Orff-Instrumente der Carl-Orff-Musikpädagogik

Wer war Carl Orff?

Carl Orff war ein Münchner Komponist und Musikpädagoge. Er wurde 1895 geboren und wirkte bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein. Vor allem bekannt ist er durch sein populäres Musikstück Carmina Burana, langfristig bedeutsam wurde er durch seine revolutionären musikpädagogischen Impulse.

Sein musikpädagogisches Engagement festigte sich durch die Mitgründung einer Ausbildungsstätte für freie und angewandte Bewegung, die sich dem Verbund von Musik und Bewegung widmete. Hier wurden Musik und Tanz, Gymnastik und Rhythmik zusammen unterrichtet.

In diesem Rahmen entstand das heute noch weit verbreitete und vielfältig verwendete Orff-Schulwerk. Es steht für ein beispielhaftes, zukunftsweisendes Modell für die Musik- und Bewegungserziehung von Kindern.

Das Orff-Schulwerk ist heute noch aktuell und nach wie vor in reger Verwendung und erlangt weltweit eine unfassbare Breitenwirkung: Es ist in der musikalischen Früherziehung das basale Werk in über 46 Ländern.

Didaktische Grundgedanken in der Musikpädagogik nach Carl Orff

Carl Orff stellte weniger die Musik, dafür mehr den Ton, den Rhythmus und das Geräusch in den Vordergrund und eine aktive Reise in die Welt der Klänge, der Laute, der Töne.

Selbsterfahrung

Die Prämisse lautete: Raus aus der Beobachterrolle und hinein ins Tun. An der Basis stand der kreative Umgang mit den Tönen, die Selbstbetätigung an den Instrumenten, das Improvisieren und der freie Umgang mit Rhythmus und Melodie.

Durchmischung der Musik

Carl Orff legte großen Wert auf die Verwendung der Orff-Instrumente in enger Verbindung und Beeinflussung mit verbalen und körperlichen Elementen. So waren Übungen und Spielideen häufig durchmischt mit Elementen der Sprache und der Bewegung.

Intuitiv zugängliche Instrumente

Ebenfalls grundlegend war es, intuitiv bespielbare Instrumente auszuwählen, die sehr jungen Kindern aber auch allgemein musikalisch unerfahrenen Menschen in Funktionsweise und Tonerzeugung leicht zugänglich sind. Sie sollten vorwiegend einen starken Aufforderungscharakter aufweisen und unmittelbare Klangerfolge ermöglichen, um einen Sog des Interesses zu entwickeln.

Anwendungsbereiche

Im Fokus der Musikpädagogik von Carl Orff standen von Anfang an junge Kinder von 3 bis 6 Jahren. Diese Phase wird als besonders sensitiv und kreativ empfunden, die Kinder sind meist ungezwungen und gehen mit Tönen und Bewegung noch ganz instinktiv und intuitiv um. Die Methodik und die Instrumente von Carl Orff wurden und werden jedoch nach wie vor auch in der Heilpädagogik und bei der Lernförderung genutzt.  

Die pädagogischen Ziele konzentrieren sich auf die Bildung zentraler Fähigkeiten: Durch das gemeinsame Musizieren werden sensitive, kreative und soziale Fähigkeiten geübt.

Elementare Musik

Der Begriff der Elementaren Musik wurde von Orff etabliert und stellt die Basis seiner Musikpädagogik dar. Ausgehend von der Musik mit urtümlichen Instrumenten nicht-westlicher Kulturen entwickelte Carl Orff den Begriff der Elementaren Musik für jene Klangäußerungen die:

  • improvisiert,
  • an Bewegung und Tanz gebunden,
  • orientiert an den Rhythmus des Körpers,
  • reduziert auf einem rhythmisch-melodischen Satzbau,
  • mit monophoner Basis und
  • periodisch und repetitiv waren.

Carl Orff hat die elementare Musik im Jahr 1963 selbst so definiert: „Elementare Musik ist nie Musik allein, sie ist mit Bewegung, Tanz und Sprache verbunden, sie ist eine Musik, die man tun muss, in die man nicht als Hörer, sondern als Mitspieler einbezogen ist. Sie ist vorgeistig, kennt keine große Form, keine Architektonik, sie bringt kleine Reihenformen, Ostinati und kleine Rondoformen. Elementare Musik ist erdnah, naturhaft, körperlich, für jeden erlern- und erlebbar, dem Kinde gemäß.“

Die Orff-Instrumente

Die Instrumente, die Carl Orff für die musikalische Früherziehung für geeignet hielt, werden als Elementarinstrumente bezeichnet und gehören der Gruppe der Rythmikinstrumente an. Er erfand sie nicht selbst, vielmehr entdeckte er einen Großteil wieder. Teils handelt es sich um jahrtausendalte Instrumente, die in Urkulturen weltweit Verwendung fanden. Gemeinsam mit einem Instrumentenbauer entwickelte Orff aus diesen urtümlichen oder mittelalterlichen Vorbildern die heutige Form von Schlag- und Klanginstrumenten.

Die Orff-Instrumente werden in drei Gruppen aufgeteilt.

Schlagstabspiele

Zentral sind die Schlagstabspiele, deren Grundaufbau aus Klangstäben und einem Resonanzkörper besteht. Das sind beispielsweise Xylophone, Metallophone und Glockenspiele. Sie sind in der heutigen Form Carl Orff zu verdanken.

Kleines Schlagwerk

Dazu kommen die Gruppe derjenigen Instrumente, die durch Bewegungen der Hand erklingen, das sogenannte Kleine Schlagwerk. Darin zusammengefasst sind die Handtrommeln, Triangeln oder Rasseln.

Trommeln

Als dritte Gruppe werden die Trommeln zusammengefasst – jene Instrumente, die mithilfe einer auf einem Rahmen oder einem Resonanzkörper gespannten Membran Töne erzeugen. Dabei wird mit den Handflächen, den Fingerkuppen oder einem Schlägel getrommelt, leicht geklopft oder gestreichelt.

Basal ist ein niedrigschwelliger Zugang zur Musik und Bewegung und das fließende Ineinandergreifen von Ton und Körper.

Zu den Orff-Instrumenten werden u.a. gezählt:

  • Xylophon
  • Metallophon
  • Glockenspiel
  • Triangel
  • Rassel
  • Trommel und
  • Pauke
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Anwendungsweise der Orff-Instrumente

Trommeln für Kleinkinder

Kinder trommeln für ihr Leben gern. Sie verwenden dazu jegliche Gegenstände, die Klang versprechend sind: Geklopft und getrommelt wird auf Tischplatten, Türen oder Glasscheiben, mit der bloßen Hand, mit Besteck oder mit Bleistiften. Trommeln sind daher mitunter die beliebtesten und zugänglichsten Instrumente für junge Kinder. Kurzfristig bauen sie durch das Trommeln Energie ab, lernen die grobmotorische Steuerung von beiden Händen und die feinmotorische Koordination von Fingerkuppen oder von einem Schlägel.

Viele Kinder wippen beim Trommeln intuitiv mit dem Körper mit, sodass sich hierbei ganz selbstverständlich die Töne mit Bewegung verbinden. Daher ist besonders das Trommeln ein Sprungbrett in die Welt der Rhythmik und auch des damit verbundenen Feingefühls für ein tiefes Körperempfinden.

Gemeinsames Trommeln übt soziale Fähigkeiten und entfacht die Kraft gemeinsamen Musizierens.

Die Klänge spüren

Klänge sind für Kinder besonders faszinierend, wenn sie die Gelegenheit bekommen, diese als Vibration im eigenen Körper zu spüren. Sowohl beim Trommeln als auch bei den Stabspielen entfalten sich Töne, wenn die Instrumente in engem Kontakt zur Haut gehalten werden, im Körper weiter. Als quasi erweitertes Klangkörper schwingt und vibriert dieser simultan mit.

Diese Erfahrung verhilft Kindern, ihren Fokus auf ihren Körper zu legen und ihn besser zu spüren. Solche Übungen sind sehr hilfreich, u.a. bei den überaus beliebten Fantasiereisen, die auch aufgedrehten oder unaufmerksamen Kindern in die Ruhe und der Entspannung verhelfen.  

Tanztheater

Dass Musik und Bewegung eine gelungene Einheit bilden können, das erleben bereits Kleinkinder im alltäglichen Kontakt mit Musik, wenn der Körper wie von alleine wippt oder schaukelt und später im Puppentheater, zu dessen festem Repertoire Musik und Gesang gehören. Carl Orff selbst macht wohl die ersten einschneidenden musikalischen Erfahrungen mit dem Verbund aus Musik und Bewegung als Kind. Im Kasperletheater und als Schüler in der Oper erlebt er die glückliche Verschmelzung von rhythmisch-körperhaften Ausdrucksformen mit musikalischer Begleitung.

Töne „sehen“ lernen

Regen prasselt mit dem Xylophon, Donner donnert mithilfe der Trommel, ein Regenbogen erscheint durch die Klänge eines Glockenspiels. Gerade Naturgeräusche lassen sich intuitiv mit den Orff-Instrumenten erzeugen. Aber auch Emotionen sind erstaunlich deutlich „lesbar“. Wut oder Streit sind ein Trommelwirbel, Glück wird durch ein helles Glockenspiel und Angst oder Gefahr durch erregtes Rasseln wiedergegeben.

Das Erstaunliche ist, dass bereits sehr junge Kinder, auch unter 3 Jahren, diese Klänge richtig in stimmig und hell oder bedrohlich und dunkel einordnen können und darauf reagieren. Dies allein zeigt deutlich die immense Wirkung von Tönen und Klängen auf unser emotionales Empfinden. 

Bildquellen

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Quellen

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Orff
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Orff-Schulwerk
  • https://crescendo.de/carl-orff-musikpaedagogik-1000046504
  • https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/geschichte-der-kinderbetreuung/weitere-historische-beitraege/2333
  • https://www.orff.de/leben/paedagogisches-schaffen
  • https://orff-schulwerk.de/lexikon/elementare-musik
  • Haselbach, B. (Hrsg.): Studientexte zu Theorie und Praxis des Orff-Schulwerks. Band 1: Basistexte aus den Jahren 1932–2010. Bd. 1. 2011, Schott Music. S. 147.

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