Kooperatives Lernen in der Grundschule

Kooperatives Arbeiten Spielundlern

Kooperatives Lernen als Gruppenarbeit

Kooperatives Lernen ist eine Form der Gruppenarbeit. Dabei arbeiten die Schüler an Aufgaben, deren Lösung sie nur zusammen erschließen können.

Abgrenzungen zu anderen Formen

Kooperatives Lernen, kollaboratives Lernen und Gruppenarbeit werden häufig analog verwendet. Der gemeinsame Nenner ist die Zusammenarbeit an festgelegten Themen. Darüber hinaus jedoch unterscheiden sie sich in vielerlei Hinsicht.

Gruppenarbeit ist eine soziale Form des Arbeitens, wobei die Schüler gemeinsam Themen angehen, jedoch die Themen, denen sich die Gruppen widmen, unterschiedliche sind oder aber die Ergebnisse in der Regel nicht der gesamten Klasse oder gar klassenübergreifend dargeboten werden. Meist steht im Zentrum der Gruppenarbeit ein gemeinsam hergestelltes Ergebnis wie ein Plakat oder eine Präsentation (statt das gemeinsame Lernen).

Das kollaborative Lernen hingegen ist zwar eine Form der Gruppenarbeit, bei der aber meist nur Teilbereiche eines Themas näher erforscht werden, sodass daraus mehrere Expertengruppen für Facetten eines Themas hervorgehen.

Der Bildungsforscher Keith Topping definiert kooperatives Lernen als eine Mischung dieser beiden ersteren: ein gemeinsames Lernen mit dem Ziel einer Arbeit auf Augenhöhe, indem alle Experten sind oder werden und gemeinsam, auch klassenübergreifend oder altersübergreifend, weitere Schritte des Erkenntnisgewinns machen.

Kooperatives Arbeiten Spielundlern

Definition

Fünf Komponenten machen das kooperative Lernen aus:

– Positive Interdependenz

– Individuelle Verantwortlichkeit

– Direkte Interaktion

– soziale Kompetenz

– Reflexionsarbeit

Positive Interdependenz bedeutet eine motorisierende und somit also fruchtbare Abhängigkeit von der Mitarbeit der anderen Mitglieder in der Gruppe. Ohne das Zutun jeden Einzelnen ist die Lösung der Aufgabe nicht möglich. 

Mit individuelle Verantwortlichkeit ist die Aufgabe jedes einzelnen Gruppenmitglieds gemeint, im ausreichenden Maße und mit Blick auf das gemeinsame Ziel den anderen Gruppenmitgliedern zuzuarbeiten, dabei schwächere Schüler zu animieren und sein Wissen zu teilen.

Austausch, Nachfragen, Rückmeldungen geben, Lücken aufspüren: Dies gehört zur direkten Interaktion. Von ihr hängt es ab, ob das kooperative Lernen gelingt.

Um die direkte Interaktion zu meistern und auszuschöpfen ist soziale Kompetenz grundlegend. Jeder Rückzug eines Schülers aus der Gruppe bedeutet ein Abschwächen der Gesamtgruppe. Soziale Kompetenz ist somit Voraussetzung aber auch Ziel der kooperativen Arbeitsweise.

Die Metaebene der Reflexion schließlich bietet den Schülern eine wertvolle Informationsquelle zur Bewertung der eigenen Arbeit, der förderlichen und hinderlichen Dynamiken, die sich ergeben haben, und ermöglicht eine Vorschau auf eine erfolgreiche zukünftige kooperative Arbeit.

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Voraussetzung für kooperatives Lernen

Das kooperative Lernen gelingt unter der zentralen Voraussetzung, dass die Interaktion ungestört verläuft, sich also alle Gruppenteilnehmer auf gleicher Weise einbringen und einen ähnlichen Wissensstand anstreben. Um dies zu gewährleisten, sind die Lehrkräfte angehalten, die Interaktion durch unterschiedliche Methoden anzukurbeln und am Laufen zu halten. Dies ist möglich durch:

  • Gruppenbildende Maßnahmen vorschalten, indem die Gruppe sich einen Namen gibt, der Arbeitsplatz gemeinsam eingerichtet wird oder Spiele zur Förderung der Dynamik und des Zusammenhalts gespielt werden
  • Einigung auf konkrete Arbeitsaufgaben und Fragestellungen
  • Elaboration der Arbeitsweise, also eine Erhebung von Informationen zur stattgefundenen Arbeitsweise, indem ein Fragesteller die Gruppe zu ihrer Arbeit befragt (Was-, Warum- und Wie-Fragen)
  • Leistungsmessung durch Gegenprüfung der individuellen Mitarbeit über: Quiz-Fragen, schülerspezifische Markierungen (beispielsweise durch Textmarker) innerhalb der inhaltlichen Arbeit oder die Anwendung der Methode des Gruppen-Puzzles

Ablauf

Die Grundstruktur kooperativer Lernprozesse entspricht dem Schema: Think-Pair-Share. Nach einer gemeinsamen Denkaufgabe wird das Wissen in Gruppen vertieft und abgefragt und anschließend mit allen geteilt.

Ein Beispiel für kooperatives Lernen ist das Lernen durch wechselseitiges Lehren: Dabei gibt es drei Phasen.

In der ersten Phase eignen sich alle Lernenden Expertenwissen an, sodass jeder Experte ist. In der zweiten Phase teilen die Kinder ihr Wissen untereinander. Dies geschieht im wechselseitigen Rollen von Experte und Neuling. Eine abschließende Phase umfasst die Evaluierung der Arbeitsweise.

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Vorteile und Herausforderungen

Vorteile

Das kooperative Lernen ist auch für homogene Gruppen geeignet. Es entfaltet aber gerade in heterogenen Gruppen seine große Wirkung. Sie vereint maximal große Lernfortschritte und fördert die soziale Interaktion. Dabei wird der Zusammenhalt in der Gruppe gestärkt.

Durch die Maxime, dass alle Gruppenmitglieder auf einen gleich hohen Wissensstand gebracht werden sollen, profitieren lernschwache Schüler sehr von den lernstarken Kindern. Die Klassenbesten hingegen üben soziale Interaktion, indem sie ihr Wissen lehren.

Herausforderungen

Eine aktuelle Studien der TU Darmstadt hat herausgefunden, dass sich nur ein geringer Anteil an Schulen an der Grundstruktur des kooperativen Lernens halten. Von 30 befragten Klassen, die diese Methode im Unterricht einsetzten, folgten nur 1/5 den Voraussetzungen und dem Ablauf der kooperativen Arbeit, so wie sie in der Fachliteratur dargelegt werden.

Durch diese Diskrepanz zwischen Fachempfehlung zur Arbeitsweise und der praktischen Umsetzung (Research-Practice-Gap) konnten die Schulen diese Methode nicht in allen Ebenen ausschöpfen.

Es ist demnach eine wirkungsvolle Arbeitsweise, jedoch eine, deren Erfolg sich auch darauf begründet, dass die Struktur und der genaue Ablauf aller Schritte detailliert eingehalten werden.

Die Utopie, die Zukunft werden soll

Der Medienpädagoge Richard Heinen beschreibt kooperatives Arbeiten als Chance, Wissen durch die gesammelten individuellen Kompetenzen zu erlangen, fächerübergreifend zu arbeiten und gruppendynamische Potentiale innerhalb des Lernweges fruchtbar zu machen.

Er sieht die Schule als großen Lernraum, in dem alle gemeinsam lernen – und zwar über Klassenraum-, Fächer- und Altersgrenzen hinweg.

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Dies ist für eine große Anzahl der heutigen Regelschulen noch immer weit entfernte Utopie. Kein Grund jedoch, nicht Schritt für Schritt weiterzugehen, um eine Entwicklungsebene zu ermöglichen, wo gleichberechtigtes Lernen möglich ist – gerade in heutigen heterogenen Klassen mit starken Wissens- und Kompetenzgefälle, könnte das kooperative Arbeiten eine neue fruchtbare Lernebene eröffnen.

Bildquellen

  • Pexels @ Karolina Grabowska
  • Pixabay @ Gerd Altmann
  • Pixabay @ klimkin
  • Pixabay-Alexas Fotos

Quellen

  • https://www.schulentwicklung.nrw.de/cms/inklusiver-fachunterricht/lernumgebungen-gestalten/kooperatives-lernen/kooplernen.html
  • https://deutsches-schulportal.de/unterricht/wie-kann-kooperatives-lernen-gelingen
  • Helmke, Andreas: Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität. Diagnose, Evaluation und Verbesserung des Unterrichts, Kallmeyer, 2012.
  • https://magazin.sofatutor.com/lehrer/richard-heinen-welche-schule-brauchen-wir-heute
  • https://www.spielundlern.de/wissen/gruppenpuzzle-in-der-grundschule
  • https://www.abpaed.tu-darmstadt.de/schulpaedagogik/forschung_projekte_sp/ko_pra_kooperatives_lernen_in_der_praxis_sp/index.de.jsphttps://www.friedrich-verlag.de/grundschule/die-grundschulzeitschrift/kooperatives-lernen-und-leistungsmessung-7651

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