Spiele im Unterricht – ein kurzer Überblick

Spiele im Unterricht

In der Schule gibt es jede Menge Lernstoff. Viele Schüler verbringen den Großteil des Tages im Unterricht bzw. in der Schule. Dabei kommen gelegentlich auch Spiele im Unterricht zum Einsatz. Doch welchen Zweck erfüllen sie? Und welche Spiele gibt es dazu eigentlich? Wann sind Spiele im Unterricht sinnvoll und wann ist davon eher Abstand zu nehmen? Diese Fragen wollen wir im Folgenden näher beleuchten.

Bereits Maria Montessori betrachtete das Spiel als die Arbeit des Kindes. Kleine Kinder beginnen die Welt durch das Spiel zu erkunden und zu erfahren. Mit Hilfe eines Spiels haben Schüler mehr Spaß, sich Wissen anzueignen. Sie lernen besser. Fehler können gleich korrigiert werden bevor sie sich einprägen.

Spiele unterstützen das Lernen und die Lernfähigkeit eines Schülers. Ihr Einsatz kann vielfältig sein. Oft werden sie zu Beginn in Form von Kennenlernspielen verwendet. Ebenso dienen sie als Aufwärmspiele oder Motivation, als Übung für Zwischendurch, als Lernstandskontrolle oder Wissensvermittlung. Einige Spiele werden als Gruppenspiele durchgeführt. Bei wiederum anderen werden Teams gebildet, die anschließend gegeneinander antreten.

Spiele im Unterricht – nicht nur für Grundschüler

Insbesondere in der Grundschule spielen Kinder sehr gern und häufig. Hier ermöglichen es Spiele zudem an den Kindergarten anzuknüpfen. Auf diese Weise werden die Kinder an die angeleitete Schularbeit herangeführt. Wenn es unruhig wird dienen Spiele im Unterricht der Aktivierung. Meist handelt es sich dabei um Bewegungsspiele. Die Kinder werden wieder aufgeweckt und können sich anschließend besser auf den Unterricht konzentrieren. Doch genauso gut werden Entspannungsspiele eingesetzt. Nämlich dann, wenn es zu hektisch wird.

Darüber hinaus empfiehlt es sich für den Fall der Fälle immer eine Spielidee dabei zu haben. Dies kann wunderbar in einer Vertretungsstunde, Randstunde oder vor den Ferien gespielt werden. Zudem bringen Spiele im Unterricht frischen Wind in den Schulalltag. Oft werden Spielklassiker als Vorlage genutzt. Sie dienen als Inspiration. Denn bei den meisten Spielen im Unterricht handelt es sich um eine Abwandlung passend zum Lernstoff und Schulfach. Sie eignen sich daher, um Wissen aufzufrischen, zu festigen oder zu vertiefen.

Idee für ein Spiel im Unterricht für Notfälle dabei haben

Durch Spiele lassen sich die meisten Schüler besser für das Thema begeistern. Des Weiteren verbessern Spiele das Klassenklima. Dies wirkt sich wiederum positiv auf die Schüler aus. Herrscht ein gutes Klassenklima vor, leiden weniger Schüler unter Schulangst, sie sind insgesamt zufriedener und bringen mehr Lust am Lernen mit.

Spiele im Unterricht gehören zum handlungsorientierten Unterricht dazu

Doch wie viel behalten wir? Mehrere Studien konnten nachweisen, dass wir uns folgendes durchschnittlich im Gedächtnis behalten:

  • 10% vom Gelesenen
  • 20% vom Gehörtem
  • 30% vom Gesehenem
  • 50% durch Sehen und Hören
  • 70% von selbst Gesagtem
  • 90% vom selbst tun.

Spiele im Unterricht sind ein fester Bestandteil von handlungsorientiertem Unterricht. Beim handlungsorientierten Unterricht werden die Schüler aktiv in das Geschehen eingebunden. Dieser ist gekennzeichnet durch:

  • Selbsttätigkeit: unterstützt Selbstständigkeit
  • Beteiligung der Schüler an Planung und Mitgestaltung des Unterrichts: unterstützt verantwortliches Handeln
  • Einbeziehung von Schülerinteressen
  • Ganzheitliches Lernen in realen Handlungszusammenhängen
  • Lernen mit allen Sinnen: Neugier und Experimentierlust wecken, Fragen und Fehler machen sowie daraus lernen dürfen
  • Integration von Hand- und Kopfarbeit
  • Öffnung der Schule
  • Aufbau einer Methodenkompetenz
  • Situationen schaffen für soziales Handeln und verantwortete Kommunikation
  • Fächerübergreifendes Arbeiten
  • Herstellung und Präsentation von Produkten

Spiele im Unterricht in den Sozialwissenschaften und ihre Bedeutung

Insbesondere in den sozialwissenschaftlichen Fächern bieten sich Spiele im Unterricht an. Durch ihren Einsatz sind die Schüler motivierter. Neben fachspezifisches Wissen wird zudem die Selbstständigkeit erhöht. Im Lernprozess integriert sind kompetenzorientiertes, inhaltsbasiertes, emotionales und erfahrungsbasiertes Lernen.

Der Unterricht schafft Situationen, in denen Interaktionen und soziale Aushandlungsprozesse ermöglicht werden. So werden durch geeignete Methoden die Rollendistanz, die Empathie, Artikulation eigener Interessen und die Ambiguitätstoleranz trainiert. Weiterhin liefern Spiele die Möglichkeit, abstrakte Gegenstände erfahrbar zu machen. Verschiedene Problemsituationen können bearbeitet und analysiert werden. Politische, gesellschaftliche und demokratische Prozesse werden mit Hilfe der Spiele im Unterricht lebendig erfahrbar.

Spiele im Unterricht – Typen und Formen

Ganz grob lassen sich die Spiele in Bewegungsspiel und Ruhespiele unterteilen. Zu den Bewegungsspielen zählen alle Spiele, bei denen der Körper in Bewegung ist. Sie fördern dabei die motorischen und kognitiven Fähigkeiten. Meist dienen sie als Einstieg oder kleine Denkpause zwischendurch. Außerdem schulen sie die Sinne.

Zu den Ruhespielen gehören alle Spiele, die Aufmerksamkeit erfordern. Also viele Gesellschaftsspiele, Kartenspiele und noch viele weitere mehr.

Im sozialwissenschaftlichen Unterricht werden meist Simulationsspiel, Interaktionsspiele sowie Wissensspiele gespielt. Im Folgenden werden weitere Möglichkeiten der Klassifikation der Spiele genannt:

  • Assoziations- und Einstiegsspiele: thematischer Einstieg, Auflockerung, Aktivierung von Vorwissen
  • Diskussions- und Entscheidungsspiele: Streitgespräch, Pro-und-Contra
  • Simulationsspiele: Rollen-, Plan-, Konferenzspiele; virtuelle Realität
  • Interaktions- und Kooperationsspiele: Zusammenarbeit und problemlösende Interaktion der Mitspieler;
  • Wissensspiele: Rätsel, Quiz
  • Szenische Spiele: Interpretation von Textvorlagen und anschließende Umsetzung
  • Spielerische Präsentations- und Produktionsformen: erfordern kreative Umsetzung der erarbeiteten Ergebnisse

Da es sich bei Spielen im Unterricht oftmals um eigene Konstruktionen handelt, können sie ebenso nach ihrem Förderschwerpunkt nach den folgenden 3 Spieltypen unterschieden werden:

Typ 1 – Spiele zur Förderung des Problemlösungsverhalten

Dazu gehören:  Objektspiele, Planspiele, Strategiespiele, Ratespiele.

Typ 2 – Lernspiele

Hierunter fallen alle Spiele die zur Förderung von Übungsverhalten, dem Festigen von Wissen und der Fertigkeiten zur Differenzierung geeignet sind.

Typ 3 – Förderung von Selbstkonzept und Sozialverhalten

Hierzu gehören Interaktionsspiele, kooperative Spiele, Rollenspiele sowie das darstellende Spiel.

Weiterhin zu nennen sind: Sing- und Tanzspiele, Gestaltungsspiele und Wahrnehmungsspiele. Selbst in den Naturwissenschaften kann das Experimentieren als eine Form des Spiels angesehen werden. Bei den Eigenkonstruktionen werden Formen, Inhalte und Elemente aus bereits bekannten Spielen übernommen. Anschließend werden sie so abgewandelt, dass sie zur Thematik des Unterrichts passen.

Eine Alternative zum Frontalunterricht

Die Neugierde und die Lust an Spielen sind uns allen angeboren. Kopf, Herz und Hand sind alle am Spiel beteiligt. Bei den Spielen im Unterricht müssen Schüler ihr Wissen nutzen, logische Zusammenhänge erkennen und strukturieren. Im Idealfall sind die Schüler mit Spaß dabei und erschaffen zudem etwas mit ihren Händen.

Der Einsatz von Spielen im Unterricht gehört zum alternativen Weg der Unterrichtsform. Die Aufgabe der Schule ist es, ihre Schüler auf das Leben nach der Schule vorzubereiten. Dafür benötigen sie Schlüsselqualifikationen. Im späteren Berufsleben sind Kommunikations- und Ausdrucksfähigkeit, Fantasie, Kreativität und strategisches problemlösendes Denken gefordert. Zudem fordern die Lehrpläne schülerorientierten Unterricht.

Spiele im Unterricht können eine Bereicherung sein

Spiele im Unterricht ermöglichen die lebensnahe Auseinandersetzung mit bestehenden Themen. Es ermöglicht den Schülern aktives, kreatives und selbstständiges Lernen. Darüber hinaus werden die Kommunikation sowie das Vertrauen zwischen Schüler und Lehrer sowie der Schüler untereinander gestärkt. Im Spiel sammeln die Schüler Erfahrungen, probieren verschiedene Verhaltensweisen aus, erkennen Zusammenhänge, vertreten ihren Standpunkt und übernehmen zudem Verantwortung.

Spiele im Unterricht – Pro & Contra

Spiele im Unterricht haben einige Vorteile. Unter anderem:

  • Fördern sie die Eigenständigkeit und Selbstständigkeit der Schüler
  • Ermöglichen sie die intensive und ausdauernde Auseinandersetzung des Schülers mit dem Lernstoff
  • Dienen sie als Belohnung für gute Leistungen
  • Ermöglichen das Kennenlernen neuer Mitschüler
  • Ermöglichen die Integration von Außenseitern in den Klassenverband
  • Schüler lernen mit Misserfolg umzugehen
  • Durch Erfolge steigert sich das Selbstwertgefühl
  • Je nach Spiel ist ein Abbau von Kräfteüberschuss möglich – unterstützt damit den Abbau von Gewalt und Vandalismus an Schulen
  • Regeln einhalten: Selbstdisziplin
  • Fördern Sozialverhalten.

Die Spiele müssen den Schülern eine selbstständige Kontrolle von Fortschritten oder Lerndefiziten ermöglichen. Grundlegendes Ziel von Spielen im Unterricht ist, neben der Entwicklung verschiedener Kompetenzen, den Unterrichtsgegenstand inhaltlich in seiner Komplexität sowie Multidimensionalität erfahrbar zu machen, und dabei unterschiedliche Perspektiven zu betrachten.

Dabei geht es nicht darum, welche Meinung der einzelne Schüler zum entsprechenden Thema hat. Beispielsweise bei den Rollenspielen schlüpfen die Schüler in eine bestimmte Rolle und sammeln Argumente für diese Rolle. Als Hilfsmittel kann eine Rollenkarte dabei dienen. Zu beachten ist, dass die Realität nur vereinfacht dargestellt werden kann. Viel bedeutsamer ist, dass sich über das Spiel im Unterricht die Schüler weiterentwickeln können.

Spiele im Unterricht fördern:

  • Kreativität
  • Problemlöseverhalten
  • Raum-Zeitverständnis
  • Rollenkompetenz
  • Empathie
  • Moralentwicklung
  • Soziale und emotionale Fähigkeiten
  • Motorik
  • Kognitive Entwicklung
  • Konzentration
  • Kommunikation
  • Geduld
  • Selbstvertrauen
  • Kritikfähigkeit

Spiele im Unterricht sind in allen Phasen möglich. Dies beginnt bereits beim ersten Kennenlernen. Die Schüler lernen mit Spaß und es fällt ihnen leichter sich länger auf ein Thema zu konzentrieren. Die Wirkung von Spielen im Unterricht ist belebend und anregend, ebenso können sie einen beruhigenden und entspannenden Effekt haben. Zudem unterstützen sie die Festigung des Lerneffektes. Wird zudem Bildungssoftware oder Lernsoftware eingesetzt, wird gleichzeitig auch der Umgang mit modernen, digitalen Medien geübt.

Spielen und Lernen sind eng miteinander verwoben. Im Spiel lernen die Schüler durch Ausprobieren. Zudem sammeln sie verschiedene soziale Erfahrungen. Das Lernen erfolgt ganzheitlich. Spiele im Unterricht helfen schüchternen und oft stillen Schülern ihre Angst zu überwinden. Lernziele werden mit Hilfe der Spiele besser erreicht.

Spiele im Unterricht mit Buchstabenwürfel zum Sprachenlernen

Für den Fremdsprachenunterricht sehr gut geeignet ist das szenische Spiel. Also Interaktionsspiele, Dialogspiele, Rollenspiele, Planspiele, Simulationsspiele, Spiele mit Stofftieren, Masken, Handpuppen, Marionetten, und das Schattentheater. So wird das rollengebundene und situative Sprachhandeln geübt, aktualisiert und gefestigt. Zudem helfen sie, Sprachhemmungen zu überwinden. Besonders häufig in der Grundschule zu finden sind Spiele wie Pantomime, Tanzspiele sowie Bastelspiele.

Dennoch weisen Spiele im Unterricht auch einige Schwierigkeiten auf. Mögliche Probleme können bezüglich der Disziplin der Schüler bestehen. Um dem entgegen zu wirken empfiehlt es sich, mit kleineren Spielen zu starten. So können die Schüler sich an das Spielen im Unterricht gewöhnen. Zudem kann es während des Spielens zu einem höheren Lärm- bzw. Geräuschpegel kommen.

Spiele im Unterricht haben zudem strukturelle Grenzen. Dies ergibt sich aus der formalen Organisation der Schule sowie ihrem Auftrag. Weitere Grenzen ergeben sich durch die Schulpflicht, der Jahrgangsklasse, der Unterrichtszeiten, des Fachunterrichts, der Lehrpläne, der Räumlichkeiten sowie der Stundenpläne. Weitere Grenzen ergeben sich durch die Autonomie und Kompetenzen der Schüler und Lehrer selbst. Darüber hinaus ist es im Spiel nicht möglich, eine Leistung zu bewerten.

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Letztlich entscheidet der Lehrer, ob und wann ein Spiel im Unterricht sinnvoll sowie pädagogisch vertretbar ist. Außerdem muss es so ausgewählt werden, dass nach Möglichkeit alle Spieler der Klasse ins Spiel integriert werden.

Bevor Sie sich dazu entschließen, ein Spiel im Unterricht durchzuführen, machen Sie vorab folgende gedankliche Überlegungen:

  1. Weshalb wollen Sie mit ihren Schülern spielen? Welches Ziel soll erreicht werden?
  2. Welches Interesse der Schüler wird mit dem Spiel geweckt? Passt das Spiel zu den Schülern?
  3. Welche Kenntnisse und Erfahrungen werden benötigt?
  4. Wie sind die Spielregeln? Sind sie einfach und klar? Werden Regeln im Spielverlauf geändert?
  5. Wer ist der Spielleiter?
  6. Werden die Schüler in Spielgruppen miteinander oder gegeneinander spielen bzw. sind Spielgruppen erforderlich? Wie erfolgt die Einteilung?
  7. Werden weitere Materialien benötigt? Wie erfolgt die Vorbereitung und/ oder Nachbereitung des Spiels?

Spiele im Unterricht können eine Bereicherung sein

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass es vom jeweiligen Spiel abhängt, was die Schüler lernen. Generell stellen Spiele im Unterricht eine sinnvolle Ergänzung des Lernstoffs dar. Die Waagschale zwischen den traditionellen und handlungsorientierten Unterrichtsmethoden muss in Balance gehalten werden. Spiele machen Spaß. Zur richtigen Zeit und didaktisch korrekt eingesetzt, helfen sie die Aufnahme des Lernstoffs zu verbessern. Bei den Schülern sorgen sie immer für eine willkommene Abwechslung.

In unserem SpielundLern Shop finden Sie neben Anleitungen zu Bewegungsspielen auch im Set erhältliche Pausenspiele, die beliebten Lernspielbälle und eine große Auswahl Lernspiele für Kinder.

Quellen

  • http://schlauerpower.com/didaktik.htm
  • https://www.sowi-online.de/praxis/methode/spiele_unterrichtsmethode_sozialwissenschaftlichen_bildung.html
  • https://www.friedrich-verlag.de/geographie/methodik-didaktik/geographie-spiele-unterricht-spannend-gestalten/
  • https://info-beihilfe.de/spiele-der-grundschule/

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