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Linkshänder Fakten – ein wissenschaftlicher Überblick

Sind Sie Linkshänder? Sicher nicht? Vielleicht rufen Sie entschlossen Nein! Und doch könnte dieser Artikel Sie oder Ihr Kind angehen: Es besteht eine bis zu 40-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass Sie selbst ein Linkshänder sind und es nur noch nicht wissen. Dies halten sie für ausgeschlossen?

Unentdeckte, unbewusste Linkshänder machen eine Dunkelziffer aus, die keiner kennt. Sie ist vermutlich um ein Vielfaches größer, als die 10% der Linkshänder, die ihre dominante Hand auch als solche benutzen.

Viele heutige Rechtshänder kamen mit der Veranlagung eines linkshändigen Menschen zur Welt. Einige erinnern drakonische Maßnahmen, mit denen sie auf die rechte Hand umgeschult wurden – spätestens mit Anfang der Grundschulzeit. Andere jedoch wurden „sanft“ umgeschult, schreiben selbstbewusst mit rechts und ahnen nicht, dass ihnen genetisch eine andere Händigkeit in die Wiege gelegt wurde.

Wie Sie auch im Erwachsenenalter erkennen können, ob Sie ursprünglich linkshändig sind, warum sich ein Blick darauf für jeden Menschen lohnt und welche Tipps es gibt, wenn Sie plötzlich die Entdeckung machen: Ich bin ein Linkshänder!

Darüber lesen Sie in unseren zwei Teilen zur Linkshändigkeit!

Eine Frau schreibt mit der linken Hand

Wie viele geborene Linkshänder gibt es? Die Dunkelziffer.

Linkshändigkeit ist ein Thema, über das ein Großteil der Menschen nicht nachdenkt. Insbesondere die mit rechts schreibenden Menschen. Man könnte also sagen, die meisten, genau genommen rund 90 %.

Dies ist nämlich die Zahl, die heutige Forschung durch Befragung zur praktizierten Händigkeit herausgefunden hat. Rund 10% der Menschen schreiben hingegen mit Links.

Wie viele Menschen jedoch von der Veranlagung her linkshändig sind, ohne die linke Hand als dominante Hand zu nutzen, das lässt sich nur schätzen. Die Annahmen aus Studien und Befragungen (http://www.linkshaender-fakten.de/die-in-etwa-fast-genaue-anzahl-an-linkshaendern/) reichen von 10 % bis hin zu 50 %: eine unfassbare Spannweite. Sie deutet darauf, dass die Antwort auf diese Frage schlicht noch im Dunkeln liegt.

Was sicher ist: Die Zahl ist höher als die 10% der Menschen, die bewusst als Linkshänder leben.

Das steigende Bewusstsein um die Gründe und Vorteile gelebter Linkshändigkeit hat dazu geführt, dass es mittlerweile viel mehr bekennende Linkshänder gibt, als noch vor einigen Jahrzehnten. Vor 70 Jahren sprechen Zahlen von 4% mit Links schreibenden Menschen. Heutzutage gibt es in Deutschland rund die drei- bis fünffache Menge an bekennenden Linkshändern.

Dazu hat auch beigetragen, dass die Linkshändigkeit zunehmend von einem Joch befreit wurde: das Joch der Scham und des Makels.

Eine linke Hand

Linkshändigkeit – was sagt die Wissenschaft?

Man geht nach heutigem Stand davon aus, dass Linkshändigkeit angeboren ist. Aber ob allein die Gene dafür zuständig sind, dies ist nach wie vor wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt.

Zur Veranschaulichung ein kurzer Überblick über zwei wichtige Studien.

Studie 1: 90% von 75 Föten ab der 13. Schwangerschaftswoche verwendeten nach einer Studie des Psychologen Peter Hepper (https://elifesciences.org/articles/22784) zufolge zum Nuckeln bevorzugt den Daumen der rechten Hand – und wurden auch später allesamt zu Rechtshändern.

Trotz dieser eindeutigen Zählung der früh sich zeigenden Händigkeit, die auf eine genetische Komponente verweist, ist die Sachlage in Gegenüberstellung zu einer anderen Studie doch nicht ganz so eindeutig. Das Gehirn und die Gene scheinen nicht allein den Ausschlag zu geben für die Händigkeit.

Studie 2: Eine weitere Studie von Föten eines noch früheren Stadiums, nämlich der 10. Schwangerschaftswoche (https://www.scinexx.de/news/biowissen/linkshaender-das-rueckenmark-entscheidet/), fand heraus, dass die Prägung der Händigkeit schon in diesem frühen Stadium messbar ist, jedoch im Rückenmark – man ermittelte dabei 4% Linkshänder.

Da die beiden aktuellen Studien mit ihren Ergebnissen von 4% und 10% linkshändigen Föten sich auffällig stark voneinander unterscheiden, müssen wohl auch noch andere Faktoren mit am Werk sein. Es wird unter anderem davon ausgegangen, dass nicht nur die Genetik bei der Ausprägung der Händigkeit ausschlaggebend ist, sondern auch Umwelteinflüsse, die bereits in frühsten embryonalen Entwicklungsphasen gewisse Genabschnitte betonen oder ausschalten. Es ist zum Teil in der Vergangenheit auch nur von einer rein sozio-kulturellen Beeinflussung der Händigkeit die Rede.

Wundert man sich über die wissenschaftlichen Blüten dieser Fragestellung, die in alle Richtungen zeigen, bloß Konsens fast schon zwanghaft vermeiden, so findet man durchaus noch weitere amüsante Hypothesen zur Linkshändigkeit in einer universitären Arbeit, die online bequem zugänglich ist (https://linkshaenderei.de/lh/wp-content/uploads/Hausarbeit_Jan_Ole_Schuemann.pdf).

Auch die Hirnforschung besagt nichts Eindeutiges. Studien zeigen nur bei einem Drittel der Linkshänder abweichende Strukturen und Aktivitätsgrade im Gehirn. Demnach also arbeiten die Gehirne eines Großteils der Linkshänder genauso wie die der Rechtshänder.

Das Linkshänder Gehirn arbeitet spiegelverkehrt

Ein Konsens: Das Gehirn arbeitet bezogen auf die Handmotorik spiegelverkehrt

Trotz noch ungeklärter Antworten auf die Frage, wie und wann in der Entwicklung des Menschen die Präferenz zur linken Hand entsteht, ist eines Konsens: Das Gehirn arbeitet bezogen auf die Handmotorik spiegelverkehrt: Die linke Gehirnhälfte ist für die rechte Hand zuständig und die rechte Gehirnhälfte steuert die linke Hand. Tauscht man langfristig die Hand aus, werden diejenigen Gehirnregionen mit Aufgaben betraut, für die sie nicht ausgestattet sind – es kommt zu einer Überforderung, deren Folgen beträchtlich sein können.

Wie es in den Gehirnen von umgeschulten Linkshändern aussieht, zeigt eine aktuelle Studie von Stefan Klöppel (https://www.dasgehirn.info/handeln/motorik/erzwungene-rechtshaendigkeit): Die Bewegung wird – genauso wie bei Rechtshändern – in der linken Hirnhälfte gesteuert, jedoch die Planung und Kontrolle werden – wie bei Linkshändern – nach wie vor von der rechten Hirnhälfte gesteuert. Bei umgelernten Linkshändern muss die Kommunikation also überkreuz von der rechten in die linke Hirnhälfte geleitet werden und dabei noch den natürlichen Impuls dort übertrumpfen. „Das verlangt vom Hirn mehr Arbeit.“

Haben Sie schon einmal versucht, als Rechtshänder mit der linken Hand zu schneiden? Oder mit dieser „falschen“ Hand einen Korken zu lösen? Umgeschulte Linkshänder machen täglich hunderte solche Bewegungen, die eine große Anstrengung erfordern, damit sie gelingen.

Probleme bei umgeschulten Linkshändern

Die Überlastung, die umgeschulte Linkshänder sogar bei den alltäglichsten Tätigkeiten befällt, führt zu unterschiedlichen Ausprägungen von Überlastungssymptomen. Die Liste der Störungen in Entwicklung, Lern- und Konzentrationsfähigkeit ist beklemmend: ADHS, mangelndes Konzentrationsvermögen, Gedächtnisstörungen, Burn-Out, Legasthenie, LRS und Dyskalkulie, Sprachstörungen wie z. B. Wortfindungsstörungen oder Stammeln und Stottern.

Geht man wie die Händigkeitsberaterin Mag. Andrea Hayek-Schwarz vom Verein LinkeHand davon aus, dass tatsächlich 50 % der Menschen geborene Linkshänder sind und stellt Ihnen die rund 10 – 15 % praktizierender Linkshänder gegenüber, so frappiert der Gedanke, dass sich vermutlich 35% der Menschen aufgrund der Prägung auf die nicht dominante Hand mit so drastischen wie vermeidbaren Störungen plagen.

Der zweite Teil unseres Linkshänder Artikels zeigt, wie Umschulung meist unbemerkt „passiert“ und noch immer unter gutem Vorsatz vorgenommen wird. Dazu verraten wir Ihnen wichtige Tipps, mit denen Sie gleich feststellen können, ob Sie oder Ihr Kind ein „unterdrückter“ Linkshänder sind.

 

Beitrag von Alice Linz, Redaktion SpielundLern.de

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