Dualer Fokus im Unterricht: Warum dieser über den Fokus beim Lernen entscheidet

Ein Junge mit einem gestreiften Mütze hält eine Lupe vor sein Auge und schaut neugierig. Der Hintergrund ist unscharf und zeigt eine natürliche Umgebung.

Dualer Fokus und Fokus beim Lernen

Der Ruf nach mehr Konzentration verhallt in Klassenzimmern oft wirkungslos. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zeigen: Wir müssen unsere Aufmerksamkeit spalten, den dualen Fokus trainieren, um sie zu halten. Ein Plädoyer für eine geteilte Wahrnehmung.

Die Klage ist so alt wie die Institution Schule selbst, doch sie hat eine neue, pathologische Dringlichkeit erreicht: Schülern fehlt der Fokus beim Lernen. Sie scheinen abwesend, hyperaktiv oder kognitiv unbeteiligt. Die pädagogische Standardreaktion darauf ist der Appell an die Disziplin: „Hör zu!“, „Konzentrier dich!“. Doch diese Imperative verfehlen ihr Ziel, weil sie ein fundamental missverstandenes Konzept von Aufmerksamkeit bedienen. Moderne Ansätze aus der Neurobiologie und der Aufmerksamkeitsforschung legen nahe, dass wir das Problem falsch angehen. Die Lösung liegt nicht im starren Tunnelblick, sondern im sogenannten Dualen Fokus.

Dieser Artikel beleuchtet, warum der Duale Fokus – die gleichzeitige Wahrnehmung des Lerngegenstandes und des eigenen psychophysiologischen Zustands – die unverzichtbare Voraussetzung für einen nachhaltigen Fokus beim Lernen ist. Dabei geht es nicht um Esoterik, sondern um harte Währung im Bereich der Exekutivfunktionen.

Die Neurobiologie der Aufmerksamkeit: Warum ein starrer Fokus beim Lernen physiologisch scheitert

Wer von Schülern verlangt, den Fokus beim Lernen ausschließlich auf den Tafelanschrieb oder das Arbeitsblatt zu richten, ignoriert die Arbeitsweise des menschlichen Gehirns. Das Gehirn ist primär ein Überlebensorgan, kein Lernorgan. Bevor der präfrontale Kortex – der Sitz für Planung, Impulskontrolle und logisches Denken – arbeiten kann, muss das limbische System Sicherheit signalisieren.

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Hier kommt der Duale Fokus ins Spiel. Er beschreibt die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zu splitten: Ein Teil der kognitiven Ressourcen überwacht den Lerninhalt (externer Fokus), während ein anderer Teil, fast wie ein Hintergrundprozess, den eigenen Zustand überwacht (interner Fokus/Interozeption).

Ist dieser Duale Fokus nicht etabliert, passiert Folgendes: Ein Schüler spürt unbewusst Unruhe, Angst oder Überforderung. Ohne die bewusste Wahrnehmung dieses Zustands (fehlender interner Teil des Dualen Fokus), übernimmt das limbische System die Regie. Das Ergebnis ist keine bewusste Entscheidung gegen das Lernen, sondern eine physiologische Unmöglichkeit, den Fokus beim Lernen aufrechtzuerhalten.

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Forschungsergebnisse, etwa aus dem Bereich der Mind, Brain, and Education (MBE) Science, belegen, dass kognitive Kontrolle (Fokus) untrennbar mit emotionaler Regulation verbunden ist. Wer den Dualen Fokus nicht beherrscht, also sich selbst nicht „mitfühlt“ während er denkt, verliert bei der kleinsten Irritation den Faden.

Das Gehirn verstehen

  • Sicherheit zuerst: Das Gehirn ist primär ein Überlebensorgan; Lernen funktioniert nur, wenn das limbische System Ruhe gibt.
  • Geteilte Aufmerksamkeit: Echte Konzentration erfordert zwei Kanäle – einen für den Stoff (extern) und einen für den eigenen Zustand (intern).
  • Limbische Dominanz: Ohne die Wahrnehmung des inneren Zustands übernehmen unbewusste Stressreaktionen die Regie.

👉 Nur wer sich sicher fühlt, kann denken – der Duale Fokus schafft diese Sicherheit.

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Interozeption als Schlüsselkompetenz für den Fokus beim Lernen

Lange Zeit wurde Interozeption – die Wahrnehmung von Signalen aus dem Körperinneren – eher der Therapie oder dem Yoga zugeordnet. Heute wissen wir: Sie ist eine Basisqualifikation für schulischen Erfolg. Ein Kind, das nicht merkt, dass sein Stresspegel steigt, kann nicht gegensteuern.

Der Duale Fokus trainiert genau diese Schnittstelle. Er lehrt das Gehirn: „Ich löse diese Matheaufgabe (Fokus 1) UND ich merke, dass meine Schultern sich anspannen, weil ich die Lösung nicht sofort finde (Fokus 2).“ Nur durch diese Dopplung kann der Schüler die Anspannung regulieren und den Fokus beim Lernen zurück auf die Aufgabe lenken. Ohne den Dualen Fokus führt die Anspannung direkt in den Flucht- oder Kampfmodus (Verweigerung oder Stören des Unterrichts).

Eine nachdenkliche Frau mit Brille sitzt an einem Schreibtisch und schaut auf ihren Laptop. Um sie herum sind Malutensilien und Büromaterialien sichtbar.

Interozeption als Basis

  • Körpersignale nutzen: Das Wahrnehmen von Anspannung (z.B. hochgezogene Schultern) ist keine Esoterik, sondern Voraussetzung für Schulerfolg.
  • Gleichzeitigkeit: Der Duale Fokus trainiert das parallele Verarbeiten von Aufgabenlösung und Selbstwahrnehmung.
  • Stress-Bremse: Nur wer seinen Stresspegel bemerkt, kann gegensteuern, bevor der „Flucht-oder-Kampf“-Modus einsetzt.

👉 Ich fühle mich, also lerne ich: Selbstwahrnehmung verhindert die Blockade.

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Der Duale Fokus für Lehrkräfte: Co-Regulation statt reiner Wissensvermittlung

Die Forderung nach einem Dualen Fokus betrifft Lehrkräfte in noch höherem Maße als die Schüler. In der Hektik des Schulalltags, zwischen Pausenaufsicht und Elterngesprächen, neigen Pädagogen dazu, in einen reinen Funktionsmodus zu verfallen. Der Fokus liegt zu 100 Prozent im „Außen“: Auf dem Lehrplan, der unruhigen Klasse 3b, dem Zeitmanagement.

Das ist fatal. Denn Lernen ist, wie der Neurobiologe Joachim Bauer und andere Forscher immer wieder betonen, ein Resonanzgeschehen. Lehrkräfte fungieren als externer präfrontaler Kortex für ihre Schüler. Wenn die Lehrkraft ihren eigenen Dualen Fokus verliert – also den Kontakt zu ihrem eigenen Stresslevel und ihrer emotionalen Verfassung –, verliert sie die Fähigkeit zur Co-Regulation.

Eine Lehrkraft ohne Dualen Fokus reagiert auf Störungen reaktiv und oft dysreguliert. Ein Beispiel:

  • Szenario ohne Dualen Fokus: Schüler stört. Lehrer ist gestresst (unbemerkt). Lehrer schreit oder sanktioniert harsch. Klasse wird unruhiger. Der Fokus beim Lernen bricht kollektiv zusammen.
  • Szenario mit Dualem Fokus: Schüler stört. Lehrer bemerkt die Störung (Fokus Außen) UND bemerkt den eigenen aufsteigenden Ärger (Fokus Innen). Durch diese geteilte Wahrnehmung entsteht eine Millisekunde der Entscheidungsfreiheit. Der Lehrer atmet aus, senkt die Stimme und interveniert ruhig. Die Klasse bleibt im Arbeitsmodus.

Lehrkraft als Regulator

  • Resonanzkörper: Lehrer fungieren als „externer präfrontaler Kortex“ für ihre Schüler.
  • Selbstschutz: Erkennt die Lehrkraft ihren eigenen Stress nicht, reagiert sie dysreguliert (Schreien, Strafen) und verliert die Klasse.
  • Co-Regulation: Durch den eigenen Dualen Fokus (Ärger bemerken, atmen, ruhig agieren) bleibt die Lernatmosphäre stabil.

👉 Wer andere regulieren will, muss zuerst den Kontakt zu sich selbst halten.

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Warum Methodenfeuerwerke den Fokus beim Lernen nicht retten

Der Duale Fokus ist hier also Arbeitsschutz und pädagogisches Werkzeug zugleich. Er verhindert das Ausbrennen der Lehrkraft und sichert die Lernatmosphäre.

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In Fortbildungen wird oft versucht, den mangelnden Fokus beim Lernen durch methodische Abwechslung zu kompensieren. Gamification, digitale Tools, Stationenlernen – all das ist wertvoll, aber wirkungslos, wenn die basale Aufmerksamkeitssteuerung fehlt. Wenn wir versuchen, den Fokus beim Lernen nur durch externe Reize (Entertainment) zu fesseln, erziehen wir dopaminabhängige Konsumenten, keine selbstregulierten Lerner.

Der Duale Fokus setzt tiefer an. Er ist eine Haltung, keine Methode. Er verlangt von der Lehrkraft, immer wieder innezuhalten und den Zustand der Klasse und den eigenen Zustand zu „scannen“. Es geht um eine Verschiebung der Prioritäten: Weg von der reinen Stoffvermittlung, hin zur Etablierung eines Zustands, in dem Stoffvermittlung überhaupt erst neurobiologisch möglich ist.

Die Praxis: Wie etabliert man den Dualen Fokus und den Fokus beim Lernen im Schulalltag?

Kritiker mögen einwenden, für „Selbstwahrnehmung“ sei im 45-Minuten-Takt keine Zeit. Doch die Etablierung des Dualen Fokus spart Zeit, weil sie die Phasen der Dysregulation und des Chaos verkürzt. Wie lässt sich das konkret umsetzen, ohne in therapeutische Sitzkreise abzudriften?

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Es beginnt mit der Transparenz der Metakognition. Lehrkräfte sollten ihren eigenen Dualen Fokus verbalisieren. Ein Satz wie: „Ich merke gerade, dass es hier sehr laut ist und ich ungeduldig werde. Ich brauche einen Moment Ruhe, um mich wieder zu konzentrieren“, ist hochwirksam. Er modelliert den Schülern genau den Prozess, den sie lernen sollen: Wahrnehmen – Benennen – Regulieren – Weiterarbeiten. Das ist gelebter Duale Fokus.

Für Schüler bedeutet die Förderung des Fokus beim Lernen durch den Dualen Fokus, dass wir Phasen der „Check-ins“ etablieren müssen. Das sind keine langen Diskussionen, sondern Mikro-Interventionen. Vor einer schwierigen Arbeitsphase kann die Anweisung lauten: „Bevor ihr anfangt: Checkt kurz eure ‚innere Batterie‘. Seid ihr bereit oder noch aufgeregt von der Pause?“.

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Umgang mit digitalen Distraktoren durch den Dualen Fokus

Ein massiver Gegner für den Fokus beim Lernen sind digitale Medien. Die ständige Verfügbarkeit von Dopamin-Kicks durch Smartphones (selbst wenn sie nur in der Tasche vibrieren) fragmentiert die Aufmerksamkeit. Verbote allein reichen hier nicht.

Der Duale Fokus bietet hier einen emanzipatorischen Ansatz. Anstatt nur das Handy wegzusperren, trainieren wir mit den Schülern die Wahrnehmung des „Sogs“. Wie fühlt es sich an, wenn man das Handy checken will? Dieser Drang (Impuls) muss wahrgenommen werden (Interner Fokus), um ihm nicht stattzugeben (Aufrechterhaltung des Externen Fokus). Wir erziehen die Schüler dazu, Beobachter ihrer eigenen Impulse zu werden.

Forschungen zur „Cognitive Load Theory“ zeigen, dass das Unterdrücken von Impulsen Energie kostet. Wenn wir den Dualen Fokus trainieren, wird dieser Prozess effizienter. Der Schüler lernt: „Aha, ich bin gelangweilt, deshalb will ich zum Handy.“ Diese Erkenntnis ist der erste Schritt zur Selbststeuerung. Der Fokus beim Lernen wird somit von einer von außen auferlegten Pflicht zu einer von innen gesteuerten Kompetenz.

Praxis & Medienkompetenz

  • Metakognition vorleben: Lehrkräfte sollten ihren eigenen Regulierungsprozess laut aussprechen („Ich brauche kurz Ruhe…“).
  • Impulskontrolle: Statt Handyverboten lernen Schüler, den „Sog“ zum Gerät wahrzunehmen, ohne ihm nachzugeben.
  • Energie sparen: Den eigenen Impuls zu beobachten statt ihn nur zu verdrängen, schafft echte Selbststeuerung.

👉 Vom ferngesteuerten Konsumenten zum Beobachter des eigenen Geistes.

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Der Duale Fokus als Basisqualifikation der Zukunft

In einer Welt, die zunehmend von Fragmentierung und Reizüberflutung geprägt ist, wird die Fähigkeit zum Fokus beim Lernen zur härtesten Währung auf dem Arbeitsmarkt und im Leben. Doch wir können diesen Fokus nicht erzwingen. Wir können ihn nur kultivieren, indem wir den Blick weiten.

Der Duale Fokus – das gleichzeitige Gewahrsein von Aufgabe und Selbst – ist das fehlende Bindeglied in vielen pädagogischen Konzepten. Er holt die Lehrkraft aus der Rolle des reinen Wissensvermittlers und macht sie zum Regulierungs-Coach. Er holt den Schüler aus der Rolle des passiven Empfängers und macht ihn zum Experten für seine eigene Kognition.

Wer den Dualen Fokus ignoriert, kämpft im Klassenzimmer gegen Windmühlen. Wer ihn etabliert, schafft die neurobiologische Grundlage dafür, dass der Fokus beim Lernen überhaupt erst entstehen kann. Es ist Zeit, dass wir aufhören, von Schülern Ergebnisse zu verlangen, ohne ihnen das Werkzeug zu geben, ihren eigenen Geist zu steuern.

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Quellen

  • https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpsyg.2013.00325/full
  • https://developingchild.harvard.edu/science/key-concepts/executive-function/
  • https://www.spektrum.de/news/wie-stress-das-gehirn-veraendert/1572426
  • https://visible-learning.org/de/hattie-rangliste-einflussgroessen-effekte-lernerfolg/
  • https://www.allianz-fuer-bildung.de/aktuelles/interozeption-in-der-schule/
  • Goleman, Daniel: Konzentriert euch! Eine Anleitung zum modernen Leben. (Piper Verlag). (Grundlage für die Thesen zur Aufmerksamkeitsökonomie und den verschiedenen Fokus-Arten).
  • Bauer, Joachim: Lob der Schule: Sieben Perspektiven für Schüler, Lehrer und Eltern. (Hoffmann und Campe). (Bezug zur Resonanztheorie und Neurobiologie der Lehrer-Schüler-Beziehung).
  • Siegel, Daniel J.: Das achtsame Gehirn. (Arbor Verlag). (Hintergründe zur Verknüpfung von Interozeption, präfrontalem Kortex und emotionaler Regulation).
  • Hattie, John: Lernen sichtbar machen. (Schneider Verlag Hohengehren). (Bezugnahme auf die Rolle der Lehrkraft und Metakognition).

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