Sicherheit im Kindergarten

Trotz einen Rückgangs der Unfallsterblichkeit in diesem Jahrhundert um mehr als die Hälfte bleiben Unfälle die höchste Gefahr für die Gesundheit von Kindern. Daten des Statistischen Bundesamtes weisen die Zielgruppe ab dem ersten Lebensjahr mit einer besonders hohen Chance an einem Unfall zu sterben aus. So sterben durch Unfälle immer noch mehr Kinder als an Infektionen und Krebs zusammen. Die meisten Unfälle mit tödlichem Ausgang bei Kindern unter 15 Jahren ereignen sich durch Verkehrsunfälle, gefolgt von Ertrinken und Verbrennungen.

Betrachten wir auch die nicht tödlichen Unfälle in einer etwas älteren Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin aus dem Jahr 2000, ist die Zahl der verletzten Kinder immens hoch. Eine ärztliche Behandlung nach einem Unfall mussten rund 1,8 Millionen Kinder unter 15 Jahren in Anspruch nehmen, das sind in etwa 20 Prozent der Kinder die heute in Deutschland leben. Mit weitem Abstand entfielen dabei über 1 Million Unfälle auf die Schule und den Kindergarten, gefolgt vom privaten Haushalt, der Freizeit und dem Straßenverkehr.

Unfälle im Kindergarten

Die von den Trägern jährlich an die gesetzlichen Unfallversicherungen gemeldeten Unfälle im Kindergarten schlüsseln die häufigsten Unfallarten auf. Stürze sind für fast 50 Prozent aller Unfälle verantwortlich, gefolgt von Zusammenstößen mit 25 Prozent. Schnittverletzungen und Verbrennungen (Verbrühungen) sind weitere Unfallarten.

Gesammelte internationale Studien zu Unfällen von Kindern zeigen auf, dass etwa 60 bis 70 Prozent aller Unfälle hätten vermieden können. Im Kindergarten sind tödliche Unfälle zum Glück eine Seltenheit, welches auch an den vorhandenen und aktualisierten gesetzlichen Regelungen zu den Sicherheitsbestimmungen im Kindergarten begründet liegt. Aber auch außerhalb gesetzlicher Pflichten und Normen zur Ausstattung im Kindergarten können Erzieher, Träger und Eltern aktiv werden.

Sicherheit im Kindergarten – aktive Verhaltensweisen

Wenn Kinder stürzen oder stolpern sind Erzieher und Eltern oft machtlos, denn auch bei gewissenhafter Aufsicht lassen sich diese kleineren Unfälle nicht vermeiden. Für die motorische Entwicklung der Kinder und der Festigung eines gesunden Gleichgewichtsverhalten sind diese Erfahrungen gar unvermeidlich. Allerdings wird die Stolpergefahr oder der Sturz eines Kindes durch verschiedene, vermeidbare Faktoren erhöht, welche dann aus einer Schrecksekunde und einem kleinen Pflaster für die Kinder einen wirklich schweren Unfall entstehen lassen.

Betrachten wir die Umstände, die einen Unfall begünstigen und die gezielt beeinflusst werden können:

  • technische Mängel
  • organisatorische Fehler
  • Umwelteinflüsse
  • risikofreudiges Verhalten
  • Sozialverhalten
  • psychische Merkmale

Viele schwere Unfälle mit Kindern ereignen sich an Spielgeräten, welche entweder nicht regelmäßig geprüft oder gewartet wurden. U3 Kinder sollten nicht an Außenspielgeräte gelassen werden, da diese in der Regel erst für Kinder ab 3 Jahren zugelassen sind. Zusätzlich sollten auch kleinere Kinder ab 3 Jahren nur mit einer persönlichen Betreuung das Außenspielgerät nutzen dürfen. Wenn Sie einen Ausflug mit den Kindern machen, planen Sie die Unternehmung genau und sorgen an öffentlichen Gefahrenquellen für ein sicheres Verhalten. Warnwesten für die Kinder, jeweils ein Betreuer an der Spitze der Gruppe und am Ende sind dafür zwei Beispiele. Versuchen sie die Kinder vor dem Ausflug auch auf mögliche Gefahren zu sensibilisieren und beeinflussen sie aktiv zuwiderlaufende Verhaltensweisen.

Ein Kind schaukelt auf einer Schaukel im Kindergarten

Jedes Kind hat seinen eigenen Charakter, eine bereits mehr oder weniger ausgeprägte soziale Kompetenz und mitunter auch auffällige Verhaltensweisen. Nach kurzer Zeit mit einer neuen Kindergartengruppe sollten sie diese Merkmale ihren Schützlingen bereits versuchen zuzuordnen, so dass riskanten Verhaltensmustern entgegengesteuert oder psychische Eigenheiten gesondert beobachtet werden können.

Umwelteinflüssen sind Kinder in vielfältiger Form ausgesetzt und oft ausgeliefert, ein Beispiel der aktiven Vermeidung ist etwa der Verzicht auf gesundheitsgefährdendes Spielzeug. Der Verzicht auf gesundheitsschädliche Weichmacher im Plastik-Spielzeug oder gleich der Ersatz durch unbedenkliches Holzspielzeug ist eine Maßnahme. Denken Sie aber bei der Auswahl von Kindergartenmöbeln auch daran, dass Stofftiere viele Bakterien und Erreger sammeln und daher regelmäßig gewaschen werden sollten. Bausteine und Konstruktionsspielzeug sollten aus diesem Grund auch eine abwaschbare Oberfläche haben, Bausteine aus Kork oder Schaumstoff sind hier weniger zu empfehlen. Achten Sie bei Sachspenden darauf, dass das Material den Anforderungen entspricht und es vor dem ersten Kontakt mit den Kindern gewaschen und bei Sicherheitsbedenken aussortiert wird.

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Sicherheit im Kindergarten – Checkliste

 Gruppenraum und Nebenraum

  •  keine scharfen Ecken und Kanten
  •  Regale an der Wand befestigt und standsicher
  •  Kindersicherung in den Steckdosen
  •  Putzmittel und Reiniger sind weggeschlossen
  •  Spielzeug ohne giftige Stoffe (Weichmacher, Lacke)
  •  Malstifte, Malfarben gesundheitlich unbedenklich
  •  Verzicht auf allergieauslösende Pflanzen

 Treppenhaus und Flur

  •  Notausgänge sind freigehalten
  •  keine scharfen Ecken und Kanten an den Türen
  •  Türen ohne Verletzungsgefahr
  •  Türen öffnen in Fluchtrichtung

 Außengelände und Spielgelände

  •  Sicherung zur Straße hin
  •  Zäune ohne Verletzungsgefahr
  •  Spielgeräte gewartet und gepflegt
  •  Spielgeräte stehen auf weichem Untergrund/Sand
  •  Regentonne/Teich gesichert bzw. abgedeckt
  •  Rettungswege sind den Kindern bekannt

Erzieher im Fokus

Die Sicherheit im Kindergarten wird durch verschiedenste Faktoren bestimmt, von denen wir in diesem Beitrag gewiss nicht alle beschreiben können. Die Anzahl an gesetzlichen Vorschriften, Regeln und Normen hat zu mehr Sicherheit in den letzten Jahren beigetragen, auf der anderen Seite aber auch zu Verunsicherung geführt und ist oft nicht überschaubar.

Die Arbeit eines Erziehers im Kindergarten bedarf einer geschulten Persönlichkeit, denn von Hektik und Kinderspiel geprägt können Details wie Solperfallen oder spitze Kanten schnell einmal untergehen. Die alltägliche Gewohnheit eines Jobs darf nicht Einzug halten, da Kinder und die Gestaltung ihres kindlichen Umfelds immer wieder neu und auch unberechenbar sein kann. Der Diskurs mit den Eltern kann ebenfalls zu Belastung werden, wenn gewisse Aktivitäten in Fragen gestellt werden, etwa wieso die Kinder draußen essen obwohl es zur Zeit viele Wespen gibt und ob die Kleinteile des Spielzeugs nicht verschluckt werden könnten.

Mit einem Sicherheitskonzept Vertrauen schaffen

Wenn sich Kinder im Kindergarten frei entfalten sollen müssen Eltern und Erzieher einem gut durchdachten Sicherheitskonzept im Kindergarten vertrauen. Jeder Kindergarten muss dazu einen Sicherheitsbeauftragten berufen, der durch die Teilnahme an Schulungen Gefahrenquellen in der Kita bestimmen kann und auch Ansprechpartner für die Eltern ist. Denn eines ist klar, Kinder müssen Erfahrungen machen und sollen dazu auch kalkulierbare Gefahren und Grenzen erleben, etwa mit einem Balancierparcours oder einem eigenen Lagerfeuer. Nur vor den echten Gefahren, vor denen sollten wir sie mit Sicherheit im Kindergarten schützen.

Quellen

5 Kommentare zu “Sicherheit im Kindergarten”

  1. Ich bin eigentlich keine dieser extrem besorgten Mütter und weiß, dass Kinder sich ausprobieren müssen. Dennoch habe ich bei der Auswahl möglicher Kindergärten auch auf die sichere Ausstattung geachtet. Gerade die Sicherung zur Straße hin ist für den Außenbereich so wichtig!

  2. Ich finde, die Sicherheit in der Kita ist besonders wichtig. Schließlich wollen Eltern ihre Kinder doch mit gutem Gewissen betreuen lassen. Ich habe die Kita Leitung bei uns deshalb darauf aufmerksam gemacht, dass Fluchtwegschilder angebracht werden und die Kinder eingewiesen werden sollten. Ich würde jedem raten dasselbe zu tun.

  3. Interessant, dass die meisten Unfälle im Kindergarten durch Stürze passieren. Das bedeutet, dass das große Mehr wahrscheinlich durch das Verhalten der Kinder selbst verursacht wird. Das beruhigt mich als Vater schonmal ein bisschen, weil es bedeutet, dass die Spielgeräte und Möbel in den Kindergärten zumindest meist genügenden Sicherheitsstandards entsprechen.

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