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Wortarten & Wortsymbole


Das Beherrschen der Sprache bildet gemeinsam mit der Empathiefähigkeit die Voraussetzung dafür, andere zu verstehen. Außerdem ist Sprache Grundlage für fast alle Bereiche der Bildung. Um effektiv lernen zu können, bedarf es daher einer guten sprachlichen Routine. Grammatik besitzt nicht gerade den Ruf, beliebt zu sein, nimmt aber eine wichtige Rolle ein. Dass Maria Montessori den Wortarten Symbole zuordnete, geschah mit der klaren Absicht, das trockene Thema Grammatik kinderfreundlicher machen. Montessori wollte Kindern auf diesem Weg erleichtern, Grammatikregeln und die Sprache als Ganzes besser zu verstehen.... ▶ zum Ratgeber Montessori Wortarten & Wortsymbole

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Die enorme Bedeutung der Sprachbeherrschung

Dass möglichst viele Menschen ihre Muttersprache auf gutem Niveau beherrschen, ist für sie persönlich vorteilhaft. Und nicht nur für sie selbst. Es hat auch eine große gesellschaftliche Bedeutung. Der Mensch lebt in Gemeinschaften und muss sich gewollt oder ungewollt immerzu mit anderen austauschen. Kommunikation nimmt eine besondere Rolle dabei ein, dass gemeinschaftliches Leben gelingen kann.

Je klarer Kommunikation verläuft, desto eher können wichtige Dinge besprochen werden, ohne dass die Konstruktivität durch vermeidbare Missverständnisse gestört wird. Wenn Menschen sich der Unterschiede nicht bewusst sind, die durch sprachliche Feinheiten entstehen, sind Missverständnisse dadurch schon vorprogrammiert. Entweder ist ihre eigene Ausdrucksweise unpräzise oder sogar falsch. Oder sie begreifen nicht genau (und das bedeutet manchmal: sie begreifen überhaupt nicht), was ihr Gegenüber auszudrücken versucht. Deshalb ist die Qualität des Muttersprachunterrichts sehr wichtig.

Grammatikunterricht für Kinder: eine Herausforderung

Man hört von Menschen aus anderen Ländern oft, dass es schwierig sei, Deutsch, speziell die Grammatik, zu lernen. Und es gibt Sprachen, die als noch schwerer gelten. Das mag frustrierend für Erwachsene sein, wenn sie sich ausgerechnet eine solche als Fremdsprache aneignen wollen. Die gute Nachricht ist, dass dies für Kinder im richtigen Alter praktisch keine Rolle spielt. Sie sind so veranlagt, dass es ihnen überhaupt kein Problem bereitet, eine Sprache zu lernen, egal wie schwer sie auch sein mag.

Allerdings wird dabei nicht automatisch eine gute Qualität gewährleistet. Die Kinder lernen, was man ihnen anbietet. Wenn in ihrer Umgebung falsch gesprochen und geschrieben wird, dann übernehmen sie auch die Fehler.

Ziel des Schulunterrichts ist es daher, Kindern das Lesen und Schreiben in der Muttersprache nicht nur einigermaßen beizubringen, sondern dafür Sorge zu tragen, dass sie die Sprache wirklich beherrschen. Das ist kein leichtes Unterfangen. Eine analytische und theoretische Herangehensweise ist dabei manchmal nicht zu vermeiden. Das wiederum kann Kindern jede Lust am Lernen verderben. Vor allem um diesen Aspekt ging es Maria Montessori, als sie Wortarten, beziehungsweise Grammatik im Allgemeinen, auf spannendere und effektivere Weise vermitteln wollte.

Wie also lässt sich dieser trockene Stoff so unterrichten, dass die Kinder nicht abschalten? Stellt man es falsch an, besteht sogar die Gefahr, dass sie eine lebenslange Aversion entwickeln und schon aus einer Antihaltung heraus generell keinen Wert auf korrekte Sprache legen.

Warum Maria Montessori Wortarten als Symbole darstellte

Also dachte sich Dr. Maria Montessori für die verschiedenen Wortarten stellvertretende Symbole aus, die anhand von Form und Farbe gut erkennbar und voneinander abzugrenzen waren. Die Idee baute auf ihrer pädagogischen Erfahrung auf, vor allem der Beobachtung, dass es Kinder viel leichter haben, sich für schwer zugängliche Stoffe zu interessieren, wenn dabei ihre Sinne angesprochen werden. Farbige Symbole sind da schon ein Fortschritt. Sie bleiben leichter im Gedächtnis, auch weil sie im Vergleich zu sperrigen Begriffen eher Assoziationen wecken. Form, Farbe und Größe der Symbole, die Montessori für die Wortarten aussuchte, helfen dabei, deren Funktion und Zugehörigkeit richtig einzuschätzen.

Montessori bezog die Wortarten aufeinander

Die symbolische Darstellung entspricht einerseits der Wichtigkeit der Wortarten. Außerdem werden diese sinnvoll in Zusammenhang gestellt. Das Nomen und das Verb sind die wichtigsten Wortarten und haben daher die größten Symbole. Das Pronomen ist nicht ganz so groß und ebenso wie das Nomen dreieckig, allerdings schlanker. Artikel, Adjektiv und Numeral passen als Dreiecke durch ihre Form ebenfalls zum Nomen, aber sie sind deutlich kleiner, denn sie spielen nur eine ergänzende Rolle. Ein Adverb gehört hingegen eindeutig zum Verb, ist daher wie dieses rund, aber ebenfalls kleiner, weil es nur eine Zusatzinformation vermittelt. Die restlichen drei Wortartensymbole sind eigenständig, und ihre Form soll darauf hinweisen, welche besondere Funktion sie haben: Die Konjunktion ist als verbindender Streifen dargestellt, die Präposition als liegender Halbmond, der auch an eine Waage erinnern könnte, und die Interjektion ähnelt einem Ausrufezeichen.

Wie bei Montessori Wortarten zu Figuren einer Geschichte wurden

Aber es war nicht das Hauptziel für Montessori, Wortarten eine symbolische Darstellung zu geben, sondern nur der erste Schritt. Die Wortartensymbole werden erst durch die Anwendung in einem Gesamtkonzept effektiv. Denn letzten Endes sind auch Dreiecke und Kreise ohne weiteren Kontext relativ langweilig für Kinder. Montessori dachte sich daher ein Märchen aus, in welchem die Wortarten vorkommen. Sie sind die Charaktere in der Geschichte, und wie diese dort zueinander stehen, zeigt das Verhältnis der Wortarten zueinander:

  • Prinz und Prinzessin Nomen, die über das unsichtbare Land der Wortarten regieren.
  • Herr Pronomen, der die beiden vertritt.
  • Der kleine Kerl Artikel, der die beiden immer begleitet.
  • Frau Doktor Numerale, die immer alles ganz genau beziffert.
  • Professor Adjektiv, der alles weiß und zu allem zusätzliche Beschreibungen parat hat.
  • Die Sonne, die Frau Verb heißt und durch ihre spendende Energie alles in Bewegung versetzt.
  • Der Mond, der Herr Adverb heißt, und den Aktivitäten ein besonderes Licht verleiht.
  • Die Konjunktionen, die alles in dem großen Land zusammenhalten.
  • Die Interjektionen, die als Kommentare zu den schönen und unschönen Dingen ausgerufen werden.
  • Die Präpositionen, die als Schilder aufgestellt werden, damit man in dem großen Land seinen Weg findet.

Übepraxis mit Montessoris Wortartensymbolen

Die Kinder können nun mit dieser Geschichte im Gedächtnis Sätze betrachten und sich überlegen, welche Worte zu welchen Charakteren passen. Wenn sie dies in einer Gruppe tun, entsteht auch ein Austausch darüber. Sie können über das Märchen reden und mit diesem begründen, warum ihrer Ansicht nach ein Wort mit diesem und nicht mit jenem Symbol gekennzeichnet werden sollte. Sie reden über ein Märchen aber zugleich auch über Grammatik - und sie merken es wahrscheinlich gar nicht. Letzten Endes lernen sie aber, welche Worte welche Funktion besitzen. Und sie lernen, sie zu benennen und korrekt zu verwenden.

Von großem Vorteil ist, dass die Selbstkontrolle über Kontrollkarten/-schablonen ganz leicht ist, die Kinder also nicht erst das Urteil der Lehrkraft abwarten müssen, bevor sie weitermachen. So können sie nach eigenem Tempo vorgehen.

Und sehr interessant auch für Erwachsene: Verschiedene Textsorten (Gedichte, Prosa, Gebrauchsanleitungen etc.) können auf ganz spezielle Art verglichen werden. In Texten der einen Art herrschen vielleicht mehr Dreiecke und bei einer anderen Art mehr Kreise oder Streifen vor. Mit einiger Übung kann man tatsächlich Textsorten nur anhand einer typischen Symbolverteilungen erkennen.