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Fasching mit Kindern – wie wichtig Verkleiden wirklich ist

Bereit fürs Rollenspiel? Halloween und Karneval sind Jahresfeste, die sich dem Verkleiden und Schminken verschreiben. Zwei Mal im Jahr heißt es für Jung und Alt: Schlüpft in Kostüme, schminkt euch bunt und genießt es, jemand anderes zu sein.

Abgesehen von den höchst karnevalbeschwingten Rheinländer, die an „ihrem“ Fastelabend fürs Narrentreiben alles stehen und liegen lassen, wird der Karneval auch international von vielen Menschen in Brasilien, Venedig und auf Teneriffa gefeiert. Aber auch in Indien gibt es das Frühlingsfest Holi als farbenrauschendes Kostüm- und Maskenfest.

Nicht nur zum Fasching sind Kinder fasziniert von Verkleidungen und Masken

Anders als viele Erwachsene, die dem Fasching und Halloween nichts abgewinnen können, teilen diese Freude am Schminken, Verkleiden und Rollenwechsel weltweit fast alle kleinen Menschen unter 10: Ein Großteil der Kindergartenkinder und Grundschüler verkleiden sich ganzjährig für ihr Leben gern.

Woher kommt diese Faszination fürs Verkleiden und den Rollentausch der Kinder nicht nur zum Fasching?

Ein kurzer Blick in die Geschichte der Körperbemalung und der Urfeste lässt erahnen, dass diese Freude dem Menschen von jeher angelegt ist. Die Gründe sind vielfältig und so interessant, wie schwer zu ergründen.

Karnevalsumzug durch die Stadt

Die Freude am Verkleiden - woher kommt Sie bei uns Menschen und wie war es früher?

Abgesehen vom rein spielerischen, bunten, experimentierfreudigen Aspekt der Verkleidung, des Schminkens, des Rollenspiels, gibt es auch symbolisch aufgeladene Aufgaben der Verkleidungs- und Maskenfeste weltweit.

Das Verkleiden oder Schminken gehört ohne Zweifel seit jeher zu einer wichtigen Ausdrucksweise der Menschen dazu, die unterschiedliche Botschaften vermittelte.

Die Art des Veränderung des Aussehens zu Festen und Feiern wurde auf zwei unterscheidenden Weisen vorgenommen: durch Körperbemalung und durch Körperschmuck anhand von Perlen, Tierfedern oder ähnlichen Naturmaterialien.

Vielen geläufig ist die alte Tradition der Bemalung der Haut mit dem Henna bezeichneten Farbstoff. Alte indische, islamische oder afrikanische Hennamalerei unterscheidet sich in den Motiven, ähnelt sich ansonsten jedoch in der langen Tradition und gemeinsamen Verwendung als festliche, besondere, häufig symbolisch aufgeladene Körperbemalung. Bei Hochzeiten oder Jahresfesten bebilderten die Zeichen Fruchtbarkeit und eine gute Fügung in Form von traditionell übermittelten Symbolen.

Quellen belegen bereits im ersten Jahrhundert vor Christus eine Bemalungs- und Schmucktradition bei keltischen Festen. Auch die Römer pflegten die Körperbemalung.

Das Anlegen von Körperschmuck nahm vorwiegend die Rolle ein, in der Gemeinschaft besonders hoch angesehene Personen zu kennzeichnen, Verdienste zu markieren oder Wohlstand zu zeigen – aber auch durch furchterregende Masken und Tänze Dämonen zu vertreiben und die Gemeinschaft von bösen Kräften zu reinigen.

Eine Maske zum Fasching

Warum verkleiden wir uns an Fasching? Soziale und kulturelle Aspekte

Drei Aspekte aus der Tradition des Verkleidens und Schminkens sind noch heute für das Verständnis des Phänomens Fasching interessant und von Bedeutung. Sie weisen auf Grundbedürfnisse der Menschen hin, die durch rauschende Kleiderfeste gestillt werden konnten.

Gemeinschaftsstiftung durch gemeinsames Bemalen

Erstens die Komponente der Gemeinschaftsstiftung durch gemeinsames Bemalen und Verkleiden. Bei indischen Hochzeiten beispielsweise brachte die gemeinschaftliche Bemalung der Braut die beiden Familien in gelöster Stimmung zum Kennenlernen zueinander. Ganz generell sind die Verkleidungsfeste und Maskeraden seit jeher gesellschaftliche Feste, bei denen eine Gruppe auch unterschiedlicher Menschen ausgelassen zusammenkommt.

Fasching als Ventil für Kritik und Frust

Die zweite Bedeutung ist die als Ventil für Kritik und Frust, für Emotionen gegenüber anderen aus Familie oder Gemeinschaft. Seit dem Mittelalter brachten die Verkleidungsfeste das Aufheben von Gesetzmäßigkeiten und Regeln des Anstands mit sich, das Narrentreiben. Neben den damals schon kritisierten zeitweisen Verfall der Sitten brachte diese Komponente eine für das Zusammenleben wichtige Möglichkeit, einmal öffentlich „regelwidrig“ zu handeln und somit „Luft abzulassen“. Während des Narrentreibens erlaubte Fasching bereits seit dem Mittelalter straffreie Gesellschaftskritik an damals höhergestellten Schichten wie Adel und Klerus – ein Ventil also für Frust und Wut ganzer Gesellschaftsschichten.

Die verkehrte Welt im Rollentausch

Es sei noch ein dritter Aspekt erwähnt, dieser war ein wichtiger Bestandteil der italienischen Commedia dell’Arte, einer Theaterforrm des 16. Jahrhunderts: Der Rollentausch, die verkehrte Welt. Männer verkleideten sich als Frauen, junge Menschen schminken sich alt, schöne legen sich hässliche Masken um. So wurde die Welt als den Angeln gehoben – ein wildes Fest der Fantasie und des Spiels.

Es ist demnach ein naheliegender Gedanke, das Verkleiden, das Schminken und das Rollenspiel als Grundbedürfnis des menschlichen Wesens zu sehen, das bestimmte wichtige Aufgaben erfüllt. Das Verkleiden und Schminken also als ein Ventil zu sehen für Dinge und Gefühle, die aus unterschiedlichen Gründen anders nicht ausgesprochen oder gezeigt werden können. Aber auch als Fest der Verwandlung und der Narrenfreiheit.

Die Geschichte der Kleider- und Maskenfeste ist fassettenreich und komplex.

Ein Kind verkleidet zum Fasching

Warum Kinder es lieben, sich zu verkleiden und in fremde Rollen zu schlüpfen

Ab 3 Jahren in etwa kommen Kinder in das Alter des Rollenspiels. Im Spiel werden unterschiedliche Rollen imitiert. Einige Kinder jedoch imitieren auch Tiere. In diesem Alter ist die Phantasie so stark, dass die 3-Jährigen meist keine Verkleidung anlegen, da reicht auch ein Anschleichen und Sitz-Machen, um treffsicher zu verdeutlichen, wer man gerade sei. Da bellt oder miaut es dann plötzlich aus der Kinderschnute, und für die Eltern heißt es meist: Mitmachen und die „Katze“ kraulen, dem „Hund“ ein Stückchen vom Frühstücksbrot hinwerfen. Manches Kind hält über Wochen standfest an diesem Rollentausch fest und verspielte Eltern erheitern sich an dem drolligen Mimenspiel.

Die Faszination, sich zu verkleiden, bleibt aber auch über dieses erste Rollenspiel-Alter hinweg erhalten. Die Kinder üben es, in Verkleidung zu schlüpfen, das darstellende Spiel macht den Kindern Freude, hier können sie wirkmächtig sein. Häufig sieht man hier Rollenbilder entstehen, die spielerisch ausprobiert werden, meist Figuren, die Wunschbild oder Vorbild sind. Man sieht das Mädchen Prinzessin oder Räubertochter spielen, den Jungen Polizist, Feuerwehrmann oder sonstige Figuren, die als Helden der Kindheit taugen. Natürlich schleichen sich hier auch häufig Figuren als Rollenbilder ein, die aus der Zeichentrickwelt der Medien kommen. Batman, Spiderman aber auch Elsa – und auch wenn viele kleine Mädchen und Jungs diese Figuren noch nie im Fernsehen gesehen haben – was sie transportieren, das verstehen schon kleine Menschen: das Übermenschliche, Kraftvolle, Heldenhafte zieht Kinder in seinen Bann.

Fasching begeistert Kinder und beflügelt die Fantasie

In der Verkleidung „starker“ Figuren, ermöglicht das Rollenspiel den Kindern zusätzlich, Wut und Ärger in sich selbst aufzulösen. Die Fantasie ermöglicht diese emotionale Leistung. So gelingt Kinder in ihrer Rolle mehr, als in Wahrheit ihnen schon möglich ist.

Die bunte, wirbelnde Faschingswelt ist nicht zuletzt aber schlicht eine der reinen Freude an Farben, Stoffen und Rollen. Eine Begeisterung für das Ändern des Antlitzes anhand weniger Griffe, die Wandlungsfähigkeit in Minuten fasziniert die fantasievollen Herzen kleiner und großer Menschen.

 

Beitrag von Alice Linz, Redaktion SpielundLern.de

Quellen:

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Karneval,_Fastnacht_und_Fasching
  • https://www.helles-koepfchen.de/artikel/872.html
  • http://www.kidsweb.de/schule/kidsweb_spezial/fasching_spezial/karneval_erfunden.html
  • https://www.kinder.de/ratgeber/spezial-fasching-karneval/fasching-in-anderen-laendern/
  • https://www.herder.de/kizz/aktivitaeten-mit-kindern/kinderspiele/spass-am-verkleiden-kinder-lieben-rollenspiele/

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