Wie die Eingewöhnung in den Kindergarten gelingt

Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, dass es nicht die eine perfekte Eingewöhnung gibt. Jede Eingewöhnung ist immer etwas Individuelles und immer auch etwas ganz besonderes. Für jedes Kind beginnt mit der Eingewöhnung in den Kindergarten auch ein neuer Abschnitt – und ebenso für seine Eltern.

Dennoch gibt es einige Faktoren die eine gute Eingewöhnung in den Kindergarten ausmachen. Alles ist zunächst einmal neu und dem Kind fremd. Dazu gehören die Umgebung, die Erzieher, das Spielzeug sowie die anderen Kinder. Eine gute Eingewöhnung ist wichtig und benötigt vor allem eins: nämlich Zeit. Zeit und Geduld und das von allen Beteiligten.

Welche Modelle zur Eingewöhnung in den Kindergarten gibt es?

Selbst wenn es so aussieht als würde das Kind sich leicht von seinen Bezugspersonen lösen können, so sollte die Zeit der Eingewöhnung nicht unterschätzt werden. Planen Sie daher diese Phase nach Möglichkeit nicht zu knapp. Besonders am Anfang benötigen Kinder ihre Eltern noch als ihren „sicheren Hafen“ um hin und wieder neue Kraft zu schöpfen. Deshalb sollte die Hauptbezugsperson anfangs das Kind auch begleiten. Somit erhalten Eltern gleich umfassend Gelegenheit die Einrichtung mit ihren pädagogischen Fachkräften ausreichend kennenzulernen. Gleichzeitig bieten sich gemeinsame Gespräche mit den Eltern an, beispielsweise über besondere Gewohnheiten oder Rituale.

Im Folgenden sollen das Berliner Modell sowie das Münchner Modell kurz dargestellt werden. Diese Modelle bieten gute Orientierungen. Abweichungen und Anpassungen während der Eingewöhnung an die individuellen Bedürfnisse sind dabei jederzeit möglich. Oft wird ein langsamer Einstieg, der sich am Berliner Modell orientiert gewählt. Das Münchner Modell ist eine Weiterentwicklung des Berliner Modells, welches zusätzlich die Kinder aus der Gruppe mit einbezieht.

Das Berliner Modell

Dieses Modell wurde in den 1980er Jahren entwickelt. Die Grundlage bilden Kenntnisse aus der Bindungs- und Hirnforschung. Voraussetzung bei diesem Modell ist die Begleitung des Kindes durch eine ihm wichtige Bezugsperson in der Anfangszeit. Somit kann das Kind eine sichere Bindung zu einer ihm bis dahin völlig fremden Betreuungsperson entwickeln. Dieses Modell sieht zur Eingewöhnung in den Kindergarten 5 Schritte vor:

Schritt 1 – Information der Eltern
Im ersten Schritt werden die Eltern beizeiten über den Ablauf und ihrer Rolle bei der Eingewöhnung in den Kindergarten informiert.

Schritt 2 – die Grundphase
Der zweite Schritt besteht aus einer dreitägigen Grundphase, in der das Kind durch einen Elternteil begleitet wird. Beide bleiben für ca. 2 Stunden gemeinsam im Kindergarten. Während dieser Zeit soll sich der Elternteil möglichst passiv verhalten. Somit erhält das Kind als auch sein Erzieher die Möglichkeit der ersten Kontaktaufnahme. Der betreffende Elternteil dient dem Kind dabei als „sicherer Hafen“.

Schritt 3 – erste Trennungsversuche
Erst am 4. oder falls dieser auf einen Montag fällt am 5. Tag erfolgt ein erster Trennungsversuch. Dieser dauert höchstens 30 Minuten. Der Verlauf trägt dann zur Entscheidung über die weitere Dauer der Eingewöhnungszeit in den Kindergarten bei. Sollte das Kind sich bei diesem nicht vom Erzieher beruhigen lassen, so kehrt der begleitende Elternteil nach 2 bis 3 Minuten zurück und mit weiteren Trennungsversuchen wird dann bis zur zweiten Woche gewartet. In solch einem Fall ist dann auch eine längere Eingewöhnungszeit erforderlich.

Schritt 4 – die Stabilisierungsphase
Dieser wird auch Stabilisierungsphase genannt. Hier liegt das Hauptaugenmerk auf den Reaktionen des Kindes und die Zeit, in der das Kind mit der pädagogischen Kraft allein bleibt wird schrittweise erhöht.

Schritt 5 – die Abschlussphase
Bei diesem Schritt ist die direkte Anwesenheit des begleitenden Elternteils nicht mehr notwendig. Dieser ist allerdings jederzeit erreichbar. Die Phase der Eingewöhnung gilt dann als abgeschlossen, sobald das Kind sich von seinem Erzieher trösten lässt und diesen somit auch als weitere Bezugsperson akzeptiert hat.

Das Münchner Modell

Dem Münchner Modell liegen Grundlagen aus der Transitionsforschung zu Grunde, als der Übergangsbewältigung. Hierbei bekommen die Kindern der Kindergartengruppe ebenfalls eine zentrale Rolle. Eine aktive Beteiligung aller Personen bei der Eingewöhnung in den Kindergarten ist essentiell. Im Fokus befindet sich das Kind, welches mit genügend Unterstützung verschiedene Übergänge erfolgreich bewältigt und dadurch so gestärkt ist, dass es nachfolgende weitere Übergänge ebenso erfolgreich meistert. Dieses Modell sieht nicht einen Erzieher als Hauptbezugsperson vor, sondern geht davon aus, dass das Kind in der Lage ist zu mehreren Pädagogen eine gute Beziehung aufzubauen.

Der Ablauf sieht eine Vorbereitungsphase des Kindergartens vor in der ebenfalls Gespräche mit den Eltern stattfinden. Zudem gibt es meist im Vorfeld eine Schnupperwoche. In dieser besucht das Kind mit einem Elternteil entweder einen gesamten Vormittag oder Nachmittag den Kindergarten. Während dieser Zeit kommt den ErzieherInnen die Aufgabe zu, herauszufinden wofür das Kind sich interessiert und was ihm eventuell die spätere Trennung erleichtern könnte. Ein erster Trennungsversuch in der Eingewöhnung in den Kindergarten erfolgt hierbei frühestens nach 6 Tagen. Ist das Kind bereit sich bei eventuellen Trennungsängsten beruhigen und sich auf die Situation im Kindergarten ein zu lassen, kann an den folgenden Tagen die Zeit allmählich verlängert werden. Während der gesamten Eingewöhnungszeit finden immer wieder Gespräche mit den Eltern statt.

Selbst wenn die Eingewöhnungsphase beendet ist, dauert es oft noch mehrere Monate bis ein Kind sich an all die anderen Kinder, die Abläufe und die Räumlichkeiten gewöhnt hat. Deshalb ist es sinnvoll, den Einstieg ins Berufsleben nicht allzu knapp zu kalkulieren und wenn möglich mehr Zeit einzuplanen. Ebenfalls ungünstig wirken sich andere stressige Ereignisse, wie beispielsweise ein Umzug, in dieser Zeit aus und sollten deshalb auch nicht in diese sensible Phase fallen.

Egal an welchem der beiden Modelle die Einrichtung sich orientiert, bei den Trennungsversuchen sollte der begleitende Elternteil immer telefonisch erreichbar sein. Für das Kind ist es wichtig zu wissen, dass die Eltern dennoch für ihr Kind da sind, selbst wenn sie nicht im Kindergarten anwesend sind. Mindestens genauso benötigen Eltern die Sicherheit, dass sie von den PädagogInnen angerufen werden, sollte ihr Kind sich nicht beruhigen lassen. Kinder die bereits erste Erfahrungen in einer Betreuung gesammelt haben sind oft früher eingewöhnt.

Ältere Studien konnten bereits aufzeigen, wie wichtig eine gute Eingewöhnung ist. So wurden Kinder ohne Eingewöhnung etwa viermal häufiger krank. Die Eingewöhnung gilt als gelungen, sobald das Kind sich von den ErzieherInnen trösten lässt. Beruhigt es sich hingegen nicht, so wird die Trennungsphase abgebrochen.

Was das Kind bei der Eingewöhnung in den Kindergarten unterstützen kann

Hilfreich sind von Beginn an klare Regeln. Weiterhin sollte beachtet werden, dass die Begleitperson nicht bei der Eingewöhnung wechseln sollte. Ebenfalls begleitet sie das Kind im Gruppenraum. Die Verabschiedung sollte nicht zu lang sein. Ein immer wiederkehrendes Ritual ist zu empfehlen. Niemals sollten die Eltern sich aus Angst vor Weinen davon schleichen! Dies löst beim Kind Verunsicherung aus und damit verbunden auch Ängste und ist für eine gute Eingewöhnung in den Kindergarten hinderlich. Das Weinen ist zunächst einmal Ausdruck der Gefühlslage des Kindes. Manchen Kindern hilft ihr Lieblingskuscheltier oder Schmusetuch.

Die Begleitperson gibt dem Kind besonders in den ersten Tagen Sicherheit. Einige Kinder benötigen mehr, andere weniger Zeit. Da die Phase der Eingewöhnung sehr anstrengend ist, ist es wichtig, dass das Kind möglichst die Zeit erhält, die es benötigt. Dabei sind vor allem Geduld und Einfühlungsvermögen gefragt. In der ersten Woche sollten Kinder zudem am besten die Einrichtung nur halbtags besuchen. Wichtiger als möglichst lange im Kindergarten zu sein ist ein regelmäßiger Besuch. Maximal zwei Kinder sollten zeitgleich mit der Eingewöhnung pro Woche starten.

Wenn sie richtig umgesetzt werden, funktionieren beide Modelle, sowohl das Berliner Modell als auch das Münchner Modell. Dann ist es egal welches Modell Anwendung findet.

Weitere Einflussfaktoren

Der Charakter des Kindes sowie ob es bereits erste Erfahrungen in einer Betreuung sammeln konnte beeinflusst ebenfalls die Eingewöhnungszeit. Häufig benötigen Kinder etwas mehr Zeit, wenn sie bis zu ihrem dritten Lebensjahr hauptsächlich zu Hause betreut wurden. Als hilfreich haben sich dann Spielgruppen erwiesen. Mit Bilderbüchern rund um den Kindergarten lässt sich zudem die Vorfreude des Kindes wecken.

Manchmal ist es jedoch so, dass es den Eltern selbst schwer fällt loszulassen. Dies wiederum spürt das Kind und wird unsicher. Dann fällt ihm die Trennung schwer und es mag nicht im Kindergarten bleiben. Am besten bespricht man dies mit den ErzieherInnen, um herauszufinden, woran es denn eigentlich liegt. Oft hilft so ein Gespräch schon, um Unsicherheiten zu beseitigen.

Im Vorfeld finden meist Vortreffen statt. Dazu gehört beispielsweise das Anmeldegespräch, bei dem auch gleich die verschiedenen Räume gezeigt werden sowie die Regeln und das Konzept der Einrichtung vorgestellt werden. Einige Einrichtungen bieten an sogenannten Elternnachmittagen den Eltern Gelegenheit, sich gegenseitig kennenzulernen. Dabei erhalten die Eltern allgemeine Informationen über die Eingewöhnungsphase und den Alltag in der Einrichtung. Zeitnah zum ersten Tag gibt’s ein Treffen zwischen den Eltern und den zukünftigen ErzieherInnen. Dabei können Besonderheiten, Charakter, Schlafgewohnheiten und einiges mehr besprochen werden. Bietet die Einrichtung Schnuppertage an, dann hat das Kind die Einrichtung bereits gesehen. Auch wenn Kinder sich aus ihrem häuslichen Umfeld bereits kennen, kann dies die Eingewöhnung erleichtern. Einige Kinder beobachten zunächst alles erst einmal ganz genau, um dann später aktiv zu werden.

Kinder, die ihre Gefühle gut zeigen können, haben es leichter, da sie darauf eine schnellere Reaktion wie beispielsweise Trost erhalten. Fällt es ihnen dagegen schwer, und zeigen inneres Rückzugsverhalten leiden diese Kinder still vor sich hin. Deshalb ist es wichtig die Kinder gut zu beobachten, sonst kann das Verhalten schnell als gut eingewöhnt falsch interpretiert werden.

Weitere Studien konnten zeigen, dass neben einem guten Personalschlüssel, hoch qualifizierten Fachkräfte und die Verwendung eines anerkannten Eingewöhnungsmodells es den Kindern hilft sich gut in einer neuen Umgebung zurechtzufinden und einzuleben. Erfolgt die Eingewöhnung entwicklungsorientiert und individuell, sind die grundlegenden Voraussetzungen für einen guten Start und somit eine gute Eingewöhnung in den Kindergarten geschaffen.

Was, wenn alles nichts hilft?

Doch was ist, wenn das Kind trotz Eingewöhnung partout nicht in den Kindergarten möchte? Dann gilt es zuallererst einmal herauszufinden, woran es liegt. Hat es Angst oder wird es vielleicht gehänselt? Hat es Schwierigkeiten mit einem anderen Kind? In jedem Fall sollten Eltern das Gespräch mit den ErzieherInnen suchen.

Es ist auch möglich, dass ein Elternteil schwer loslassen kann und das Kind diese Unsicherheiten spürt. Oder andere Ereignisse wie die Geburt eines Geschwisterchens oder ein Umzug können Auslöser sein. Im Gespräch lassen sich die Sorgen und Ängste des Kindes besprechen und manchmal gleich beseitigen. Ein enger Kontakt zu den PädagogInnen ist wichtig. Sollte sich herauskristallisieren, dass das Kind noch nicht so weit ist, kann die Eingewöhnungsphase auch etwas nach hinten geschoben werden. Somit wird dem Kind zeitgleich signalisiert, dass es nicht abgeschoben wird, seine Belange und Gefühle wahr- und ernstgenommen werden und es den Kontakt zu seinen Eltern in jedem Fall behält.

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Der Kindergartenbesuch als solcher ist nicht so wichtig für die Entwicklung des Kindes. Es ist viel mehr die dortige Qualität der pädagogischen Arbeit ebenso wie die Beziehungsgestaltung. Dies beeinflusst die kindliche Entwicklung auf der sozialen, emotionalen, kognitiven sowie sprachlichen Ebene. Zudem wirkt es auf das Verhalten und Wohlbefinden der Kinder. Stimmt die Qualität wird die Entwicklung insgesamt positiver verlaufen.

 

Beitrag von Stefanie Budai

Quellen:

  • https://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article167975211/So-klappt-es-mit-der-Eingewoehnung-in-der-Kita.html
  • https://www.erzieherin.de/eingewoehnung-modelle-und-rahmenbedingungen.html
  • https://www.familienhandbuch.de/kita/krippe/bis-schuleintritt/Eingewoehnung.php
  • https://www.rund-um-kita.de/stressfreie-eingewoehnung-fuer-kinder-und-eltern/

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