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Nachhaltiges Spielzeug in Produktion und Handel

Weit über drei Viertel des in Deutschland verkauften Spielzeugs wird in China und südostasiatischen Niedriglohnländern produziert. Egal ob Kuscheltier, Bausteine oder Puppe, die Herstellung erfolgt unter ausbeuterischer Produktion in der Arbeitsrechte und Umweltaspekte wenig Beachtung finden. Fair gehandelte Spielwaren sind ein Nischenprodukt. Die einheitliche Kennzeichnung von schadstoffreiem als auch nachhaltigem Spielzeug wird dem Verbraucher nicht geboten.

Kinderspielzeug aus China und Südostasien

Bei der Produktion von Spielzeug in Niedriglohnländern sind die problematischen Bedingungen im Detail immens. Die Verletzung von Menschenrechten und Arbeitsstandards in den Fabriken wird über illegale Kinderarbeit, niedrige Sozialstandards und eine unzureichende Arbeitssicherheit definiert. Neben den menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen sind die Schadstoffe im Herstellungsprozess ein Problem. Sie bedeuten ein Gesundheitsrisiko für die Arbeiter in den Fabriken und betreffen auch den Konsumenten direkt. Mit Schadstoffen belastetes Kinderspielzeug fällt immer wieder durch in Deutschland durchgeführte Tests, etwa von ÖKOTEST. Zusätzlich müssen die langen Transportwege aus Südostasien mit Blick auf den klimaschädlichen CO2-Ausstoß betrachtet werden.

Die in der EU verkauften Spielwaren müssen bestimmte Standards einhalten. Der bewusste Konsument sollte sich ob der angeführten Problematik aber trotzdem fragen, woher das Spielzeug kommt und unter welchen Bedingungen es produziert wurde. Kann ich mein Kind mit Spielzeug spielen lassen, für dessen Herstellung womöglich andere Kinder arbeiten mussten? Für dessen Produktion die Umwelt und Zukunft der nächsten Generationen irreparabel geschädigt wurde? Nicht zuletzt geht es auch um die Gesundheit des Kindes, welches mit einem womöglich schadstoffbelasteten Spielzeug über die Jahre hinweg spielt. Dem Kauf liegt eine grundlegende Entscheidung zur Basis - Achten wir auf die Menschen und die Welt in der wir leben, lässt sich die Zukunft bewusst gestalten?

Plastik Müll und kaputtes Spielzeug

Sicherheitsmängel und Schadstoffe im Kinderspielzeug

Kinder entdecken ihre Umwelt mit allen Sinnen, Babys und Kleinkinder nehmen dabei das Spielzeug am liebsten in den Mund, knabbern, kauen und kuscheln. Das Lieblingsspielzeug ist ein Begleiter über mehrere Jahre und liegt auch nachts mit im Bettchen. Gerade Eltern von Kleinkindern sollte es daher von besonderer Wichtigkeit sein, für die Gesundheit unbedenkliches und sicheres Spielzeug zu kaufen. Die dazu geltende EU-Spielzeugrichtlinie EN 71 zum Verbot von krebserregenden Stoffen und Grenzwerten an Giftstoffen von Blei, Quecksilber oder Selen im Kinderspielzeug wird von Experten als unzureichend angesehen. Durch die letzte Überarbeitung der Richtlinie sei sie sogar aufgeweicht und weniger strikt als zuvor, so die Kritik vom Bundesinstitut für Risikobewertung. Es werden nur die Grenzwerte bestimmter Giftstoffe getestet und zusätzliche oder weniger schädliche Stoffe bei der Prüfung nicht berücksichtigt.

Weichmacher und Schwermetalle

Zu den meist verbreiteten Giftstoffen im Kinderspielzeug zählt die Gruppe der Phthalate und hier am bekanntestes das mittlerweile verbotene DEHP (Diethylhexylphthalat). Diethylhexylphthalat darf seit 2015 nur noch mit einer gesonderten Zulassung in Europa verwendet werden und wurde neben dem Kinderspielzeug auch in Medizinprodukten, Lebensmittelverpackungen und Fußbodenbelägen verarbeitet. DEHP wird als krebserregend eingestuft, kann die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen und reichert sich im Organismus an, besonders Leber und Nieren werden geschädigt. Dabei spielt es keine Rolle wie der Kontakt mit dem Schadstoff zustande kommt, über die Nahrung, den Körperkontakt oder die Umgebung. Trotz des Verbots des Phtahalates DEHP tauchen Weichmacher weiterhin im Kinderspielzeug auf, auch weil die Hersteller die Einhaltung der gesetzlichen Verbote nicht nachweisen müssen. Auf Grund fehlender Studien zu den Gesundheitsrisiken sind unterschiedliche Weichmacher und deren Ersatzstoffe bis heute erlaubt.

Duftstoffe im Kinderspielzeug können Allergien auslösen, die Verdauung beeinflussen und auch das Risiko für Ohreninfektionen erhöhen. Mit Weichmachern und Schwermetallen belastete Spielwaren sind oft auch ein Indikator für eine Billig-Produktion, das unter diesen Bedingungen hergestellte Spielzeug geht schnell kaputt. Damit einhergehend können auch eklatante Sicherheitsmängel sein, etwa sich lösende Kleinteile und scharfe Kanten. Kinder können sich an den Kleinteilen verschlucken und ersticken, scharfe Kanten führen zu Verletzungen. Auch wenn dieses Billig-Spielzeug seinen pädagogischen Auftrag erfüllen mag, sollte der Konsument ob der bisher angesprochenen Defizite zur Produktion und den gesundheitlichen Risiken Alternativen in Betracht ziehen.

Nachhaltiges Spielzeug Teddy

Kennzeichnung von ökologischem und nachhaltigem Spielzeug

Ein Hindernis für die bewusste Auswahl von nachhaltigem Spielzeug durch den Verbraucher sind die kaum vorhandenen Siegel und Zertifikate. Während es in anderen Branchen mittlerweile zur Norm und schon Pflicht gehört, lassen sich für die Spielwarenbranche keine einheitlichen und verpflichtenden Zertifizierungen ausmachen. Der Käufer muss sich also fragen, nach welchen Kriterien er nachhaltiges Spielzeug bewertet.

Die Auflistung der folgenden Siegel und Zertifikate soll als eine Entscheidungshilfe für Eltern und Erzieher gelten. Es bedeutet aber auch, dass eigene Kriterien angelegt werden müssen, wenn das vom Kind gewünschte Produkt ohne ein entsprechendes Siegel im Handel liegt.

ce-kennzeichnungCE-Kennzeichnung

Mit der CE-Kennzeichnung bestätigt der Hersteller seine Verantwortung, dass das Spielzeug der geltenden EU-Norm EN 71 entspricht und somit die Mindestanforderungen der EU-Richtlinien erfüllt werden. Es besteht keine Verpflichtung seitens des Herstellers die Einhaltung der Richtlinien durch unabhängige Stellen prüfen zu lassen. Weiterhin werden in der EU-Norm EN 71 nur ein Teil der Inhaltsstoffe geregelt, somit bietet das CE-Zeichen keine Aussage über alle Schadstoffe im Spielzeug. Eine CE-Kennzeichnung kann nicht als Qualitätssiegel gesehen werden, sollte das Spielzeug dieses Zeichen allerdings überhaupt nicht tragen ist vom Kauf dringend abzuraten.

GS-ZeichenGS-Zeichen

Das GS-Zeichen ist die Abkürzung für geprüfte Sicherheit. Mit diesem für den Hersteller freiwilligen Test garantiert das Siegel die Einhaltung europäischer Sicherheitsnormen. Die Prüfung wird von einer unabhängigen Stelle durchgeführt, das können etwa TÜV oder DEKRA sein. Das GS-Zeichen gibt eine Sicherheit darüber, dass sich das Kind beim Spiel mit dem Spielzeug nicht qualitätsbedingten Gefahren aussetzt.

TÜV-Proof-ZeichenTÜV-Proof-Zeichen

Zusätzlich zur EU-Norm EN 71 für Spielzeuge muss das Produkt auch den TÜV-Test auf Schadstoffe nach den Anforderungen des TÜV-Proof Kriterienkataloges erfüllen. Das bedeutet, es wird auch auf Schadstoffe getestet für die vom Gesetz noch keine Grenzwerte festgelegt wurden. Mit dem TÜV-Proof-Zeichen ist auch die CE-Kennzeichnung abgedeckt. Die Prüfung erfolgt jährlich.

LGA QualitätszertifikatLGA Qualitätszertifikat

Unter dem LGA Qualitätszertifikat wird das Spielzeug auf den Schadstoffgehalt, die Entflammbarkeit und die Strapazierfähigkeit getestet. Wie leicht sich das Material reinigen lässt ist dabei ein weiteres Kriterium.

FSC-SiegelFSC-Siegel

Spielzeug aus Holz oder mit Bestandteilen aus Holz kann bei nachhaltiger Produktion mit dem FSC-Siegel ausgezeichnet werden. Durch ein FSC-Siegel wird kommuniziert, dass das Produkt mit dem Rohstoff Holz und aus einer nachhaltigen und regionalen Waldwirtschaft hergestellt wurde. Der Hersteller muss dafür einen Zertifizierungsprozess durchlaufen.

Re-WoodRE-Wood

Spielzeug aus RE-Wood besteht zu 80 Prozent aus Holzabfällen, die nach Zusatz eines Bindemittels und in gepresster Form zu 100 Prozent wiederverwertbar sind. Die Holzabfälle werden dem Produktionszyklus eine nachhaltigen Waldwirtschaft entnommen. Produkte aus RE-Wood zeichnen sich durch eine hohe Festigung und Sicherheit im Gebrauch aus. SpielundLern bietet Ihnen in Kooperation mit der Firma Wissner Produkte aus Re-Wood.

Re-PlasticRE-Plastic

Kunststoffabfälle werden zu RE-Plastic und bilden die Grundlage für nachhaltiges Spielzeug. In der Herstellung unter Verwendung von 100 Prozent wiederverwertbarem Polystyrol ist RE-Plastic ein Beitrag, den anfallenden Plastikmüll einer nachhaltigen Verwertungskette zuzuführen. Spielundlern bietet Ihnen in Kooperation mit der Firma Wissner Produkte aus RE-Plastic.

ICTI-KodexICTI-Kodex

Über den ICTI-Kodex verpflichten sich die Hersteller zur Einhaltung sozialer Standards. Das schließt die Zahlung eines Mindestlohnes ebenso wie den Verzicht auf illegale Kinderarbeit ein.

spiel gut-Siegelspiel gut-Siegel

Mit dem roten spiel gut-Siegel wird pädagogisch wertvolles Spielzeug ausgezeichnet. Getestet wird das Spielzeug von Fachleuten auf dem jeweiligen Gebiet, bestehend aus Lehrern, Ärzten aber auch Kindern. Lebensdauer, Spielwert und Umweltverträglichkeit sind dabei maßgebliche Kriterien.

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fair spieltfair spielt

Ähnlich dem ICTI-Kodex setzt sich das Projekt der Werkstatt Ökonomie für die Einhaltung von Sozial- und Arbeitsstandards ein. Das Logo mit dem Teddy wirbt für Spielzeug aus einer menschenwürdigen und fairen Produktion.

Pädagogisch wertvolles und nachhaltiges Spielzeug

Durch Rückrufaktionen von schadstoffhaltigen Spielwaren und einer vermehrten Berichterstattung in den digitalen Medien steht der Verbraucher dem Kauf von Spielzeug heute deutlich kritischer gegenüber. Dass mit Schadstoffen belastetes Spielzeug die Gesundheit gefährdet und damit einhergehende Produktionsbedingungen Mensch und Umwelt schädigen ist zumeist bekannt. Doch wo beginnt Nachhaltigkeit, was ist nachhaltiges und ökologisches Spielzeug?

Die Produktion von nachhaltigem Spielzeug setzt auf nachwachsende Rohstoffe wie Holz, Baumwolle und auf schadstofffreie Farben und Lacke. Holz aus nachhaltiger und regionaler Waldwirtschaft steht dabei für die beste Ökobilanz. In vielen Fällen ist allerdings nicht erkennbar woher die Rohstoffe stammen und ob die Hölzer einer nachhaltigen Waldwirtschaft entnommen wurden. Die Dauer des Zeitraums bevor ein Spielzeug kaputt gespielt oder weggeworfen wird ist ein weiteres Kriterium der Nachhaltigkeit. Was passiert wenn es dann doch entsorgt werden muss? Lassen sich die Spielwaren wieder komplett einem Verwertungskreislauf zuführen oder zumindest klimaneutral entsorgen? Daran lässt sich ein nicht minder wichtiger Punkt anschließen: Was ist für die Langlebigkeit von Spielzeug ebenso wichtig wie die richtige Produktion? Wir bei SpielundLern denken, dass es vor allem die Spielfreude und ein hoher pädagogischer Spielwert sind.

 

Quellen:

  • https://www.verbraucherzentrale.de/plastikspielzeug
  • http://www.wissner-germany.com/re-plastic.html
  • http://www.re-wood.de/re-wood.php
  • http://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/nachhaltige-produktion
  • https://www.spielwarenmesse.de/magazin/artikeldetail/hersteller-oekologische-spielsachen/
  • http://www.gevestor.de/details/produktion-in-der-industrie-nachhaltigkeit-foerderungsmassnahmen-und-kennzeichnungen-760342.html
  • https://de.wikipedia.org/wiki/CE-Kennzeichnung

5 Gedanken zu „Nachhaltiges Spielzeug in Produktion und Handel

  1. Tim1983

    Mir ist es sehr wichtig, ob die Spielzeuge die ich meinen Kindern gebe sicher und mehrfach geprüft sind. Ich schaue mir immer die Tests und geprüften Zertifikate an

    Antworten
    1. Spielundlern

      Vielen Dank für Ihren Kommentar!
      Ein waches Auge der Eltern ist sicher eine solide Basis, um sein Kind vor schädlichem Spielzeug zu schützen. Wie schön, dass Sie darauf achten.
      Es grüßt Ihr SpielundLern-Team aus Berlin

      Antworten
    2. Spielundlern

      Vielen Dank für Ihren Kommentar!
      Schön, dass Sie so viel Zeit in die Recherche investieren und sich kundig machen. Auch wir sind der Meinung: Es ist eindeutig besser, weniger Spielzeug zu haben, dafür aber langlebig und von guter Qualität.
      Es grüßt Ihr SpielundLern-Team Berlin

      Antworten
  2. Anna

    Vielen Dank für diesen informativen Artikel. Vieles ist mir neu, einige Siegel für sicheres Spielzeug kannte ich nicht mal. Beim Kauf von Spielzeug für meinen Sohn hatte ich bisher immer versucht darauf zu achten, jetzt werde ich da noch mehr die Augen offen halten.
    Gruß
    Anna

    Antworten
    1. Spielundlern

      Vielen Dank für Ihren Kommentar!
      Wir freuen uns, dass der Artikel Ihnen eine Entscheidungshilfe ist.
      Kommen Sie gerne auf uns zu, wenn Sie sinnvolle zertifizierte Spielmaterialien und Lernspiele suchen, wir beraten Sie gerne.
      Es grüßt,
      Ihr SpielundLern-Team Berlin

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