Singletasking: Warum es Flow und Produktivität fördert – Tipps für Schüler und Lehrkräfte

Sanduhr in vintage Stil, umgeben von antiken Uhren und Dekorationsobjekten. Die Sanduhr symbolisiert den Lauf der Zeit und ist ein dekoratives Element in einem nostalgischen Ambiente.

In einer zunehmend fragmentierten Bildungs- und Lernwelt wird das Thema „Singletasking“ (das konzentrierte Abarbeiten einer einzigen Aufgabe ohne parallele Ablenkung) relevanter denn je – insbesondere für Lehrkräfte in der Kita und Grundschule, die Kinder beim Aufbau von Lern- und Aufmerksamkeitskompetenzen begleiten. Der vorliegende Artikel beleuchtet, wie Singletasking gezielt den Zustand des Flow-Erlebens unterstützen kann, welche Evidenz dies belegt und welche didaktischen Impulse sich daraus für die Praxis ableiten lassen.

Singletasking vs. Multitasking – ein Blick auf die Forschung

Der Begriff Singletasking bezeichnet den Fokus auf eine einzelne Aufgabe, ohne gleichzeitig zwischen mehreren kognitiven Anforderungen zu wechseln. Im Gegensatz steht das weit verbreitete „Multitasking“ oder vielmehr das sogenannte Task-Switching, also häufiges Unterbrechen und Wechseln von Aufgaben. Wie die Forschung zeigt, ist die Annahme, Multitasking führe zu höherer Effizienz, weitgehend widerlegt.

  • So verweist etwa ein Artikel vom Center for BrainHealth darauf, dass beim Wechsel zwischen verschiedenen Aufgaben Fehler- und Zeitverluste entstehen können – bis zu 40 % Effizienzeinbußen seien möglich.
  • Auch die Übersichtsarbeit über Multitasking beim Gehirn dokumentiert, dass unser Gehirn nicht in der Lage ist, zwei anspruchsvolle kognitive Tasks gleichzeitig durchzuführen – vielmehr werden sie sequenziell bearbeitet, was zu einer Performance-Einbuße führt.
  • Umgekehrt heißt das: Singletasking stellt sich in der Forschung als wirksame Alternative dar – es steigert Fokus, Arbeitstiefe und damit Qualität der Ergebnisse.
Eine Reihe von eleganten, vintage Taschenuhren in verschiedenen Metallen hängt an Ketten. Die Uhren zeigen kunstvolle Verzierungen und unterschiedliche Designs, die den Charme vergangener Zeiten widerspiegeln.

Für den schulischen Kontext heißt das: Wenn Kinder und Jugendliche im Unterricht oder in der Lernphase häufiger in Singletasking-Phasen geführt werden, könnte das ihre Aufmerksamkeit, Lernqualität und Potenzial für tieferes Lernen verbessern.

Fokus statt Fragmentierung

  • Unser Gehirn braucht rund 20 Minuten, um nach einer Unterbrechung wieder in den Fokus zu kommen.
  • Häufige Aufgabenwechsel führen zu mehr Fehlern und innerer Unruhe.

👉 Jeder bewusste Moment der Konzentration ist ein Training für das Aufmerksamkeitsgedächtnis – und die Basis für echten Flow.

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Singletasking und Flow – wie hängen sie zusammen?

Der Begriff „Flow“ steht für jene Erfahrung, bei der eine Person völlig in einer Tätigkeit aufgeht: konzentriert, motiviert, im optimalen Anspruchsniveau. In der pädagogischen Praxis wird Flow als wünschenswerter Zustand betrachtet, weil er mit hoher Aufmerksamkeit, positiver Lernhaltung und guter Leistung korreliert.

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Mehrere Forschungsbefunde zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen Multitasking-Verhalten und einer Verringerung von Flow – und somit eine stärkere Relevanz von Singletasking.
– In einer Tagebuch-Studie fanden Corinna Peifer & Gina Zipp (2019) heraus, dass an Tagen mit hoher Multitasking-Belastung weniger Flow erlebt wurde – und das wiederum mit geringerer subjektiver Leistungsbewertung korrelierte.
– In einer neueren Studie (2024) von H. Pluut und Kolleg/innen zeigte sich: Je stärker Arbeits- bzw. Aufgabenzeit fragmentiert war, desto niedriger war das Flow-Erleben – was wiederum Leistung mindert.

Ein Geschäftsmann läuft in einem Hamsterrad, umgeben von verschiedenen Kommunikationssymbolen aus Papier, die soziale Medien, E-Mails und Telefonanrufe darstellen. Das Bild symbolisiert den Druck der ständigen Erreichbarkeit im digitalen Zeitalter.

Damit gilt: Singletasking fördert – zumindest indirekt – die Bedingungen, unter denen Flow möglich wird. Wenn Lernende eine Aufgabe ohne laufende Unterbrechungen bearbeiten können, steigt die Wahrscheinlichkeit dafür, dass sie in einen Zustand hoher Konzentration und Erlebnisqualität gelangen.

Für Lehrkräfte heißt dies: Durch gezielte Gestaltung von Lernphasen, die Singletasking unterstützen, kann der Weg zu Flow-Erlebnissen bei Kindern deutlich verbessert werden.

Flow sichtbar machen

  • Beobachten Sie Kinder beim konzentrierten Arbeiten: ruhige Mimik, gleichmäßige Bewegung, kaum Ablenkung.
  • Fragen Sie nach dem Gefühl: „Wie war das für dich, als du so vertieft warst?“

👉 Flow ist nicht planbar – aber durch Singletasking kann er wahrscheinlicher werden.

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Bedeutung für die Kita und Grundschule

In der Frühpädagogik (Kita) und Grundschule stehen Lehrkräfte vor besonderen Rahmenbedingungen: kurze Aufmerksamkeitsspannen, häufige Unterbrechungen, wechselnde Tätigkeiten. In diesem Umfeld birgt Singletasking-Orientierung sowohl Chancen als auch Herausforderungen:

Chancen:

  • Kinder erfahren, dass Aufmerksamkeit keine Ressource ist, die beliebig geteilt werden kann – vielmehr entfaltet sich Qualität, wenn sie sich fokussieren.
  • Singletasking kann zu ruhigeren, tieferen Lernphasen führen – wodurch komplexere Aufgaben oder entspannteres Arbeiten möglich werden.
  • Durch Flow-Erlebnisse steigt die Motivation: Kinder erleben sich als kompetent und konzentriert – was Lernbereitschaft stärkt.
Schüler im Klassenzimmer heben die Hand, während eine Mitschülerin ein Projekt präsentiert. Auf dem Tisch sind Materialien sichtbar, die zur Präsentation genutzt werden.

Herausforderungen:

  • Im Kita- und Grundschulalltag gibt es viele Unterbrechungen – eine Herausforderung für echte Singletasking-Phasen.
  • Kinder müssen zunächst darin unterstützt werden, ihre Aufmerksamkeit auf eine Aufgabe zu richten.
  • Lehrkräfte müssen Lernsettings bewusst strukturieren: Raum, Zeit, Material und soziale Abläufe so gestalten, dass Singletasking realistisch wird.

Damit rückt die pädagogische Frage in den Fokus: Wie kann Unterricht bzw. Lernzeit so gestaltet werden, dass Singletasking nicht zur Ausnahme, sondern zur Regel wird – und damit Flow-Momente bei Kindern ermöglicht werden?

Stille als Lernressource

  • Beginnen Sie Lernphasen mit einer halben Minute bewusster Stille.
  • Eine ruhige Startatmosphäre senkt Reizpegel und verbessert Fokus.

👉 Konzentration wächst dort, wo äußere Reize weniger werden – Stille ist die Tür zum Singletasking.

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Praxisimpulse: Wie Lehrkräfte Singletasking gezielt fördern

Nachfolgend finden Sie konkrete und evidenzbasierte Impulse zur Umsetzung von Singletasking im Alltag von Kita und Grundschule – fokussiert auf Lern- und Arbeitsphasen, Kindergruppen und Lehrkräfte-Selbstorganisation.

Strukturierung der Lernzeit in Singletasking-Blöcken

  • Definieren Sie Phasen von 15–20 Minuten, in denen eine klare Aufgabe steht und alle Ablenkungen ausgeschaltet sind.
  • Signalisieren Sie die Phase: „Jetzt machen wir eine konzentrierte Einzelarbeit.“
  • Setzen Sie eine klare Aufgabe, die herausfordernd, aber lösbar ist.
  • Nach der Phase folgt eine kurze Reflexion: „Wie gut habe ich mich konzentriert?“ – das stärkt Metakognition.
Eine Hand fügt ein lila Puzzlestück in ein fast vollständiges Puzzle ein, das aus bunten Teilen besteht. Der Hintergrund zeigt eine Holzoberfläche.

Raum- und Umfeldgestaltung

  • Schaffen Sie einen definierten „Fokusbereich“.
  • Nutzen Sie visuelle oder akustische Signale (z. B. Lampe, Sanduhr).
  • Minimieren Sie technische Ablenkungen und halten Sie Material bereit.

Förderung von Aufmerksamkeit und Umgang mit Unterbrechungen

  • Thematisieren Sie mit den Kindern, was Unterbrechungen mit Konzentration machen.
  • Unterstützen Sie Selbstkontrolle durch kleine, klar begrenzte Zeiteinheiten.
  • Besprechen Sie Ablenkungen gemeinsam, um Bewusstsein zu schaffen.

Lehrer/innen-Selbstorganisation als Vorbild

  • Praktizieren Sie selbst Singletasking bei der Vorbereitung.
  • Planen Sie Fokuszeiten ohne E-Mail-Ablenkung.
  • Thematisieren Sie auch im Kollegium den Wert konzentrierter Arbeit.

Mini-Rituale für mehr Fokus

  • Ein kurzer Atemzug, ein Gong oder eine Sanduhr markieren den Beginn.
  • Visualisieren Sie Fokus mit Symbolen (z. B. „Fokus-Feuer“ an der Tafel).

👉 Rituale schaffen Übergänge – sie signalisieren: Jetzt beginnt unsere Singletasking-Zeit.

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Fallstricke und pragmatische Hinweise

Auch wenn Singletasking viele Vorteile bietet, lohnt es sich, die Grenzen und realistischen Bedingungen im pädagogischen Alltag zu reflektieren.

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Fallstricke

  • Unerwartete Unterbrechungen mindern Wirkung.
  • Kinder müssen Singletasking erst lernen und üben.
  • Es darf nicht in Starrheit münden, sondern eingebettet bleiben.

Pragmatische Hinweise

  • Starten Sie klein: 10–15 Minuten reichen.
  • Kombinieren Sie mit Freiarbeits- oder Gruppenphasen.
  • Reflektieren und passen Sie das Setting regelmäßig an.
  • Fördern Sie die Selbstbeobachtung: „Wann bin ich wirklich konzentriert?“
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Perspektive: Warum Singletasking gerade jetzt im Schulalltag wichtig ist

Angesichts permanenter digitaler und analoger Reizfluten – sei es durch Tablets, Smartphones, Materialwechsel oder ständige Aufgabenwechsel – ist der Schulalltag heute stärker fragmentiert als früher. Diese Fragmentierung hat Folgen: Sowohl Aufmerksamkeit als auch Lernqualität leiden – und damit die Chancen auf Flow-Erlebnisse.

Die Strategie des Singletasking wird aus mehreren Gründen bedeutsam:

  • Kognitive Belastung reduzieren: Weniger gleichzeitige Anforderungen bedeuten geringere Arbeitsgedächtnis-Beanspruchung.
  • Lern- und Leistungspotenzial erhöhen: Wenn Kinder tiefer arbeiten, steigt ihre Chance auf Flow-Zustände.
  • Alltag strukturieren: Singletasking wirkt der Zersplitterung entgegen.
  • Aufmerksamkeitskompetenz fördern: Kinder lernen, sich bewusst einer Aufgabe zu widmen – eine Fähigkeit, die weit über die Schule hinausreicht.

Resumée

Singletasking ist eine strategisch bedeutsame und wissenschaftlich gut fundierte Herangehensweise, um den Lern- und Unterrichtsalltag in Kita und Grundschule so zu gestalten, dass Flow-Erlebnisse bei Kindern wahrscheinlicher werden. Indem Aufgaben gezielt auf einzelne Einheiten begrenzt, Unterbrechungen reduziert und Lernumgebungen fokussiert gestaltet werden, lassen sich Aufmerksamkeit, Arbeitsqualität und Motivation nachhaltig fördern. Lehrkräfte, die Singletasking systematisch einbauen – sowohl in ihren Vorbereitungen als auch im Unterricht – stärken damit nicht nur die Lernenden, sondern auch ihre eigene Effektivität und Arbeitszufriedenheit.

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Bildquellen

  • Pexels @ Bentonphotocinema
  • Pexels @ Giallo
  • Pixabay @ Urban Origami
  • Unsplash @ Taylor Flowe
  • Pixabay @ Myriams-Fotos
  • Unsplash @ Oguz Can

Quellen

  • https://www.research.uni-luebeck.de/de/publications/all-at-once-the-effects-of-multitasking-behavior-on-flow-and-subj
  • https://www.frontiersin.org/journals/psychology/articles/10.3389/fpsyg.2024.1384453/full
  • https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7075496/
  • https://www.psychologytoday.com/us/blog/decisions-and-the-brain/202503/the-power-of-single-tasking
  • https://www.timely.com/blog/single-tasking
  • https://early.app/de/blog/single-tasking/
  • https://www.forbes.com/sites/jasonselk/2015/06/01/optimize-your-performance-by-singletasking/
  • https://www.memtime.com/blog/one-task-at-a-time-single-tasking-benefits/

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