Die Dalton-Pädagogik im Schulwesen

Um es mit den Worten von Helen Parkhurst (1887-1974) zu sagen: „Dalton ist not a system, it’s a way of life.“ Die Schule war für sie ein Lebensort, an dem sich alle wohl fühlen sollten. Zudem bildet die Schule eine kooperative Gemeinschaft. In der Dalton-Pädagogik sah sie die beste Vorbereitung auf das Leben in einer demokratischen Gesellschaft. Helen Parkhurst (1887-1974) war Reformpädagogik. Sie entwickelte diese Methode. Der Ursprung geht auf die amerikanische Stadt Dalton zurück, woher auch der Name stammt.

Für Parkhurst steht das selbstständige Lernen im Zentrum ihrer Methode. Zudem war sie Schülerin von Maria Montessori. Die Grundzüge ihrer Dalton-Pädagogik waren bereits konzipiert, vor ihrer ersten Begegnung. In ihrer Grundidee ähneln die pädagogischen Ansätze sich. Während die Montessori-Pädagogik sich auf die Primarstufen (gemeint ist die Entwicklung im Kindergarten- und Grundschulalter) bezieht, sind es bei Parkhurst die Sekundarstufen I und II.

Im Zentrum steht das lebenslange Lernen

In der Dalton-Pädagogik wird der Mensch als freies Wesen verstanden. Er ist im Denken kreativ und selbst verantwortlich für seine getroffenen Wahlen. Die fundamentale Erkenntnis lautet: man behält das am ehesten, womit man sich selbst aktiv auseinander setzt. Dazu erforderlich ist genügend Zeit, die in Grenzen frei nutzbar sowie frei einzuteilen ist. Daneben beeinflussen weitere Faktoren wie die eigene Motivation und Begabung das individuelle Lerntempo.

Die Schüler werden systematisch an das selbststätige Lernen herangeführt. Gleiches gilt für ihre Kooperation mit ihren Mitschülern. Dazu gibt es sogenannte Dalton-Stunden. In diesen wird ein Teil der Unterrichtszeit für die selbstständige Arbeit zur Verfügung gestellt. Die Schüler können dabei den Raum, die Reihenfolge der Aufgaben, den Lehrer und die Kooperationsform frei wählen. Die übrige Zeit findet der Unterricht in seiner üblichen Form statt.

Mit der Dalton-Pädagogik zu mehr Freiheit und Selbstständigkeit

Das allgemeine Ziel dieser Methode ist zum einen den Unterricht sowohl für Schüler als auch für Lehrer ansprechender und effizienter zu gestalten. Zum anderen werden grundlegende Kompetenzen der Kooperation und Selbstständigkeit eingeübt. Um dies zu erreichen, sind die Ziele und Aufgaben nochmal in Teilziele und Aufgaben aufgeteilt.

Teilziele und Aufgaben sind:

  • Reduktion lehrergesteuerter Unterrichtsformen
  • Förderung Selbstständigkeit
  • Interesse am eigenen Lernprozess der Schüler erhöhen
  • Transparenz bezüglich der Leistungserwartungen sowie der Lern- und Unterrichtsinhalte erhöhen
  • Verbesserung der Lehrerrolle hinsichtlich Zutrauen von Verantwortung sowie Individualisierung des Lehrens und Lernens
  • Anregende Lern- und Lehrumgebung gestalten
  • Bessere Nutzung und Verminderung von Vertretungsstunden

Oftmals ist der Unterricht so gestaltet, dass etwa 1/3 der Unterrichtszeit als Dalton-Stunden abgehalten wird. Die anderen 2/3 finden als regulärer Unterricht statt.

Grundsätze und Prinzipien

Die Dalton-Pädagogik beinhaltet zwei Grundsätze und drei Prinzipien. Die Grundsätze lauten:

  • Auf Frontalunterricht verzichten
  • Selbstständige Aneignung des Lernstoffs durch die Schüler

Die Prinzipien lauten wie folgt:

  • Freedom (Freiheit): im Lernprozess ist der Schüler frei, er wird nicht gelenkt oder kontrolliert. Die Kontrollen als schriftliche Arbeit erfolgen erst am Ende einer Unterrichtssequenz.
  • Cooperation (Kooperation): Während des Lernprozesses arbeiten die Schüler mit anderen zusammen. Dabei steht es jedem Schüler frei, in Einzel- oder Gruppenarbeit zu lernen.
  • Budgeting Time (Zeitbudget): Lernstoff und –ziele sind für einen festgelegten Zeitraum vorgegeben. Die Schüler steuern ihren Lernprozess selbstständig.

Die Dalton-Pädagogik kann in jeder Schulform umgesetzt werden

Die Methode der Dalton-Pädagogik hat als Zielsetzung das Erwerben von Aneignungsstrategien der Schüler. Sie sollen somit zum lebenslangen Lernen befähigt werden. Die Lernentfaltung bezieht sich auf den fachlichen Kontext. Deshalb ist diese Methode besonders für Gymnasien ansprechend. Ebenso ist die Dalton-Pädagogik für Ganztagsschulen ansprechend.

Als minimale Voraussetzung gilt der Blockunterricht. Dieser wird für die Dalton-Stunden benötigt, um die Lernziele verbindlich umzusetzen. Auch werden individuelle und soziale Kompetenzen vorausgesetzt. Die Lernenden selbst, also die Schüler, müssen sich selbst motivieren und zielstrebig arbeiten können. Der Lehrer erfüllt die Aufgabe eines Lernbegleiters. Er gibt den Schülern Handlungsimpulse, wenn diese erforderlich sind.

Der Dalton-Planer als Organisationshelfer

Die Schüler lernen Verantwortung für ihren Lernprozess zu übernehmen. Dabei helfen die Dalton-Stunden. Hier kann jeder Schüler entweder für sich lernen oder Hilfe einholen. Hilfe findet er bei anderen Schülern oder Lehrer. Probleme können in allen Unterrichtsformen auftreten. Oftmals handelt es sich dabei entweder um motivationale oder inhaltliche Probleme. Deshalb ist es von Bedeutung, dass die Schüler lernen, ihre Probleme und Schwierigkeiten selbst zu erkennen und mitzuteilen. Insbesondere die Dalton-Stunden ermöglichen es, dass der Schüler Fragen und Probleme mit dem Lehrer oder Mitschüler im persönlichen Gespräch klären kann. In den Dalton-Stunden arbeiten die Schüler eigenverantwortlich.

Um den Überblick zu behalten, hilft ihnen der Dalton-Planer. Dieser dient der Organisation des Lernens. Für jeden Schüler wird ein eigener Dalton-Plan individuell erstellt. Darin sind die Aufgaben festgehalten, die er innerhalb eines bestimmten Zeitraumes bearbeiten soll. Ohne Kontrolle geht es dann aber doch nicht. Diese erfolgen allerdings erst am Ende einer Unterrichtssequenz. Sie finden in schriftlicher Form statt.

Auch stehen den Schülern unterschiedliche Räume zur Verfügung. Sie können zwischen diesen Wählen. Gibt es einen Raum der Stille ist dieser für die Einzelarbeit vorgesehen. Wie der Name sagt herrscht hier absolute Stille. Dies ist von jedem Schüler beim Lernen einzuhalten, um auch die anderen in ihrem Lernprozess nicht zu unterbrechen oder zu stören.

Aufgaben der Lehrer in der Dalton-Pädagogik

In der Dalton-Pädagogik ändert sich die Rolle des Lehrers. Sie beobachten und beraten die Schüler im Lernprozess. Sie begleiten die Schüler in ihrem Arbeitsprozess. Zu ihren Aufgaben gehören:

  • Die Schüler zum selbstständigen Arbeiten und konstruktiver Zusammenarbeit anleiten
  • Adäquate Arbeitsatmosphäre schaffen
  • Schüler bei deren Arbeit unterstützen
  • Schüler beraten
  • Auf mangelndes Arbeitsverhalten eingehen
  • Anwesenheit dokumentieren und eventuell das Lernverhalten bzw. Verhalten der Schüler.

Vorteile dieser Lernmethode

Die Vorteile bestehen einerseits in dem individuellen Lerntempo, den besseren Fördermöglichkeiten, der größeren Eigenverantwortung und andererseits in der Eigeninitiative der Schüler. Dadurch erlangen sie häufig mehr Selbstvertrauen. Gleichzeitig ist die Lehrer-Schüler-Kommunikation individuell. Darüber hinaus lassen sich die Fächerkontexte miteinander verbinden.

Die Unterrichtsinhalte sind transparenter. Dies dient der Verbesserung der Kommunikation zwischen den Eltern und ihren Kindern hinsichtlich der Schule. Durch die kontinuierliche Durchsicht des Dalton-Planers nehmen die Eltern mehr Anteil am Lernen ihres Kindes. Den Kontakt zum Lehrer können sie darüber hinaus jederzeit suchen, sofern Bedarf besteht.

Weiterhin positiv hervorzuheben ist die Stärkung der Selbstständigkeit, der Selbstverantwortung und des Interesses am eigenen Lernprozess. Die Lerninhalte werden von den Schülern eigenständig erarbeitet. Zudem steht mehr Zeit für die Gruppenarbeit zur Verfügung. Aufgaben und Lernziele sowie der Unterricht sind transparenter gestaltet. Somit wissen die Schüler, was sie erwartet. Zudem stehen im Dalton-Plan die Termine für die Tests bereits fest. So erhalten die Schüler einen guten Überblick, was sie bis wann gelernt haben müssen.

Durch die gute Kommunikation und das Miteinander wächst die Schulgemeinschaft stärker zusammen. Der Lehrer übernimmt sodann eine Aufsichts- und Beratungsfunktion. Durch das eigenständige und selbstverantwortliche Lernen bereitet die Dalton-Pädagogik seine Schüler gut auf ein Studium vor. Alle Aufgaben können von den Schülern in der Schule fertig gestellt werden. Dies spart Zeit und Hausaufgaben sind nicht notwendig.

Durch die Dalton-Pädagogik wird ein hohes Maß an Selbsterziehung erreicht. Für die Schüler wird der Umgang mit den Lernmaterialien und den Nachschlagewerken zu einer Selbstverständlichkeit. Eventuell vorhandene Hemmschwellen werden überwunden. Ist ein Schüler in seinen Leistungen besonders gut, kann er noch vor Jahresende bereits in eine höhere Klasse vorrücken. Andersherum gibt es keine Wiederholung der Klasse. Benötigt ein Schüler mehr Zeit, arbeitet er einfach an den Themen weiter, wo er zuletzt war. Er kann dann später noch aufrücken.

Kritik an der Lernmethode

Neben den positiven Aspekten gibt es daneben einige Kritikpunkte. Es kommt vor, dass Schüler sich unter Druck gesetzt fühlen, wenn sie zu viele Dalton-Aufgaben erhalten. Dann reicht die Zeit in den Dalton-Stunden nicht mehr aus. Als Folge werden die Aufgaben entweder nur teilweise oder gar nicht bearbeitet. Um eine Elternbenachrichtigung bzw. einen Eintrag im Dalton-Planer zu umgehen, erledigen sie die Aufgaben dann meistens zu Hause.

Weiterhin zu beanstanden ist, dass das Vorgehen nach rein intellektuellen Gesichtspunkten erfolgt. Im Fokus steht die Aneignung von Wissen. Damit ist ein Unterricht nach Interessen und Bedürfnissen ausgeschlossen. Gleiches gilt für das Eingehen auf aktuelle Entwicklungen. Dazu erhält die schriftliche Arbeit eine überdimensionierte Betonung.

Das Pensum ist das sichtbare Erkennungsmerkmal einer Dalton-Schule

Um sich mit dem Lernstoff intensiv auseinanderzusetzen, sind konzentrierte Aufmerksamkeit, das Bewusstsein des Problems sowie Kreativität für mögliche Lösungen erforderlich. Um sich der Gruppe zuzuwenden, ist es notwendig, dass die Schüler lernen andere zu respektieren, andere zu verstehen, ihre eigene Meinung formulieren können und diese in einer Diskussion ebenso vertreten können. Vorausgesetzt sind eine gute Gesprächskultur und das demokratische Zusammenleben.

Das sogenannte Pensum ist das sichtbare Zeichen einer jeden Dalton-Schule. An seine Gestaltung sind strenge Anforderungen gestellt. Fertiggestellte Teile werden farblich gekennzeichnet. Die Farben können unterschiedlich gewählt sein. Für die anschließenden schriftlichen Prüfungen werden entweder Noten oder verbale Beurteilungen vergeben.

Anforderungen an ein Pensum:

  • Anforderungen an ein Pensum:Es muss schriftlich ausformuliert sein
  • Vorangestellt ist ein „Interest Pocket“. Es soll die Neugier und Motivation des Schülers wecken.
  • Es muss klar sein, was vom Schüler erfordert wird und welche Schwierigkeiten auftreten können.
  • Es beinhaltet drei Ebenen der Differenzierung: Niveaudifferenzierung – Interessendifferenzierung – Differenzierung nach Umfang und Zeit
  • Es besteht aus neun Teilen.

Die Dalton-Pädagogik lässt sich für jede Schule modifizieren

Die Dalton-Pädagogik ist eine spezielle Form des individuellen Lernens. In den USA und den Niederlanden ist dieses Konzept bereits weit verbreitet. Dahingegen wird es in Deutschland an Schulen zunehmend und in modifizierter Form angewendet. Die Methode ist nicht starr, sondern sehr flexibel, offen und im ständigen Wandel. Obwohl die Dalton-Schulen sehr verschieden sind, sind ihnen die Wahlfreiheit und das Prinzip der Selbsttätigkeit gemeinsam. Die Methode lässt sich auf die jeweiligen Schulumstände sowie Lehrerschaft anpassen. Entscheidend dabei ist, dass die Prinzipien aufrechterhalten bleiben.

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Um die Dalton-Pädagogik anwendbar zumachen, werden die traditionellen Klassenräume umgestaltet. Entweder in Fachräume oder Laboratorien. Auch können Räume der Stille geschaffen werden. All diese Räume werden in den Dalton-Stunden von den Schülern gemeinsam genutzt. Deshalb müssen sie frei zugänglich und mit vielfältigen Materialien ausgestattet sein. Schüler unterschiedlicher Jahrgangsstufen und unterschiedlicher Lerngruppen kommen hier zusammen. Bei der Dalton-Pädagogik handelt es sich um eine Form des persönlichen und gemeinschaftlichen Lernens.

Bildquellen

  • unsplash.com @ Jess Bailey
  • unsplash.com @ Andrew Ebrahim
  • pexels.com @ Mart Production
  • pexels.com @ Rodnae Productions
  • pixabay.com @ Mote Oo Education

Quellen

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Daltonplan
  • https://www.deutschlandfunk.de/lernen-ohne-druck-wie-das-dalton-prinzip-schueler-motiviert-100.html
  • https://www.ganztaegig-lernen.de/der-weg-zum-freien-lernen-dalton-plan

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