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Das Puzzlespiel – eine Erfolgsgeschichte unter den Lernspielen

Jeder kennt sie: Puzzlespiele. Die charakteristische Schnittlinie ineinandergreifender Puzzleteile hat es bis in den Deko-Bereich oder als Bildbearbeitungsvariante bis ins Vorlagenrepertoire bei Photoshop geschafft. Und wer einmal ein 1000-Teile-Puzzle erfolgreich zu Ende gebracht hat, der ist dann auch schon mal versucht, sich die Landschaftsidylle mit Flamingos im Sonnenuntergang an die Wohnzimmerwand zu hängen. Schließlich war das geschmacklich fragwürdige Ergebnis zumindest das Resultat einer Geduldsleistung.

Die allerersten Puzzlemotive aber waren Landkarten. Und auch deshalb hatte das Puzzlespiel schon immer etwas mit Pädagogik zu tun. Mitte des 18. Jahrhunderts verkaufte der Brite John Spilsbury seine auf Holzbrettchen geklebten und dann zersägten Landkarten als Lehrmittel zur Erleichterung des Erdkundeunterrichts...

Erfindung des Puzzlespiels

Ob John Spilsbury der Erfinder des Puzzlespiels war? Jedenfalls war er der Erste, der die Idee erfolgreich vermarktet hat. Ab 1763 zerlegte er auf Holz geklebte Weltkarten in ihre einzelnen Länder, England in seine Grafschaften und einzelne Kontinente in ihre Königreiche und Fürstentümer. Auch wenn zum Ende des Jahrhunderts dann Puzzlemotive hinzukamen, die vornehmlich dem Vergnügen dienten, so blieb das geografische Lernpuzzle in England vorherrschend. Es war die Zeit neuer pädagogischer Ideen zur Erziehung. Und es war die Zeit der beginnenden industriellen Revolution: internationale Handelsbeziehungen entwickelten sich und die Reisemöglichkeiten der Mittelschicht nahmen zu. Puzzlespiele waren zwar noch längst keine Massenware, aber sie wurden von Buchhändlern begierig zu Zwecken der Erziehung und Unterhaltung angeboten.

Ravensburger und das Interlocking-Puzzle

Ravensburger Puzzlespiel Große, weite WeltIn Deutschland ist das Puzzlespiel fest mit dem Namen Ravensburger verbunden. Der Vorläufer des Ravensburger Verlags, der Otto Maier Verlag, produzierte schon ab 1884 Legespiele mit Lerneffekt. Aber erst ab 1964 fertigte Ravensburger Puzzlespiele mit den uns heute so selbstverständlich miteinander verzahnten Puzzleteilen. Diese Technik des sogenannten Interlocking-Puzzles entstand zwar schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert, wurde aber erst mit der Entwicklung entsprechender Stanzmaschinen erfolgreich. Seitdem verkauft Ravensburger jährlich etwa 10 Millionen Interlocking-Puzzles. Neben den vielen Motivpuzzles mit dekorativen Fotografien gibt es auch weiterhin die typischen Lernpuzzle-Motive. Dazu zählen ebenso noch Welt- und Deutschlandkarten, wie auch Puzzlespiele mit kindgerecht gezeichneten Lebensbereichen wie Zoo, Bauernhof oder Baustelle.

Vom Jigsaw-Puzzle zum Puzzlespiel aus Pappe

Im Englischen heißt das Puzzlespiel auch heute noch Jigsaw-Puzzle, was übersetzt so viel wie Laubsägenrätsel bedeutet. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Puzzlespiele in Handarbeit aus Holz gesägt. Zwar gab es erste Versuche, die Spiele preiswerter zu machen, indem als Material Holzfaserplatten oder stabile Pappen verwendet wurden. Aber erst moderne Stanztechnik machte die Massenproduktion für Puzzles aus Pappe möglich. Und mit dem fallenden Preis stieg ihre Popularität. Die messerscharfen Stanzformen allerdings werden weiterhin in Handarbeit gebogen. Denn jedes einzelne Puzzleteil soll ja wirklich nur an einer Stelle des Spiels passen! Ravensburger gibt an, für die Herstellung der Stanzform eines klassischen 1000-Teile-Puzzles stattliche 160 Arbeitsstunden zu brauchen.

Pädagogik des Lernpuzzles

«Geduld musst Du haben mein liebes Kind
Es geht nicht alles so rasch wie der Wind
Mit Geduld und Fleiss erreichst Du viel
Es ist so im Leben, wie mit diesem Spiel» (Puzzle-Reklamereim von 1865)

Puzzles sind zuallererst also Spiele, die Geduld fordern, Konzentration und Ausdauer. Der eigentliche Spielspaß liegt natürlich in der Herausforderung, das richtige Teilchen für die richtige Stelle zu finden und in der erwartbaren Befriedigung eines sich stets vergrößernden Motivs. Hier ist auch logisches Denken gefragt: versierte Puzzler sortieren Puzzleteile nach Farben und beginnen das Zusammenstecken mit den Randteilen. Die eigentliche Lernpuzzles nutzen das Spielerische am Puzzlen für den weitergehenden pädagogischen Effekt. Schon die Kinder im Erdkundeunterricht zu Spilsburys Zeiten lernten die englischen Grafschaften leichter und schneller auswendig, wenn sie diese im Puzzlespiel zusammenlegen durften. Das Lernpuzzle vermittelt also bestimmte Lerninhalte weitaus attraktiver und nachhaltiger als herkömmliche Lehrmedien.

Puzzlespiele von Larsen

Puzzlespiel Sonnensystem LarsenIm Bereich Lernpuzzles gibt es einen wirklichen Spezialisten: die norwegische Firma Larsen. Kein anderes Unternehmen hat sich so ausschließlich spezialisiert auf die Verbindung von Puzzlespiel und Lerninhalten. Alle Larsen-Puzzles sind Rahmenpuzzles mit Unterlage, die Teile sind aus besonders dickem und stabilem Karton und sind so ausgestanzt, dass ihre Umrisse in der Unterlage sichtbar sind. In Erweiterung zum Interlocking-Puzzle mit seinen typischen verzahnten Teilen, verwendet Larsen bei Motivpuzzles auch ungewöhnliche Formen, die den dargestellten Gegenständen oder Tieren entsprechen. Gerade für jüngere Kinder ergibt sich neben der feinmotorischen Übung auch ein Wiedererkennungswert. Immer wieder wird ein Puzzle zusammengesetzt. Dabei werden die Teile nach Farbe und Form unterschieden. Mit seinem seit über 60 Jahren entwickelten Sortiment bietet Larsen didaktisch unterschiedliche Lernpuzzles mit fast alle vorstellbaren Lerninhalten an.

Larsen Problempuzzles & Rahmenpuzzles

Eine besondere Kategorie des Lernpuzzles bei Larsen sind die sogenannten Problempuzzles. Der Puzzlerahmen bietet Fragen zu bestimmten Themen wie Mathematik, Uhrzeit, Verkehrszeichen, Buchstaben oder Wörtern. Nur ein bestimmtes Teil kommt als richtige Antwort in Frage und passt an die entsprechende Stelle. Kinder haben die Möglichkeit zur sofortigen Selbstkontrolle, arbeiten in ihrem eigenen Tempo und entwickeln ihre Konzentrationsfähigkeit.

Die Rahmenpuzzles ergänzen ein bestimmtes Thema mit einem inneren Rahmen an zusätzlichen Details. Das Motivpuzzle im Inneren wird so didaktisch ergänzt und vertieft. Rahmenpuzzles gibt es zu Themen wie Karten & Flaggen, Englisch lernen, Körper und Natur.

Holz- & Lagenpuzzle

Eine besondere pädagogische Variante des Lernpuzzles ist das sogenannte Lagenpuzzle. Wie bei vielen Puzzlespielen, die besonders für kleinere Kinder geeignet sind, wird hier meist auf Holz als Material für die Puzzleteile zurückgegriffen. Die Teile sind besser greifbar und fördern die haptische Wahrnehmung. Das Lagenpuzzle (oder auch Schichtenpuzzle) nun ergänzt das einfache Bild um eine oder mehrere Dimensionen "darunter", so dass eine Geschichte oder eine Entwicklung angedeutet werden kann. Kinder können den logischen Zusammenhang zwischen den Entwicklungsstufen spielerisch nachvollziehen. Sie erhalten einen bildlichen Bezug der verschiedenen Zustände, beispielsweise der Entwicklung eines Apfels vom ersten Grün bis zur Reifen Frucht. Ein anspruchsvolles Thema wie der menschliche Körper kann auf diese Weise in seinen Tiefendimensionen (Muskeln, Organe, Knochenbau) kindgerecht dargestellt werden, etwa in den beliebten Beleduc-Lagenpuzzles.

Puzzlespiel Dein Körper Junge Lagenpuzzle

Puzzlespiele in der Montessori-Pädagogik

Auch in der Montessori-Pädagogik sind einfache Varianten des Puzzlespiels gebräuchlich. Kleinkindern lernen mit Holz- und Steckpuzzles geometrische Grundformen kennen oder erweitern ihren Wortschatz mit in Puzzleteilen zerlegten Tierarten wie Frosch und Schmetterling. Generell passt das Prinzip des Puzzlespiels sehr gut zu zentralen Inhalten der Montessori-Pädagogik, insbesondere dem Verständnis von Teil und Ganzem, dem Zusammenhang der Dinge und eines ganzheitlichen Zugangs zu allen Lerninhalten. Und wer will, kann beispielsweise auch den Rosa Turm als eine besondere Form des 3D-Puzzles begreifen...

3D-Puzzlespiele

Puzzlespiel Globus 3D-PuzzleViele 3D-Puzzles sind Architektur-Puzzlespiele. Der kanadische Unternehmer Paul Gallant brachte sie 1991 erstmals auf den Markt. Aber schon 1865 verkaufte die Nürnberger Firma C. Abel Klinger einen Puzzle-Globus, der als Vorläufer heutiger 3D-Puzzles gelten kann. Die Idee, einen Globus und nicht eine Weltkarte als Puzzlespiel herzustellen, ist noch heute beliebt. Ravensburger liefert das D-Globus-Puzzle aus 540 Teilen gleich mit Drehfuß. Oder als Erde im Nachtdesign mit Leuchtsockel zur Verwendung als Nachtlampe im Kinderzimmer. Sogar das ganze Planetensystem kann in 3D gepuzzelt werden und als dekoratives astronomisches Anschauungsmaterial mit Nylonfäden angebracht werden.

So war es ein langer Weg vom ersten Holzpuzzle eines John Spilsbury bis zu den unzähligen Variationen des Puzzlespiels heute. Aber der pädagogische Grundgedanke bleibt: Geduld, Konzentration und den spielerischen Zugang zu bestimmten Lerninhalten fördern.

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