Sprach- und Sprechstörungen und ihre Förderung in der Logopädie

Die Sprache ist für den Menschen die wichtigste Form der Kommunikation.

Sprechen zu können unterscheidet den Menschen grundlegend von allen anderen Lebewesen.  Wichtig ist es also, die Menschen zu fördern, die Probleme mit dem Anwenden oder dem Verstehen der Sprache haben. Nur wie und ab wann fördert man Betroffene am Besten und wie erkennt man Betroffene?Informationen zu diesem Thema sind schwer zu finden, dabei wächst die Zahl der Betroffenen stetig. Durch Informationsmangel kommt die benötigte Hilfe leider oft zu spät, obwohl Sprach-/ Sprechstörungen bei früher Erkennung vermindert werden können. Eine Heilung im Sinne einer vollständigen Beseitigung der Ursache ist meistens nicht möglich, jedoch können Hirnregionen so trainiert werden, dass sie Aufgaben wie zum Beispiel Lautbildung, die von bestimmten Regionen nicht mehr erfüllt werden können, übernehmen können.

Die folgenden Abschnitte geben Betroffenen und Interessierten einen kleinen Einblick in die Welt der Sprach- und Sprechstörungen, nicht zuletzt um Früherkennung zu fördern und vor allem Kindern einen einfacheren Start in ihr Leben zu ermöglichen.

Sprach- und Sprechstörungen

Die  Sprachstörung ist eine körperlich und psychisch bedingte Störung bei der die gedankliche Erzeugung der Sprache beeinträchtigt ist. Die fehlerhafte Sprachentwicklung hängt zum Beispiel mit dem beeinträchtigten Hörvermögen oder einer Störung im Gehirn zusammen. Bei einer Sprechstörung dagegen ist primär nur das Sprechen betroffen: Die motorisch-artikulatorischen Fähigkeiten sind eingeschränkt und die Fähigkeit Sprechnormen lautlich umzusetzen gestört. Das Sprachvermögen an sich ist bei der Sprechstörung intakt.

Sprech- und Sprachstörungen können auch gemeinsam auftreten.

Im Allgemeinen werden die verschiedenen Arten der Sprachstörung und Sprechstörung klassisch unterteilt in folgende Bereiche:

Sprachstörungen

  • SES (Sprachentwicklungsstörungen)
    – phonetisch-phonologisch, z.B. Dyslalie
    – dysgrammatisch
    – semantisch
  • Sprachabbau- und Verlustsyndrome
    – Aphasie (Sprachverlust)
    – Landau-Kleffner-Syndrom
  • Gestörte Schriftsprache
    – Dsygraphie
    – Dyslexie
  • Sprachverständnisstörungen

Sprechstörungen

– Aussprachstörungen
– Rhythmus- und Redeflussstörungen
– Stimmstörungen
– Lese- und Schriftsprachstörungen

Die am häufigsten auftretenden Störungen sind:

Aphasie

Als Aphasie bezeichnet man den Verlust der ursprünglich vorhandenen Sprachfähigkeit durch einen Schlaganfall oder Unfall. Die Formen der Aphasie können sehr unterschiedlich sein, manchmal fällt es dem Patienten einfach nur schwer die richtigen Wörter zu finden. Man unterscheidet bei der Aphasie zwischen 4 verschiedenen Formen mit unterschiedlichen Schweregraden:

Broca-Aphasie:
– Gestörte Sprachproduktion
– Funktionierendes Sprachverständnis

Wernicke-Aphasie:
– Gestörtes Sprachverständnis
– Weitgehend funktionierende Sprachproduktionsfähigkeit

Amnestische Aphasie:
– Gestörte Wortfindung
– Funktionierende/s Sprachproduktionsfähigkeit und Sprachverständnis

Globale Aphasie:
– Gestörte/s Sprachproduktion und Sprachverständnis

Zusätzlich zu einer Sprachtherapie sollte der Betroffene bei einer Aphasie auch zu Hause Hilfsmittel zur Förderung nutzen. Die Software Audiolog, von der gerade der vierte Teil erschienen ist, unterstützt die therapeutische Arbeit intensiv und ist einfach zu benutzen. Universitätskliniken wie die Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, die Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Frankfurt a.M. und die Medizinische Hochschule Hannover empfehlen Betroffenen den Gebrauch dieser Software von Flexoft zur Förderung auditiver Funktionen.

Dyslexie

Im Gegensatz zu der Alexie, bei der ein völliges Leseunvermögen besteht, haben Betroffene der Dyslexie (griechisch: Missverstehen) Probleme mit dem Lesen und Verstehen von Texten und Wörtern bei normalem Seh- und Hörvermögen. Oft tritt die Dyslexie in den ersten Schuljahren verbunden mit einer Leserechtschreibschwäche auf, dabei verfügt das Kind über eine normal ausgeprägte Intelligenz. Das Problem tritt bei 5 -17 % der Gesamtbevölkerung auf. Dyslexien können auf Grund unterschiedlicher Ursachen auftreten: Zunächst kann eine Dyslexie zumindest teilweise erblich bedingt sein. Studien haben belegt, dass eine Region eines bestimmten Chromosomens mit einer Prädisposition für die Dyslexie in Verbindung gebracht werden kann. Danach können bestimmte genetische Variationen ihre Träger empfänglicher für diese Störung machen. Die erworbenen Dyslexien treten vor allem bei Kindern mit mangelndem Lese- und Schreibtraining und ausgeprägtem TV-Konsum auf. Vor allem in den USA sind Heranwachsende betroffen, aber auch in den europäischen Industriestaaten steigen die Zahlen der Betroffenen besorgniserregend an. Eine weitere Ursache für Dyslexien sind Hirnschädigungen, die im Erwachsenenalter auftreten können. Es ist umstritten, ob Dyslexie heilbar ist, jedoch können die Probleme der Betroffenen verringert werden.

Sprechapraxie

Im Jahre 1968 definierte John Darley die Sprechapraxie als eine Störung der Fähigkeit, Sprechbewegungen in ihrer räumlichen Konfiguration und zeitlichen Abfolge zu manifestieren. Die Sprechapraxie gehört zu den Sprechstörungen, ihre Symptome treten in drei Ebenen auf.

Auf der verbalen Ebene (segmentale Ebene) treten die Leitsymptome auf: Der Betroffene kann verschiedene Laute nicht korrekt artikulieren, es kommt zu so genannten Lautentstellungen.

Die suprasegmentale Ebene beeinflusst den Akzent, die Intonation und den Rhythmus der gesprochenen Sprache. Hier sind treten vor allem silbisches Sprechen, Sprechpausen und Dehnungen auf. Die dritte Ebene bezeichnet das Sprechverhalten. Die Sprechapraxie äußert sich hier in Suchbewegungen der Artikulationsorgane, Initiierungsstörungen und Sprechanstrengung.

Was ist Logopädie?

Der 1924 von dem Schweizer Mediziner Emil Fröschels eingeführte Begriff der Logopädie, welcher sich aus den griechischen Worten „logos“ („Wort, Rede“) und „paideia“ („Bildung, Erziehung“) zusammensetzt, befasst sich mit der Stimmheilkunde sowohl in Theorie als auch in Praxis. Emil Fröschels war für die Durchführung des ersten internationalen Kongress für Logopädie und Phoniatrie in Wien zuständig und gilt zusammen mit Karl Cornelius Rothe als der Begründer der Sprachheilpädagogik. Die Definition der Logopädie ist im ständigen Wandel, jedoch wurden und werden noch heute in der Logopädie vor allem Menschen aus allen Altersklassen mit eingeschränkten verbalen und nonverbalen Kommunikationsfähigkeiten auf Grund von Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- und Hörbeeinträchtigungen betreut und therapiert. Im Erwachsenenalter treten vor allem Aphasie (Sprachverlust), Dysphagie (Schluckstörung) und Dysphonie (Stimmerstörung) auf und können zum Teil durch logopädische Förderung komplett geheilt werden. Dabei wird systematisch und in kleinen Schritten mit allen Wahrnehmungsbereichen der Patienten gearbeitet um eine Verbesserung der Kommunikation zu erreichen. Logopäden untersuchen die mit den Beeinträchtigungen in möglichen Zusammenhang stehenden Störungen des Sprechens, der Atmung, der Stimme, der Mundfunktion, des Hörvermögens und der geschriebenen Sprache.

Jedoch befasst sich die Logopädie nicht nur mit Diagnostik, Therapie und Rehabilitation, auch Prävention, Beratung, Forschung und Aufklärung gehören zu den Aufgabengebieten eines Logopäden. Die erste Logopäden-Lehranstalt wurde 1962 – 5 Jahre nach der Einführung und staatlichen Anerkennung der Berufsbezeichnung – von Hermann Gutzmann junior in Berlin eröffnet. Die noch junge medizinisch-therapeutische Fachdisziplin war nicht sehr verbreitet und wurde vor allem in Großstädten wie Berlin, München, Münster praktiziert. Heutzutage können Logopädieeinrichtungen als staatliche Institutionen in, zum Beispiel, Krankenhäusern, oder aber in Form von Logopädiepraxen, welche von freiberuflichen Logopäden geführt werden, vorkommen.

Seit 1974 werden die Kosten für logopädische Therapien von den Krankenkassen übernommen.

Sprachförderung oder Sprachtherapie?

Sprachförderung

Sprachförderungen sind unspezifische, standardisierte Entwicklungsbegleiter für alle Kinder. Hier erhalten Kinder die Möglichkeit in Ihrer Sprachentwicklung begleitet und unterstützt zu werden, indem sie in Gruppen zum Beispiel Bücher vorlesen, Lieder singen, Gespräche führen, Kniereiterspiele spielen, Bilder benennen und Warum- Fragen beantworten. Da die Sprachförderung in Gruppen stattfindet, ist es nicht möglich sie individuumsbezogen durchzuführen und daher kann sie keine Sprachtherapie ersetzen. Sprachförderung ist also kein Heilmittel.

Sprachtherapie

Bei vier bis sechs Prozent der Kinder reicht jedoch eine Sprachförderung nicht aus, da ein erhöhtes Risiko für eine Sprachentwicklungsstörung vorliegt oder eine solche bereits manifestiert ist. Bei einer Sprachtherapie wird störungsspezifisch und in Einzelsitzungen auf die Probleme des einzelnen Patienten eingegangen um eine Umstrukturierung zu bewirken und mögliche unpassende Automatisierungen abzulösen. Sie  knüpft an die Interessen und persönlichen Merkmale des Kindes an, um den höchstmöglichen Erfolg zu erzielen. Jedoch setzt eine Sprachtherapie sowohl eine ärztliche Untersuchung und Heilmittelverordnung als auch eine umfassende sprachwissenschaftlich-sprachtherapeutische Untersuchung voraus.

Leider wird eine Sprachtherapie heutzutage von deutschen Ärzten immer wieder zu spät verschrieben oder sogar ganz vernachlässigt. Dies belegt eine Studie im Auftrag des Deutschen Bundesverbandes der akademischen Sprachtherapeuten, durchgeführt von der akademischen Sprachtherapeutin Dr. Ulrike de Langen-Müller:

Eine Analyse von über 500 Patientenakten zeigt, dass das mittlere Alter der Kinder, die mit einer Sprachtherapie anfangen, 6,3 Jahre beträgt – zu spät um den gewünschten Erfolg zu erzielen, da die Sprachentwicklung eines Kindes bereits mit fünf Jahren weitgehend abgeschlossen ist. Den größten Erfolg erziele man mit Kindern zwischen zwei und vier Jahren.

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In Zeiten der Wirtschaftskrisen wird leider auch im Gesundheitssystem gespart und die Kosten für Sprachtherapien immer strenger kontrolliert. Dabei machen die Ausgaben für Sprachtherapien nicht einmal 0,3% der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen aus. Erschreckende Daten, wie, dass jedes achte deutsche Kind kurz vor der Einschulung eine mangelnde Sprachfähigkeit aufweist, zeigen jedoch, dass es höchste Zeit ist in die Zukunft unserer Kinder- und somit in die Zukunft unseres Landes-  zu investieren.

Eine sehr große Auswahl an Diagnose- und Fördermaterialien zur Logopädie finden Sie bei Spielundlern.de im Bereich Sprachförderung.

Nähere Informationen zu Störungen der Sprache, des Sprechens, der Stimme und des Schluckens finden Sie auch auf der Homepage des deutschen Bundesverbands der akademischen Sprachtherapeuten unter www.dbs-ev.de

2 Kommentare zu “Sprach- und Sprechstörungen und ihre Förderung in der Logopädie”

  1. Meine Schwester hat einen Sohn, der gerade eine Stimmtherapie macht, weil seine Sprachentwicklung sehr schlecht ist und wir schon früh diese Anzeichen bemerkt haben. Er ist drei Jahre alt und wir hoffen darauf noch vieles verbessern zu können. Ich finde es wirklich schade, dass die Kosten für diese Therapien immer strenger kontrolliert werden, und von der Krankenkasse oft nicht bezahlt werden. Ich kenne andere Eltern, die auch ein Kind mit einer mangelnden Sprachfähigkeit haben und mit uns die gleichen Sorgen teilen. Danke für diesen Beitrag.

    1. Lieber Leser,
      vielen Dank für Ihren Beitrag!
      Wie toll, dass Sie so viel Eigeninitiative zeigen, diese ist auch nötig, um eine solche Situation adäquat abzufangen, dazu benötigt man natürlich auch gute Therapeuten.
      Bleiben Sie dran und alles Gute!
      Kommen Sie bald wieder!
      Ihr SpielundLern-Team

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