, beachtet man auf ganz anderer Weise als wenn man es „einfach so“ bekommt.

Entscheidungsfindung: Was möchte ich wirklich?

Durch die Entscheidung für eine Sache fällt immer auch die Entscheidung gegen eine andere. Wenn sich das Kind heute Gummibärchen gönnt, reicht morgen das Geld nicht mehr für die Lieblingszeitschrift. Auf diese Weise lernen Kinder, Prioritäten zu setzen und Entscheidungen zu treffen.

Planungskompetenz: Wie lange dauert „Zeit“?

Ein Monat kommt Kindern in der Regel sehr lang vor. Daher ist es für unter 10-jährige Kinder auch sehr schwierig, einen bestimmten Betrag so aufzuteilen, dass er ganze vier Wochen reicht. Oftmals schwanken Kinder je nach Charakter zwischen den beiden Extremen, dass Anfang des Monats bereits alles Taschengeld verbraucht ist oder dass am Monatsende noch der gesamte Betrag in der Geldbörse liegt.

Mit der Zeit aber lernen junge Menschen den Aufbau eines Monats und die Zeitdauer gut kennen. Dies bedeutet, dass sie daraufhin anfangen können zu planen und absehbare Kosten sogar vorauszuschauen und als zukünftigen Abzug in ihrem Budget einzuplanen.

Aufschub aushalten: Der nächste Monat kommt bestimmt!

Diese Situation bekommen alle Kinder mit Taschengeld früher oder später zu spüren: Eine verlockende Sache möchte erworben werden, jedoch das Geld ist für den aktuellen Monat bereits verbraucht. Die Kinder dürfen nun Geduld und Bedürfnisaufschub lernen.

Tipp: Strecken Sie Ihrem Kind kein Geld vor. Dadurch verliert der feste Rahmen seine Wirkung und die Kinder haben keinen Grund, ihr Taschengeld für größere Wünsche zu sparen.

Sobald neues Taschengeld den Kauf ermöglicht, passiert zweierlei Lehrreiches: Das Kind wird für sein Warten belohnt und kann sich nun seinen Wunsch erfüllen. Was jedoch mit gleicher Häufigkeit passiert ist: Der Wunsch ist verblasst, erscheint nicht mehr wichtig, etwas anderes tritt in den Vordergrund – auch hier hat das Warten ein Lehrstück zu Wunsch- und Bedürfniserfüllung geboten.  

Alternativen zum Taschengeld für Kinder

Es gibt durchaus auch Eltern, die aus finanziellen Gründen oder aus pädagogischen Erwägungen ihren Kindern kein Taschengeld zur Verfügung stellen.

Die Kinder können sich hierbei in der Regel durch altersgerechte kleinere Haushaltstätigkeiten und Hilfestellungen im Alltag ihr Taschengeld verdienen.

Über Geld spricht man nicht?

So oder so: Grundsätzlich wichtig ist das gemeinsame Thematisieren von Einnahmen und Ausgaben in der Familie. Ein teurer Urlaub kann bedeuten, dass man vorneweg etwas sparsamer wirtschaftet, ein neues Fahrrad kann mit kleinen Hausarbeiten „mitverdient“ werden und falls das Geschwisterkind sein Taschengeld schon verbraucht hat, können die anderen Kinder ihm eventuell aushelfen.

Die Kinder finden diese Zusammenhänge in der Regel sehr interessant, schauen hinter die Kulissen des Systems Geld und können das Gelernte und Erlebte für ihr späteres Leben fruchtbar machen.

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Bildquellen

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Quellen

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Taschengeld
  • https://familienportal.de/familienportal/lebenslagen/kinder-jugendliche/taschengeld
  • https://www.dji.de/themen/jugend/taschengeld.html
  • https://familienportal.de/familienportal/lebenslagen/kinder-jugendliche/taschengeld

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